Alsdorfer Verbraucherzentrale beteiligt sich an „Besser heizen“

Von: Stefan Schaum
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Viele Tipps rund um die Heizkosten: Die haben Energieberater Gerhard Weiß, die Leiterin der Alsdorfer Verbraucherzentrale, Claudia Schmitz, und Energierechtsberater Dr. Timo Sachsen (v.l.). Bei dem Heizungsrohr in seinen Händen zeigt Weiß eine unpassende Ummantelung, deren Durchmesser zu groß ist. Foto: Stefan Schaum

Nordkreis. Geld sparen und die Umwelt schonen: Beides hat die Verbraucherzentrale bei ihrer landesweiten Kampagne „Besser heizen“ im Blick. Im Wochenendinterview sprechen Energieberater Gerhard Weiß und Energierechtsberater Dr. Timo Sachsen über einfache Handgriffe und rasche Wechsel.

Bei der Kampagne sind vor allem kleine Handgriffe im Blick. Lässt sich damit wirklich sparen?

Gerhard Weiß: Und ob. Das fängt schon bei der Raumtemperatur an. Wer die Heizung nur ein wenig runterdreht und die Temperatur um ein Grad Celsius senkt, spart im Schnitt bereits sechs Prozent Energie.

Wo liegt eigentlich die ideale Raumtemperatur?

Weiß: Darüber kann man sicher streiten. Im Schlafzimmer sind durchaus 16 Grad Celsius ausreichend, im Wohnzimmer halte ich 20, 21 Grad für sinnvoll. Im Badezimmer auch mehr, da bevorzuge ich persönlich 23 Grad. Das Kälteempfinden ist aber bei Männern und Frauen recht unterschiedlich ausgeprägt. Sparsam heizen ist in jedem Fall sinnvoll. Ich muss ja nicht im dünnen T-Shirt im Winter auf der Couch sitzen. In der Heizperiode ist ein Pullover angemessen. Das ist letztlich ebenfalls eine Art der Dämmung.

Und wenn man tagsüber nicht da ist? Heizung komplett runterfahren – oder besser konstant auf niedriger Wärmezufuhr?

Weiß: Das hängt davon ab, wie es um die Wärmedämmung bestellt ist. Wenn die gut ist, und ich vier Stunden und mehr abwesend bin, kann ich die Heizung komplett abschalten und verliere vielleicht ein Grad. Ist das Haus aber schlecht gedämmt, können es leicht mehrere Grad werden. Dann ist es sinnvoller, die Wärmezufuhr nicht komplett herunterzufahren, sondern nur zu reduzieren. Hier wären programmierbare Thermostatventile sinnvoll eingesetzt.

Ein Tipp der Kampagne ist es, blanke Heizungsrohre vor allem in den Kellerräumen in Isolierschläuche zu packen. Wie viel Ersparnis ist drin?

Weiß: Einiges. Man kann im Schnitt damit rechnen, dass pro gedämmtem Rohrmeter pro Jahr ca. 14 Euro einzusparen sind. Und 10, 20 Meter kommen in einem Haus im Keller rasch zusammen. Die Anschaffung des nötigen Materials ist günstig, das liegt bei fünf bis zehn Euro pro Meter, das gibt es in jedem Baumarkt oder beim Baustoffhändler. Die Anbringung ist ebenfalls leicht, das rechnet sich also ganz schnell. Man muss nur darauf achten, dass die Ummantelung ganz eng am Rohr anliegt. Und es gibt für jede Rohrstärke passende Größen. Die Dämmstoffdicke entspricht der Rohrstärke.

Zu Ihrer Arbeit gehört es, Energieschlupflöcher im Haus aufzudecken. Frei liegende Heizungsrohre finden sie oft?

Weiß: In älteren Gebäuden ja. Ich schätze, dass in jedem dritten Gebäude in den unbeheizten Räumen die Rohre teilweise ungedämmt sind.

Soll heißen: Der Heizungskeller ist der wärmste Raum im Haus?

Weiß: In der Tat. Das sehen wir oft bei unseren Aktionen mit der Wärmebildkamera. Der Heizungskeller leuchtet da im Sockelbereich besonders hell. Es ist sehr beliebt die Wäsche zum Trocknen in den Heizungskeller zu hängen. Aber das ist eine teure Form der Wäschetrocknung durch die Wärmeverluste der Heizungsanlage – sinnvoll ist das unter finanziellen und Umweltaspekten nicht. Laut Energieeinsparverordnung gibt es eine Nachrüstpflicht für ungedämmte Leitungen, zumindest in Mehrfamilienhäusern. Es fragt sich bloß, inwieweit die beachtet wird.

Ein Tipp zum Lüften? Das Fenster besser kurz und weit öffnen statt lang und gekippt?

Weiß: Ja. Das so genannte Stoßlüften ist die beste Methode. Im Winter weit auf für fünf bis zehn Minuten. Das hat den Vorteil, dass die Oberflächen im Raum nicht abkühlen. Es reicht meist, zwei bis drei Mal am Tag intensiv zu lüften. Nur wenn es in einem Haus Probleme mit Schimmelbildung gibt, muss es öfter sein.

Im Rahmen der Kampagne wollen Sie auch Gaskunden den Anbieterwechsel schmackhaft machen. Lohnt der Aufwand?

Timo Sachsen: Ja. Eine Ersparnis von 260 Euro pro Jahr ist durchaus drin. Sehr viele Gaskunden haben sich mit einem Wechsel noch nie auseinandergesetzt, gut 80 Prozent sind in der so genannten Grundversorgung der jeweils örtlichen Anbieter. Aber die ist nicht unbedingt die günstigste. Bei den meisten Anbietern gibt es verschiedene Tarife, die es zu vergleichen lohnt. Und ein Wechsel kann bei oftmals mehr als 250 möglichen Gastarifen sicher auch Vorteile bieten.

Gibt es Vorbehalte?

Sachsen: Es gibt eine verbreitete Vorstellung, dass man im Falle eines gescheiterten Wechsels unversorgt. Etwa, wenn ein Anbieter eventuell Insolvenz anmeldet. Aber das kann nicht passieren, in so einem Fall fällt man automatisch wieder in die Grundversorgung zurück. Zudem nehmen wir in unserer Beratung die Vertragsbedingungen der Anbieter genau unter die Lupe. Wenn die bei einem Vertragsabschluss auf einer Kaution bestehen oder auf Vorauszahlungen, dann empfehlen wir sie auch nicht.

Und ein Wechsel ist kein großes Unterfangen?

Sachsen: Nein, gar nicht. In unserer Beratungsstelle zeige ich gerne auf, welcher Tarif und Anbieter für welchen Versorgungswunsch geeignet ist – und dann ist der Wechsel oft nach einem Anruf schon auf den Weg gebracht. Die Kündigung beim bisherigen Anbieter erledigt der neue Versorger in der Regel, damit hat der Kunde nichts zu tun.

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