Alte Wartehäuschen: Bürger bleiben im Regen stehen

Von: Nadine Tocay
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Schön ist anders: Aber immerhin ist die Sitzbank an der Haltestelle „Waldschänke“ in Kohlscheid relativ neu. Foto: Nadine Tocay

Nordkreis. Katharina Sonne aus Herzogenrath fährt regelmäßig mit dem Bus. Bei Wind und Wetter wartet sie dann an der Haltestelle „Waldschänke“ im Ortsteil Kohlscheid. Dort befindet sich allerdings nur in Richtung Würselen ein Wartehäuschen – und das ist in „desolatem Zustand“, wie sie sagt.

Es stehe dort bereits seit 20 Jahren. Graffiti-Schmierereien finden sich darauf, Klebereste alter Ankündigungsposter, Grünspan.

Mit ihrer Beschwerde steht Katharina Sonne nicht allein. Viele Bürger im Nordkreis sind auf den Bus angewiesen – kommt der mal nicht pünktlich oder regnet es, kann das Warten schnell zu einer nervenaufreibenden Angelegenheit werden: „Je nachdem, welche Verbindung man hat, sind die Wartezeiten relativ lang“, berichtet eine Frau Anfang 30 an einer Haltestelle im Würselener Stadtteil Morsbach. Sie wünscht sich, dass deswegen alle Haltestellen mit einem Wartehäuschen ausgestattet werden.

Doch wäre ein solch flächendeckender Ausbau im Nordkreis überhaupt realistisch? „Wir bekommen hin und wieder Mängelmeldungen“, sagt Pierre Froesch, Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Baesweiler. Zum Beispiel wenn die Glaswände zerstört wurden oder es Graffiti-Schmierereien gibt. In solchen Fällen würden die Häuschen zügig wieder instand gesetzt.

Das Vandalismusproblem ist auch den anderen Ordnungsämtern im Nordkreis bekannt. Nur sehr selten müssten Schäden aufgrund von Verschleiß behoben werden, sagt Stefan Schaum von der Pressestelle der Stadt Alsdorf. Und bei Bedarf kämen auch neue Wartehäuschen hinzu.

Wer aber bestimmt darüber, ob Bedarf besteht? Die Entscheidung über die Errichtung eines Wartehäuschens liege in der Regel nach Abwägung aller Rahmenbedingungen bei der Stadt, erläutert Bernd Schaffrath, Pressesprecher der Stadt Würselen. Platzverhältnisse, Fahrgastzahlen und die Frage nach der Finanzierung spielten hierbei eine Rolle. „Wir erhalten regelmäßig Rückmeldungen von Verkehrsunternehmen, wie intensiv die Haltestellen genutzt werden“, ergänzt Froesch. Das führe dazu, dass innerörtlich beinahe überall Wartehäuschen stehen, aber im ländlichen Raum erheblich weniger, oft nur ein Häuschen in eine Fahrtrichtung, erklärt Petra Baur, Sprecherin der Stadt Herzogenrath. Schaum erklärt zudem, dass momentan schlichtweg keine Haushaltsmittel zur Verfügung stünden, um flächendeckend neue Häuschen zu errichten.

Saniert werde ein Häuschen, sobald bei den regelmäßigen Sichtkontrollen und Reinigungen Mängel festgestellt würden, wenn zum Beispiel die Standfestigkeit nicht mehr gewährleistet ist oder sicherheitsgefährdende Beschädigungen festgestellt würden.

Auch auf Barrierefreiheit wird großen Wert gelegt. Dort, wo es nötig sei, werde nachgebessert. Dabei sei man über Hinweise aus der Bevölkerung stets dankbar, sagt Froesch.

Doch die Fahrgäste im Nordkreis kennen auch die Situation im Oberzentrum: „Die neuen Bushäuschen in Aachen, die sind wunderschön“, ruft eine Frau, die in Morsbach gerade auf Anschluss wartet – auch sie möchte ihren Namen nicht nennen: „Solche möchte ich hier auch gerne!“

In Aachen sind im Rahmen einer großen Erneuerungsaktion in nur wenigen Monaten über 430 neue Wartehäuschen montiert worden. Finanziert durch einen Werbepartner.

Einen solchen umfassenden Neubau sämtlicher Wartehäuschen wie in der Stadt Aachen schließen alle Ordnungsämter des Nordkreises allerdings für die kommenden Jahre aus. Ein Grund sei laut Schaum unter anderem die Tatsache, dass das Werbeinteresse außerhalb der Stadt Aachen gering sei und die Finanzierung über diesen Weg daher nicht möglich.

Es scheint also, als müssten Katharina Sonne und viele andere Busreisende außerhalb der Stadt Aachen auch zukünftig manchmal im Regen stehen.

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