Altes Rathaus: Sorge über Sanierungsstau

Von: Georg Pinzek
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Das Alte Rathaus an der Kaiserstraße. Foto: Georg Pinzek
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Auch die Bücherei im Kulturzentrum braucht räumliche Verbesserungen. Foto: Georg Pinzek

Würselen. Auf ihr Altes Rathaus sind die Würselener zu Recht stolz. Das Kulturzentrum an der Kaiserstraße hat sich in 25 Jahren einen klangvollen Namen gemacht. Aber die „gute Stube“ der Stadt ist in die Jahre gekommen.

Feuchte Kellerräume, die Bodenbeläge im Saal und Foyer sind verschlissen, die Sanierung der sanitären Anlagen ist angezeigt, es fehlen Fluchtwege, am Dach müsste dringend Hand angelegt werden, die Liste der Mängel lässt sich mühelos weiter fortsetzen.

In Anbetracht der finanziellen Situation des Immobilienbesitzers bereitet das Thema den Verantwortlichen im Rathaus Sorgen – schon geraume Zeit. Bereits im April 2009 hatte der Rat auf Initiative der Grünen die Verwaltung beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten, bei dem eine Sicherstellung des Kulturprogramms auch unter Berücksichtigung der finanziellen Möglichkeiten der Stadt aufgezeigt wird.

Ein Sachstandsbericht stand jetzt erneut auf der Tagesordnung des Kulturausschusses. Hans Brings vom zuständigen Fachbereich begrüßte dazu Achim Großmann im Ratssaal an alter Wirkungsstätte. Gehörte der heutige Vorsitzende der Kulturstiftung doch seinerzeit als Stadtverordneter mit zu den Initiatoren, die das Kulturzentrum im Alten Rathaus zum Leben erweckten.

An einer Arbeitsgruppe hatte sich neben der Kulturstiftung das Kulturbüro der Stadt mit Sigrid Kerinnis sowie die Stadtentwicklungsgesellschaft Würselen (SEW) mit Geschäftsführer Manfred Zitzen an der Spitze beteiligt. Hans Brings informierte: „Dabei hat sich die Arbeitsgruppe keineswegs als Sparkommission verstanden, sondern es geht vielmehr um den Ausbau der Kulturarbeit in einem zukunftsfähigen Rahmen.“

Ein fester Bestandteil der Kulturarbeit im Alten Rathaus stelle die Stadtbücherei dar. Um ein attraktives Angebot auch in Zukunft vorhalten zu können, sei eine Verbesserung der Räume notwendig. Intensiv habe sich die Arbeitsgruppe mit dem Thema Raumkonzept befasst. Überlegungen die Trägerschaft möglicherweise auf eine andere Basis zu stellen, müssten noch einer intensiven Prüfung unterzogen werden.

Stärken und Schwächen

Um Antworten für einen ganzen Berg an Fragen zu finden, hatte sich der Autor des Entwurfs zunächst mit einer Standortanalyse befasst. „In den vergangenen 25 Jahren hat die Kultur- und Begegnungsstätte seinen festen Platz im Leben der Stadt und der Region bekommen und bietet den Bürgern ein breitgefächertes Angebot in den Bereichen Kultur, Soziales und Bildung“, stellte Großmann fest.

Die Möglichkeit der multifunktionalen Nutzung bezeichnete er als „eine der Stärken des Kulturzentrums, eine weitere ist der architektonische Charakter. Die Verbindung moderner und historischer Elemente schafft Atmosphäre. Die ,emotionale‘ Komponente ist ebenso positiv besetzt wie der Standort im Zentrum der Stadt.“ Dagegen sei die räumliche Situation des Hauses eine Schwachstelle. Die begrenzte Kapazität der Räume lasse zusätzliche Nutzungen kaum mehr zu. „Dadurch wird wiederum ein besseres Nutzungskonzept, eine wirtschaftlichere Führung des Hauses und die Realisierung größerer Kulturformate be- oder gar verhindert“, zeigte Großmann auf.

