Nordkreis - Ampelanlagen werden auf neuesten Stand gebracht

Ampelanlagen werden auf neuesten Stand gebracht

Von: Robert Flader
Letzte Aktualisierung:
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Wichtige Wegweiser für Menschen mit Behinderung: Ampelanlagen werden im Nordkreis - wie hier auf dem Alsdorfer Denkmalplatz - bei Bedarf auf den neuesten Stand gebracht. Foto: Robert Flader

Nordkreis. Franz Meyer sitzt in seiner Wohnung in der Alsdorfer Burgstraße und blickt nachdenklich Richtung Fenster. Er atmet tief durch und sagt leise: „Irgendwie gewöhnt man sich an diesen Zustand.” Der 66-Jährige kann nicht sehen, was sich draußen abspielt. Er ist fast blind - und als Folge von Diabetes (meistens) im Rollstuhl unterwegs.

„Man ist dann eben auf fremde Hilfe angewiesen.” Doch trotz Seh- und Gehbehinderung gehe es immer vorwärts, ist Meyer überzeugt. „Selbst mit Behinderung muss ich ja nicht den ganzen Tag zu Hause bleiben”, sagt er und fügt trotzig hinzu: „Jeder Sehbehinderte ist doch froh, wenn er sich im Freien noch alleine bewegen kann.”

Auch in der Stadt, auch an Straßenkreuzungen, selbst wenn die Lichtsignale der Ampelanlagen für Sehbehinderte nur schwer oder gar nicht zu erkennen sind. Für Menschen wie eben Franz Meyer, der in Alsdorf im Beirat für Menschen mit Behinderung sitzt, und der bei Einkäufen und Terminen fasst immer von seiner Frau Gisela begleitet wird. „Für Menschen wie mich ist das Vertrauen in die technischen Gegebenheiten natürlich ganz wichtig.”

Und dieses Vertrauen in puncto Verkehrsübergänge wächst: Nach und nach werden die Ampelanlagen im Nordkreis auf den neuesten Stand gebracht und behindertengerecht ausgestattet. Zumindest an stark frequentierten Kreuzungen. In Würselen etwa wurde zusammen mit dem Blinden- und Sehbehindertenverein im vergangenen Jahr eine Prioritätenliste erstellt, wo nach Meinung der Betroffenen unbedingt Ampelanlagen mit Akustik- und Tastsignalen (Taktile) installiert werden müssten.

„Zwei von acht geplanten Anlagen sind bereits im Einsatz”, sagt Till von Hoegen, technischer Beigeordneter. Die neuen Ampelschaltungen sollen quer durch das Stadtgebiet verteilt werden, den Anfang machen die Krefelder Straße beziehungsweise die Aachener Straße. Entlang der Kaiserstraße seien bereits sämtliche Lichtsignalanlagen mit Taktilen ausgerüstet. „Dort ist natürlich die Frequentierung von Menschen mit Handicap besonders groß”, ergänzt von Hoegen.

Umbauten am Denkmalplatz

Mindestens 5000 Euro kosten zwei neue Signalanlagen inklusive Steuergerät. „Bei komplett neuen Ampelanlagen kann es auch schnell in den fünfstelligen Bereich gehen,” ergänzt Georg Felkel vom Tiefbauamt Alsdorf. Im Zuge des Umbaus des Denkmalplatzes im letzten Jahr wurden alle Ampelanlagen mit Bewegungspflaster, Taktil-Melder, akustischen Signalen und abgesengten Bordsteinen versehen.

„Wenn der Bedarf besteht, reagieren wir zeitnah”, ergänzt Felkel. Spezielle Anträge brauche es dafür nicht. „Das sollte auch keine Kostenfrage sein, schließlich geht es hier in erster Linie um Sicherheit im Straßenverkehr.” Dazu zählen auch die Grünphasen für Fußgänger. Diese sind unterschiedlich lang und hängen in erster Linie von der Straßenbreite ab.

