Nordkreis - Amt des Schiedsrichters leidet unter Imageproblemen

Amt des Schiedsrichters leidet unter Imageproblemen

Von: Yannick Longerich
Letzte Aktualisierung:
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Nicht jeder ist für dieses Amt geschaffen: Die Anforderungen für Schiedsrichter im Amateurfußball steigen. Foto: Colourbox

Nordkreis. Wenn sich die Trainingsgemeinschaft der Aachener Schiedsrichter mittwochabends zum Fußballspielen trifft, geht es oft genauso emotional zu wie sonntags im Ligaspielbetrieb. War dieses Handspiel regelwidrig? Ist die Vorteilsentscheidung nach dem Foul im Mittelfeld besser als ein Freistoß?

Der Ball war doch niemals mit ganzem Durchmesser hinter der Linie! Zugegeben, die spielerischen Mittel sind begrenzt und schön anzuschauen ist das Spiel nicht. Aber das ist nicht das Ziel. Vielmehr mehr geht es darum, die eigene Fitness zu erhalten und nicht zuletzt den Blick auf das Spiel aus Sicht eines Spielers im Kopf zu behalten. Ob im Jugendspielbetrieb samstags oder sonntags bei den Senioren. Je nach Verfügbarkeit wird er bei allen Spielen eingesetzt.

Und so einfach es klingen mag: Einen guten Schiedsrichter macht aus, dass er sich auch in die Position der Spieler versetzen kann, um so eine vertretbare Entscheidung zu treffen. Das weiß keiner besser als Niklas Delens vom FC Teutonia 1919 Weiden: „Gerade als junger Schiedsrichter ist man auch häufig bei erfahreneren Kollegen in höheren Spielklassen als Assistent im Einsatz. Letzten Endes macht es keinen Unterschied, ob ich in der Kreisliga C oder in der Bezirksliga unterwegs bin. Wir wollen den Spielern vermitteln, dass wir genauso Lust auf einen Fußball-Sonntag haben wie sie, ansonsten würde nämlich kein Spieler morgens um elf zum Platz kommen. Wenn wir das als Schiedsrichter vermitteln können, werden auch Fehlentscheidungen besser toleriert.“

Delens und seine Mitstreiter wissen, dass das Schiedsrichterwesen mit zwei Hauptproblemen zu kämpfen hat: Personalmangel und Gewalt gegen das Amt des Spielleiters. Allzu oft ist von einem direkten Zusammenhang zu lesen. Immer weniger Leute haben – aus Angst vor solchen Eskalationen – Interesse am Ausüben der Schiedsrichtertätigkeit.

Aber ganz so dramatisch, wie viele befürchten, sieht die Realität nicht aus: Während die Zahl an Spruchkammersitzungen wegen tätlicher Vergehen gegen Schiedsrichter in den vergangenen Jahren nur geringfügig gestiegen ist und nach wie vor Einzelfälle darstellt, betonen langjährige Amateur-Schiedsrichter Spaß und Einzigartigkeit, die sie mit ihrem Hobby verbinden.

Das unterstreicht auch Michael Herpers, Geschäftsführer des Kreisschiedsrichterausschusses: „Nach meinem persönlichen Empfinden hat sich das Kommunikationsniveau im Amateurfußball in den letzten Jahrzehnten etwas verschlechtert.

Es wird mehr gemeckert und diskutiert. Aber das alleine sehe ich erstmal nur als Herausforderung an im Umgang mit den Spielern. Es wäre fatal, ein loseres Mundwerk gleichzusetzen mit allgemein höherer Gewaltbereitschaft.“ Charakterstärke und -bildung, dazu sportliche Betätigung und Verantwortungsbewusstsein seien Schlüsselworte.

Herpers ist Favorit für den Posten des Vorsitzenden bei der am Montagabend anstehenden Wahl und mit fast 34 Jahren Schiedsrichtererfahrung ein „alter Hase“. Ihm bereitet der hohe Altersdurchschnitt des Kollegiums Sorgen. Im Zuge seiner Kandidatur hat er deshalb mit seiner immensen Erfahrung, die er gerne an die junge Generation weitergeben möchte, geworben.

Zu seinem Credo „viel sehen, wenig hören“ erläutert er: Aus seiner Sicht steigen die Anforderungen ans Amt des Schiedsrichters stetig. Nicht jeder sei dafür geschaffen. Aber wen das Interesse gepackt habe, merke, dass dieses Amt wenig mit einem Dasein als „Prügelknabe“ zu tun habe.

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