Am Radschnellweg scheiden sich die Geister

Von: Beatrix Oprée
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Premiumradweg forcieren oder erst vorhandene Wege sanieren? In Herzogenrath gibt es trotz Wettbewerbsgewinn zum Radschnellweg auch kritische Stimmen. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Gibt es Funkstörungen in der ansonsten so harmonischen Gestaltungsmehrheit aus SPD, Grünen und Linke? In Sachen Radschnellweg Aachen – Herzogenrath – Kerkrade jedenfalls scheiden sich die Geister.

Dr. Bernd Fasel (Grüne) stellt vehement die Chancen des 30 Kilometer langen Projekts heraus („So sieht zukunftsfähige Verkehrspolitik aus!“) und sagt volle Unterstützung zu. Unter der Maßgabe, dass jede Kostenübernahme mit Blick auf das Haushaltssicherungskonzept unter Kontrolle der städtischen Gremien bleibt – und die Bürger jederzeit über die Entwicklungen informiert werden, die der Entscheidung des zuständigen Fachausschusses obliegen.

SPD und Linke hingegen trauen den Kostenschätzungen nicht: Der verkehrspolitische Sprecher Ulrich Hoffmann-Siemes (SPD), selbst passionierter Radfahrer, weist auf unliebsame Erfahrungen mit anderen Großprojekten, etwa die Euregionale, hin, die eine teure Eigendynamik entwickelt hätten. Von 150 000 bis 200.000 Euro gehe man derzeit für die Machbarkeitsstudie Radschnellweg aus, Eigenanteil Herzogenrath: 7500 bis 10.000 Euro. Es seien aber schon höhere Zahlen genannt worden.

Als Gesamtsumme führt er 15 Millionen Euro alleine auf deutscher Seite ins Feld, bei den zu erwartenden Kostensteigerungen kämen da leicht über eine Million Euro Eigenanteil für den Bau auf Herzogenrath zu – „von Anschlussradwegen ganz zu schweigen“. Und: Die avisierten 80 Landesförderung würden aus dem Landesetat für Radwegebau und -unterhaltung getragen. Dabei sei das Land schon kaum in der Lage, bestehende Radwege zu reparieren, deutet Hoffmann-Siemes etwa auf die L 223 bei Bardenberg (dort gab es mehrere schwere Unfälle, die Gefahrenstelle wurde erst nach Berichterstattung unserer Zeitung ausgebessert).

Die SPD hat auch im Blick, was sonst alles zu stemmen ist: zukunftsfähige Schulen, Sanierung Hallenbad Kohlscheid, Umstrukturierung Kohlscheider Markt... „Es ist ein überregionaler Radweg“, betont SPD-Fraktionschef Gerd Neitzke im Schulterschluss mit Toni Ameis (Linke): Deswegen solle alleine die Städteregion als Antragsteller und Kostenträger fungieren.

Auch CDU und FDP unterdes weht schon der Fahrtwind in den Haaren. CDU-Fraktionschef Reimund Billmann will 10.000 Euro lieber für besagte Studie ausgeben als für Seniorenfahrten – vielleicht komme ja auch ein anderer Radweg dabei heraus... Und FDP-Fraktionschef Björn Bock reklamiert eine Radschnellstrecke als bereits vor Jahren geäußerte „Herzensangelegenheit“. Finanzielle Bedenken seien nachvollziehbar, das Projekt aber „zu wichtig“, kritisiert er SPD und Linke zudem, neben der L 258n noch auch noch die Alternative fürs Rad abzulehnen.

So lautet nun ein mehrheitlicher Kompromissbeschluss, dem Förderantrag für die Machbarkeitsstudie beizutreten. Vorsorglich wird klargestellt, dass der Bau- und Verkehrsausschuss den Radschnellweg grundsätzlich sehr begrüßt, die Haushaltslage aber keine wesentliche Kostenbeteiligung zulässt. Alle Kostenregelungen mit den Projektpartnern sind durch den Fachausschuss zu beschließen, zudem ist der Bau- und Verkehrsausschuss zu beteiligen.

Auch die vorhandenen Radwege sollten in gutem Zustand sein. Viele Leser haben auf unserer interaktiven Radwegekarte bereits gefährliche Stellen eingetragen.

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