„Amigos“ begeistern auch durch ihre Bodenständigkeit

Von: mabie
Letzte Aktualisierung:
7357744.jpg
Ein Foto fürs Familienalbum: Karl-Heinz Ulrich, Silke und Manfred Breuer und Bernd Ulrich als echte „Amigos“. Unsere Leser aus Niederbardenberg hatte Gelegenheit, das erfolgreichste deutsche Schlagerduo vor dem Konzert hautnah zu erleben. Foto: Markus Bienwald
7357746.jpg
Orangefarbene T-Shirts gehören dazu: Änne Gontrum, Marlies Sieprath und Annett Finke (v.l.) ließen sich gerne auf den Abend mit den „Amigos“ ein. Natürlich dürfen die passenden Fan-Artikel nicht fehlen. Foto: Markus Bienwald
7357750.jpg
Schwarze Anzüge mit Glimmerbesatz, mehr braucht es nicht: Schnell sind Karl-Heinz und Bernd Ulrich in ihr Bühnenoutfit geschlüpft, um als „Amigos“ Hunderte Fans in der Alsdorfer Stadthalle zu begeistern. Foto: Markus Bienwald

Alsdorf. Bernd und Karl-Heinz haben es einfach drauf. Da sitzen sie noch rund eine halbe Stunde vor Konzertbeginn im Keller der Alsdorfer Stadthalle, ganz leger in T-Shirt und Jeans, plaudern bei Kaffee und Wasser mit ihren Crew-Mitgliedern über dies und das.

Und kaum später stehen sie im glitzernden Anzug auf der großen Bühne und begeistern eine volle Halle. Diese Normalität, das Bescheidene und das Echte haben die „Amigos“, wie die Brüder Ulrich in ihrem Bühnenleben heißen, sich bewahrt. Und auch Silke und Manfred Breuer, die bei der Kartenverlosung unserer Zeitung gleich noch ein neudeutsch so schön „Meet and Greet“ genanntes persönliches Treffen gewonnen haben, dürfen ein Stück davon kosten. Sehr herzlich begrüßen die Brüder die beiden Fans. Gleich ist man beim Du, es geht ungezwungen und locker los. Silke ist noch etwas aufgeregt, schließlich bekommt man das laut Werbung erfolgreichste deutsche Schlager-Duo nicht alle Tage auf Tuchfühlung geboten.

Doch bei einer Runde Zigaretten mit den Stars ist das Eis schnell gebrochen. „Ist das bei Euch wirklich so, ihr habt einen Auftritt nach dem anderen?“, fragt Manfred noch etwas zurückhaltend. „Pro Woche haben wir im Schnitt vier Termine“, sagt Bernd, der wie auch sein Bruder in keiner Sekunde den Star raushängen lässt. Fast gehen die beiden unter im Gewusel der vielen Tourbegleiter.

Natürlich gibt es ein Catering, kalte und warme Speisen, um Stars wie Crew gleichermaßen zu beköstigen. Doch Champagner oder ausgefallene Whisky-Sorten sucht man besser in den Garderoben anderer Bühnenprofis, bei den Amigos gibt es Wasser, Cola und Kaffee. Und viel Authentizität, wie sie selbst betonen. Sie beschäftigen sich mit dem, was um sie herum passiert. Dazu gehört die große Liebe wie in ihrem Hit „Ich geh‘ für Dich durchs Feuer“ genauso wie der Umgang mit dem Älterwerden, für den der Titelsong ihrer aktuellen Tournee „Im Herzen jung“ steht. Für Silke und Manfred Breuer ist es das erste Konzert mit den „Amigos“. Fans wurden sie auf eine Weise, die vielleicht auch in einem Lied der Brüder vorkommen könnte: „Meine Mutter war ein großer Amigos-Fan“, erzählt Silke. Ihre Stimme wird leiser, denn ihre Mutter ist vor einem Jahr gestorben. Beide hörten gerne gemeinsam Musik, so klangen immer wieder die „Amigos“ aus dem CD-Spieler. „Vor allem die traurigen Titel erinnern mich sehr an die Zeit mit ihr“, sagt Silke und ihre Augen werden feucht. Selbst ist die 42-Jährige aus Niederbardenberg großer Andrea-Berg-Fan. Ihr Mann Manfred (45) hört zwar auch gerne Musik, will sich aber auf keine Richtung festlegen. Die „Amigos“ jedenfalls haben bei beiden großen Eindruck hinterlassen. „Ganz normale Menschen“, sagt Manfred noch kurz, ehe es auf die eigens für sie reservierten Plätze geht.