Ohne Kneipen keine Säle

Darüber hinaus habe sich die gesamte „Landschaft“ der Veranstaltungsräume in der Stadt deutlich verändert. Die Zahl der Gaststätten mit entsprechendem Raumangebot sei stark zurückgegangen. Auch die bisherige Nutzung von größeren Sälen im schulischen und kirchlichen Bereich dürfte problematischer werden. Stark verändert habe sich auch die finanzielle Situation der Stadt. Großmann: „Im Grunde müsste das Alte Rathaus ganz groß umgebaut werden, wenn wir es wirtschaftliche betreiben wollen. Wir müssen uns fragen, kann man Konzepte an diesem Standort umsetzen oder gibt es hier Grenzen. Wir müssen uns darüber auch im klaren sein, dass wir bei einer Anpassung des Raumkonzepts viel Geld in die Hand nehmen müssen.“

Experten für das Management städtischer Kultur vom Hamburger Büro „Conecco UG“ hätten bei einem Workshop bestätigt, dass ein verbessertes Raumkonzept zu mehr Veranstaltungen, zu mehr Vermietungen und damit zu mehr Einnahmen führen würde. Während beim Alten Rathaus dafür Um- und Anbauten nötig seien, könnte bei einem neuen Gebäude ein wirtschaftliches Raumkonzept von vornherein zugrunde gelegt werden, lenkte Großmann den Blick auf das geplante Schulzentrum sowie die Entwicklung des Singergeländes. Denkmalschutz und die Größe des Grundstücks schränkten an der Kaiserstraße erforderliche Baumaßnahmen ein.

Zu einem erweiterten Raumangebot zählte Großmann flexiblere multifunktionale Räume, zudem ein größeres Raumangebot mit besseren klimatischen Bedingungen für das Kulturarchiv, andere Bodenbeläge etc. – vor allem ein größerer Saal und Bühnennebenräume mit Künstlergarderoben, Bühnenaufzug, größere Toilettenbereiche und so weiter. Die Frage, ob Gastronomie im Alten Rathaus sinnvoll und wirtschaftlich sei, sei noch nicht abschließend geklärt. Außerdem sei zu prüfen, ob eine energetische Sanierung im Alten Rathaus mit einem Dachausbau das Platzangebot erweitern könnte.

Großmann betonte: „Für die Stadt ist als Ziel gesetzt, die Ausgaben auf dem Status quo einzufrieren und mittelfristig zu leichten Einsparungen zu kommen, deren Umfang sich erst dann konkreter einschätzen lässt, wenn Entscheidungen zum Raum- und Nutzungskonzept getroffen werden können.“ Einsparungen würden sich möglicherweise auch aus der Konzentration auf eine Spielstätte und Investitionshilfen bei Neu- und Zubauten erzielen. „Auf jeden Fall sollten Fördermittel aus Städtebauprogrammen abgerufen werden“, lautet die klare Empfehlung.

Fall für Juristen und Steuerberater

Offen sei außerdem die Frage nach Organisationsformen der Trägerschaft für das Alte Rathaus. Denkbar sei eine GmbH, eine gemeinnützige GmbH, ein Verein, weiterhin die städtische Trägerschaft mit Verbleib unter dem Dach der Verwaltung, ein Eigenbetrieb, die Integration in die SEW, die Kulturstiftung aber auch Mischformen. Vor einer endgültigen Entscheidung sei eine detaillierte, tiefgehende, rechtliche und steuerliche Prüfung erforderlich. Dazu sollten auch Erfahrungswerte anderer Kommunen einbezogen werden.

SEW-Geschäftsführer Zitzen erklärte, dass der Arbeitskreis bewusst zu diesem Stand der Konzeptentwicklung die Politik informieren wollte: „Wir müssen uns fragen, ist das Alte Rathaus die Lösung für den Kulturstandort oder müssen wir weitere Alternativen suchen?“

Sprecher aller Fraktionen dankten dem Arbeitskreis für die Fleißarbeit, auch wenn Grünen-Sprecherin Anka Erdweg sich bei der Verwaltungsspitze beklagte, dass das mehrfach angemahnte Konzept längst überfällig sei. Hans Carduck (FDP) bekräftigte: „Das ist ein gutes Papier. Es gibt uns viel Stoff zum Nachdenken.“ Nachdenklich machten die Informationen auch Hans-Josef Bülles (CDU): „Wir müssen uns in der Tat fragen: „Ist das Alte Rathaus so für uns noch tragbar?“ Sich auf die Suche nach Antworten zu machen, lautete indes der weitere Auftrag der Kulturpolitiker an die Arbeitsgruppe.

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