Alsdorf - „Amateurfußball ist krank und kämpft ums Überleben“

„Amateurfußball ist krank und kämpft ums Überleben“

Von: Sigi Malinowski
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Josef Weitz: „Wenn alle Vereine an einem Strang ziehen würden wäre uns schon geholfen.“ Foto: mas

Alsdorf. Nein, eine Anklage soll es nicht sein. Und auch kein Rundumschlag. Vielmehr sieht Josef Weitz sein Anliegen als Bestandsaufnahme, als Weckruf und als Aufforderung zur Solidarität. Weitz, Chef des Fußballvereins Alemannia Mariadorf, macht sich große Sorgen. Diese verpackt er in die Überschrift: „Der Amateurfußball ist krank und kämpft an vielen Fronten ums Überleben.“ Oder anders formuliert: Der (Amateur)Fußball und das liebe Geld.

Josef Weitz, 64 Jahre alt und profunder Kenner der Szene, befürchtet, „viele Amateurklubs stehen vor dem Aus und können sich allenfalls durch Fusionen mit anderen Klubs noch retten“. Josef Weitz bemerkt auch, „die Probleme sind ja nicht nur mir bekannt, so geht’s ja vielen anderen Funktionären auch“. Zahlreiche Vereine müssen aufgrund von wirtschaftlichen Schieflagen in die Insolvenz gehen, zählt der Mariadorfer Vorsitzende unter anderem die jüngsten Beispiele VfL Leverkusen oder Worringen auf. Landesligisten, die von der Bildfläche des Mittelrheinfußballs verschwinden werden.

Einen Grund zieht Weitz vorweg heran. „An der Basis rumort es, seit im November 2016 ein neuer Grundlagenvertrag zwischen dem DFB und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) geschlossen wurde. Vereine beklagen die mangelnde Unterstützung durch den DFB, der mit der DFL TV-Rechte ausgehandelt hat und dadurch die Amateurvereine „ganz schlecht aussehen.“ 36 Profivereine erhalten von einem Budget von 1,5 Milliarden Euro allein 1,4 Milliarden Euro. Dagegen wird nur ein kleiner Teil von 50 Millionen Euro den Verbänden – also den Amateurvereinen – zur Verfügung gestellt.

Josef Weitz sagt es so: „Wir fühlen uns im Stich gelassen und vom DFB nicht ausreichend vertreten. Das werden wir auch nicht mehr hinnehmen.“ Das Bild, das der Vorsitzende der Landalemannen zeichnet, ist düster. Ehrenamtler fehlen immer mehr, die Einnahmen der Amateurklubs gehen deutlich zurück, weil die Spielansetzungen der Profiklubs immer weiter ausgedehnt werden. „Ab nächster Saison wollen DFB und DFL sonntags ab 13.30 Uhr Bundesligaspiele ansetzen“, befürchtet Weitz einen weiteren Zuschauerrückgang bei den Amateuren.

Noch etwas liegt ihm auf dem Magen. Sponsoren wenden sich ab und den Profivereinen zu. Beispielsweise investiert man jüngst lieber in den Ankauf teurer Logen in den Stadien. Die Zahl der Jugendmannschaften reduzierte sich in den vergangenen zehn Jahren von 840 Teams auf nur noch 655 Mannschaften im Fußballkreis Aachen. Ganz besonders schmerzt Weitz, dass „in allen Vereinen in zunehmendem Maße die Spieler fehlende Vereinstreue an den Tag legen“. Das trifft auch die Landalemannia immer mehr. Weitz verweist nebenbei darauf, dass sich sein Klub – obwohl der Abstieg von der Landes- in die Bezirksliga früh deutlich wurde – „sportlich fair aus der Saison verabschiedet und nicht zurückgezogen hat“.

Mariadorf gilt seit vielen Jahren als Talentschmiede. Nicht nur auf der Ebene Erste Bundesliga. Hans-Peter Lehnhoff, Rachid Azzouzi oder der gerade mit 17 Jahren ins Erstligateam von Bayer Leverkusen beförderte Kai Havertz sind Beispiele. Im Amateurbereich hätten die Alemannen mit ehemaligen Spielern wie Alex Back, Ada Szkaradek, Michael Meven, Adrian Stasczak oder auch Peter Sczyrba ein Oberligateam stellen können.

Den sichtbaren Niedergang des Amateurfußballs verbindet Weitz auch mit immer „dreister“ werdenden Forderungen, die viele Spieler in die Verhandlungen einbringen. „Diese gehen doch meist über das Limit der Aufwandsentschädigungen hinaus.“ Dem Lockruf des Geldes folgend verlassen die Spieler ihren Klub. Alemannia Mariadorf hat sich, so Jupp Weitz, „immer im Rahmen unserer Möglichkeiten und des Erlaubten bewegt“.

Ein Leitsatz von Weitz und seinen Funktionärskollegen: „Ein Sportverein ist verpflichtet Lohnsteuer und Sozialabgaben anzumelden und abzuführen, wenn die für Trainings- und Spieleinsatz gezahlten Vergütungen nach dem Gesamtbild der Verhältnisse als Arbeitslohn zu bezeichnen sind“. Leider gehen mit diesen Grundsätzen nicht alle Vereine „sauber“ um.

Eine zentrale Forderung von Josef Weitz: „Wir brauchen mehr Rechtssicherheit.“ Denn seit langem könnten sich die Vereine auch mit dem Status Vertragsamateur nicht mehr zufrieden geben. Zudem braucht es eine Regelung und einen ehrlichen Umgang zwischen den Vereinsvorständen. Viele Vereine (wie Alemannia Mariadorf) leisten enorme Jugendarbeit und werden durch das Wegholen der Talente, „um unseren selbst erarbeiteten sportlichen Erfolg gebracht“. Weitz: „Ich prangere nicht den Geldfluss an. Sondern ich möchte vielmehr, dass man dieser fatalen Entwicklung nicht einfach nur zusieht und wir dieser negativen Entwicklung entgegentreten.“ Durch mehr Solidarität unter den Vorständen der Klubs. Das wäre ein Anfang.

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