Draußen spielen sich derweil Szenen ab, die bei anderen Konzerten nicht unbedingt an der Tagesordnung sind: Söhne und Töchter um die 30 oder 40 bringen ihre Eltern zur Halle und fragen fürsorglich beim Veranstalter nach, wie lange das Ganze denn dauern werde. Stockschirm, Mantel und Hut sind bei den Fans der Amigos, die Crew-Aussagen nach übrigens in Richtung Süden Mitteleuropas immer jünger werden, noch längst nicht aus der Mode.

In der durchgängig bestuhlten Halle sind nun fast alle Plätze belegt. Viele Gäste haben sich vor dem Konzert noch mit Fanartikeln eingedeckt. Bären, Schals und T-Shirts gehören dazu, freundlich an Mann und Frau gebracht von den stets mitreisenden Ehefrauen der „Amigos“. Ganz wichtig für Fans sind kleine Leuchten, die auf Knopfdruck knallbuntes LED-Licht durch Kunststofffasern schicken. Winkend kann man so Lichtfächer erzeugen. Auch Änne Gontrum, Marlies Sieprath und Annett Finke haben sich mit knallorangenfarbenen T-Shirts, auf denen der silberne Amigos-Schriftzug prangt, und Leuchtstäben eingedeckt. Warum sie hier sind, ist schnell beantwortet: „Die singen Lieder aus dem echten Leben!“, sagt Änne Gontrum. „Da kommen auch schon mal die Tränchen“, ist Marlies Sieprath schon vor dem Auftritt sehr bewegt. Für Annett Finke ist es das erste Mal, sie ist gerne dabei.

Auch vor der Bühne wird vor allem von den schönen Texten geschwärmt, die mitunter eigene Erfahrungen spiegeln, aber dennoch ein schönes Gefühl in der Bauchgegend verbreiten. Mit dem ersten Ton wird das noch verstärkt, die Brüder singen „Im Herzen jung“, freuen sich, als eine Dame ihnen zuruft, sie seien „echte Zuckerschnuten“. Zwischendurch erzählen sie gerne die Ereignisse, die sie zu den Liedern inspiriert haben. Wie etwa die Häme, die sich über die befreundeten „Kastelruther Spatzen“ ergoss, als durch die Presse ging, diese könnten angeblich kein einziges Instrument selbst spielen. Zum vermeintlichen Skandal selbst sagt Bernd auf der Bühne nichts, wohl aber über das, was er damit verbindet: „Dabei wurde nie darüber berichtet, dass die Kastelruther Spatzen über Jahrzehnte die Menschen mit ihrer Musik erfreut haben, ihnen viele schöne Stunden geschenkt haben!“

Das dazu passende Lied „Judas küsst noch immer“ wird denn auch kräftig umjubelt. Die beiden auf der Bühne verdienen sich mehr als nur Applaus, sondern echte Gefühle. Davon deuten die glücklichen Gesichter der Konzertbesucher.

Nach pünktlichem Beginn um halb acht ist um zehn Uhr genauso pünktlich Schluss mit live vorgetragenen Liedern der Amigos. Doch summend tragen die Fans die Melodien der Schlagerkönige hinaus in die kühle Vorfrühlingsnacht.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert