Nordkreis - Altkleider: Regioentsorgung stellt eigene Container auf

Altkleider: Regioentsorgung stellt eigene Container auf

Von: Stefan Schaum
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„Helfen helfen“ steht auf den Containern: Für das DRK hoffen Simona Conrad und Kreisgeschäftsführer Hans-Dieter Vosen darauf, künftig mehr davon auf privaten Flächen aufstellen zu können. Foto: Stefan Schaum

Nordkreis. Das große Umräumen beginnt in Baesweiler. Dort wird die Regioentsorgung in wenigen Tagen ihre ersten eigenen Altkleidercontainer im Nordkreis aufstellen. Die sollen ein paar Wochen später auch in Alsdorf und Herzogenrath stehen. Das bedeutet zugleich, dass andere dort wegmüssen. Vor allem das Deutsche Rote Kreuz büßt in Baesweiler zahlreiche Stellplätze ein.

Für diesen karitativen Sammler von Alttextilien ist das ein Verlust. Für die Stadt ist es eine Notwendigkeit. Denn nur wenn sie ein eigenes Sammelsystem nachweisen kann, kann sie sich gegen die größer werdende Flut gewerblicher Sammler wehren, die mit ihren Containern ebenfalls in die Städte drängen, heißt es aus dem Rathaus.

Im Baesweiler Fall steht sogar eine Klage im Raum. Ende 2013 hatte ein gewerblicher Sammler unangekündigt mehrere Container auf öffentlichen Flächen in der Stadt aufgestellt. Als man ihn aufforderte, die wieder wegzuräumen, kam er der Anweisung zwar nach – zog aber vor Gericht. Das Verfahren ist anhängig. „Eine Abwehr ist rechtlich gar nicht so einfach, wenn man kein eigenes System hat“, sagt Baesweilers Technischer Beigeordneter Peter Strauch. Er erwartet nun, dass die Klage mit den ersten eigenen Containern vom Tisch ist. Schließlich könne es gar nicht im Interesse einer Kommune sein, dass dort ein Wildwuchs aus Containern entstehe. Und klagewillige Sammler, das wisse er aus den Erfahrungen anderer Städte, gebe es einige. Deshalb greift man zu der naheliegendsten Lösung: Die Regioentsorgung, die sich als kommunaler Zweckverband in Alsdorf, Baesweiler und Herzogenrath ohnehin um alle Abfuhren von Restmüll bis Biotonne kümmert, sammelt nun auch die Altkleider ein. Zumal diese per Definition letztlich genau das sind: Müll.

Das weiß auch Hans-Dieter Vosen, Kreisgeschäftsführer beim DRK-Kreisverband. Doch wenn er die Wörter Müll und Alttextilien in einem Atemzug hört, dann schnappt er nach Luft. „Wir sehen das eben nicht als Müll an, wir betrachten es als karitative Spende.“ Und die brauche das DRK in der Region vor allem, um seine mittlerweile zwei Kleiderläden – einen in Aachen und einen in Stolberg – mit Textilien zu versorgen. Die seien gut besucht, so mancher könne sich dort günstig mit Kleidung eindecken, sagt Vosen. Sicher: Auch für das DRK bleibt dabei – wie beim Weiterverkauf der Textilien, die nicht mehr für diese Läden taugen – finanziell etwas hängen.

Die Zahl legt Vosen für das DRK in der Region gern auf den Tisch: Im Schnitt sind es pro Jahr etwa 100 000 Euro Erlös. Abzüglich aller Kosten, die von der wöchentlichen Leerung der Container bis zum Sortieren anfallen. Geld, das beim DRK unter anderem in die Ausstattung der ehrenamtlichen Ersthelfer investiert wird. „Für uns ist das schon eine große und wichtige Summe, wenn man die zur freien Verfügung hat“, sagt Vosen.

Es gibt einen „Deal“

So viel Geld kam zumindest bei rund 160 Containerstandorten rein, die das DRK derzeit noch hat. Gut die Hälfte davon in Aachen, wo die Stadt 2016 ebenfalls ein eigenes Sammelsystem aufstellen will. Dort sollen ausnahmslos alle anderen Container, auch die von karitativen Sammlern wie DRK und Malteser, aus dem öffentlichen Raum verschwinden. Im Nordkreis gibt es hingegen Kompromisse. Von einem „Deal“ mit dem DRK spricht Stephanie Pfeifer seitens der Regioentsorgung. Eigentlich hätten die Rotkreuz-Container auch in Baesweiler beseitigt werden müssen. Doch hat man sich auf eine andere Lösung geeinigt: Die DRK-Container bleiben auf einigen Flächen, zum Beispiel vor den DRK-eigenen Kitas oder der Rettungswache an der Grabenstraße, stehen. Die übrigen öffentlichen Flächen bestückt die Regioentsorgung. Macht bei insgesamt 28 Standorten in der Stadt ungefähr halbe-halbe. 28 sind es, weil es einen Schlüssel gibt: Pro 1000 Einwohner sei ein Altkleidercontainer ausreichend. 14 für das DRK in Baesweiler – eine faire Lösung, findet Pfeifer. Zu wenig, um noch rentabel zu sein, sagt Hans-Dieter Vosen. Derzeit müht sich das DRK deshalb darum, Container auf privaten Flächen – vom Supermarkt bis zum Eigenheim – aufstellen zu können. Doch die Akzeptanz sei noch gering, bedauert er. Daher ist seine Befürchtung groß, dass über kurz oder lang womöglich einer der Kleiderläden schließen muss.

Groß ist bei der Kommune die Hoffnung. Darauf, dass das Thema Containeraufstellung ein für alle mal vom Tisch ist. Und darauf, dass die Regioentsorgung mit den Kleidern auch Geld macht. In der Testphase gehen die Kleider aus den Containern an einen Abnehmer kurz hinter der niederländischen Grenze, der die Kleidung weitervermarktet sagt Stephanie Pfeifer. Etwa 250 Euro pro Tonne könne man derzeit erzielen, hofft sie. Davon gehen die Kosten für Logistik noch ab.

Gebührensenkend?

Ob am Ende etwas übrig bleibt? Wenn ja, wollen die Kommunen es in die Gebührenkalkulation für die Müllentsorgung einbeziehen. Peter Strauch: „Das neue System könnte sich durchaus auch gebührensenkend auswirken.“

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