Alte Kleider werden zu Protest-Garderobe

Von: mabie
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Große Kreativität: Ob bei der Altkleider-Modenschau der Kinder, der riesigen Weltkugel, dem Banner oder der Näherin im Käfig – mit vielen Aktionen machten die Teilnehmer in Roda auf das Elend bei der Textilproduktion in Niederiglohnländern aufmerksam. Foto: Markus Bienwald
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Große Kreativität: Ob bei der Altkleider-Modenschau der Kinder, der riesigen Weltkugel, dem Banner oder der Näherin im Käfig – mit vielen Aktionen machten die Teilnehmer in Roda auf das Elend bei der Textilproduktion in Niederiglohnländern aufmerksam. Foto: Markus Bienwald
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Große Kreativität: Ob bei der Altkleider-Modenschau der Kinder, der riesigen Weltkugel, dem Banner oder der Näherin im Käfig – mit vielen Aktionen machten die Teilnehmer in Roda auf das Elend bei der Textilproduktion in Niederiglohnländern aufmerksam. Foto: Markus Bienwald
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Große Kreativität: Ob bei der Altkleider-Modenschau der Kinder, der riesigen Weltkugel, dem Banner oder der Näherin im Käfig – mit vielen Aktionen machten die Teilnehmer in Roda auf das Elend bei der Textilproduktion in Niederiglohnländern aufmerksam. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Eins ist klar: wenn Wilfried Hammers später einmal gefragt wird, ob er etwas gegen die Ausbeutung in der internationalen Modebranche getan hat, kann er mit einem klaren „Ja“ antworten. Denn er gehörte am Freitag zu einer bunt gewürfelten Truppe, die anlässlich des zweiten „Fashion Revolution Day“ mit einem Protestmarsch vom Gebrauchtwarenkaufhaus Patchwork in Merkstein zum Soziokulturellen Zentrum „Klösterchen“ zog.

Unterwegs machten die Akteure mit großen Bannern auf die Missstände klar wo es bei der Produktion für große und meist auch billige Modehäuser hakt im Modebusiness. Ein Jahr lang hatten die Aktivisten mit ihrem Projekt „Anziehend – Haute Coul(t)ure in der Provinz“ nicht nur auf unmenschliche Arbeitsbedingungen von Arbeitern in den Modefabriken in Bangladesch aufmerksam gemacht. Dort stürzte am 24. April 2013 in Rana Plaza eine riesige neunstöckige Modefabrik ein, in der auch in Europa vertretene Unternehmen fertigen ließen.

Menschliche Tragödie

„Was am ersten Gedenktag der großen menschlichen Tragödie begann, bei der 1134 Menschen ihr Leben verloren und Tausende fürs Leben gezeichnet wurden, soll natürlich auch am 24. April enden“, erklärte Wilfried Hammers am Rande der Abschlussveranstaltung. Dazu gedachten die Anwesenden nicht nur den Opfern, sondern klagten auch das Verhalten der beteiligten Konzerne an. „Kurze Zeit nach dem Unglück gab es viele Versprechungen, die nicht eingelöst wurden“, sagte Hammers, der beklagte, dass die Gelder in den Hilfsfonds zum einen nicht so fließen wie angekündigt. Zum anderen müssten die Opfer heute noch um Anerkennung einer Entschädigung kämpfen, was bei allen Beteiligten in Roda großen Unmut erzeugte.

Ausrufezeichen setzen

So war der Demonstrationszug mit Musik von Hans Brandt, dem riesigen Banner „Anziehend“ und der Weltkugel, die als Symbol für den Arbeiter als Spielball der Konzerne diente, ein gelungenes Ausrufezeichen im Feierabendverkehr vor dem Wochenende. Wer sich im Klösterchen oder im Patchwork umschaute, traf zudem auf viele Aktionen, die während der einjährigen Projektlaufzeit auf den Weg gebracht wurden. So zeigte Ina Kramer in der Rolle einer Fabriknäherin, die in einem eisernen Käfig stupide Arbeiten für die Modegiganten erledigt, wie eintönig die tägliche Arbeit ist, und wie wenig sie unterm Strich den Arbeitern einbringt.

Der Kampf gegen Kinderarbeit wurde in einem Tanzprojekt mit Bettina Lauber verarbeitet, die in einer flotten Modenschau zeigte, was die Kinder alles aus alten, eigentlich abgelegten Kleidungsstücken an neuen Kreationen hervorbrachten. Da wurde aus Mamas altem Schal oder einem viel zu kleinen T-Shirt flugs ein Rock oder ein Kleid, das die Kinder mit viel Musik und Schwung gerne vorführten.

Da gab es aber auch eine Neuauflage der Wäscheleine, an der zahllose Taschen und Plastiktüten von Modefirmen daran erinnerten, wie verschwenderisch die Menschen hierzulande mit der meist unter menschenunwürdigen Bedingungen produzierten und in Deutschland regelrecht verramschten Ware umgehen. Am Klösterchen selbst machte noch eine abschließende Lichterinstallation auf die Toten und Verletzten des Einsturzes von Rana Plaza aufmerksam.

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