Franz Meyer erzählt davon, dass früher alles einfacher war, damals etwa bis 1991. Seitdem ist er sehbehindert. Von einem Tag auf den nächsten habe er sein Auto deshalb stehen lassen. „Natürlich ist dadurch auch einiges schwerer geworden.” Er erklärt, warum der Blinden- und Sehbehindertenverein der Städteregion, in dem er ebenfalls Mitglied ist, demnächst einen Antrag einreichen will, dass an der B57 möglichst alle Straßenkreuzungen behindertengerecht werden müssten. „Da besteht noch einiger Handlungsbedarf.”

Ähnlich verhalte es sich mit der Schaufenbergerstraße in Alsdorf. „Die ist durch den Rechtsabbiegerpfeil für Fußgänger wirklich sehr gefährlich”, sagt Meyer. Zufrieden ist er hingegen mit dem Umbau des Denkmalplatzes: „Da ist für Menschen mit Handicap alles gemacht worden.” Auch für Jürgen Müller, Vorsitzender des Alsdorfer Behindertenverbandes und selbst Rollstuhlfahrer, waren die Veränderungen nötig: „In Alsdorf leben rund 5000 Menschen mit einer Behinderung. Da ist es sinnvoll, denen auch auf der Straße zu helfen.”

Rund 13 Prozent der Alsdorfer gelten offiziell als Menschen mit Handicap. „Blickt man aber 15 bis 20 Jahre zurück”, erzählt Müller, „hat sich für die Bewegungsfreiheit im Stadtgebiet wirklich schon einiges getan.” Dabei gehe es gar nicht so sehr darum, ständig neue Forderungen zu stellen, „aber man kann schließlich nicht an jeder Ampel auf die Hilfe anderer warten”, sagt Franz Meyer. „Man darf auch nicht nur am Beispiel von Sehenswürdigkeiten oder Fußgängerzonen von Barrierefreiheit reden. Der Straßenverkehr gehört mindestens genauso dazu.”

Zum Vergleich: In Aachen werden bei Straßenumbauten Ampelanlagen nur dann behindertengerecht eingerichtet, wenn ein entsprechender Antrag eines Vereins oder einer einzelnen Person vorliegt. „Wir werden von selbst aktiv”, sagt Georg Felkel. Zwar müsse die Notwendigkeit „von Einzelfall zu Einzelfall” überprüft und das Straßenkonzept grundsätzlich miteinbezogen werden, „aber wir haben uns noch nie gegen die Notwendigkeiten gesperrt.”

In manchen Fällen müsse dennoch überlegt werden, ob eine Umrüstung sinnvoll sei. „Vielleicht lohnt sich eine komplett neue Ampelanlage im Zweifelsfall schon eher”, ergänzt Felkel. Einziges Ärgernis der neuen Ampelanlagen: In Wohngebieten wird das Summen der Wegweiser von Anwohnern als störend empfunden. „Aber auch daran arbeiten wir”, erklärt Felkel.

In Baesweiler ist eine der insgesamt vier Ampelanlagen „auf dem neuesten Stand”, wie der technische Beigeordnete Peter Strauch erklärt. „Bei der Anlage an der Landesstraße 225 ist wirklich an alles gedacht worden.” Doch da die Zuständigkeit in solchen Fällen beim Landesbetrieb Straßenbau NRW liegt, würden in der Region pro Jahr lediglich zwei bis drei Ampelanlagen an Bundesstraßen neugestaltet (und damit behindertengerecht) werden. „Der Topf für solche Maßnahmen ist relativ dünn und hängt in erster Linie von der Landeskasse ab”, schränkt Strauch ein. „Der Haushalt gibt einfach nicht viel her.”

Es dauert also noch, bis wirklich alle Wünsche erfüllt sind. Vielleicht fünf Jahre, vielleicht auch noch länger. „Aber gerade für Sehbehinderte ist es schon viel besser als noch vor ein paar Jahren”, sagt Franz Meyer und fügt lächelnd hinzu: „Für mich ist blindes Vertrauen in den meisten Fällen ohnehin der beste Wegweiser.”
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