Alsdorf - Alsdorfer verabschieden sich von Anna 9

Alsdorfer verabschieden sich von Anna 9

Von: dag
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Auf Wiedersehen, alte Lok! Zwar nicht mehr eigenständig, aber dank vieler Helfer rollt die Anna 9 stückweise ihrer neuen Bestimmung entgegen. Am vergangenen Samstag hat sie den Alsdorfer Tierpark verlassen. Foto: Dagmar Meyer-Roeger
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Die Schienen „wandern“ mit der Lok abschnittsweise gen Theodor-Seipp-Straße. Per Kran werden der Kessel und später, schon nach Einbruch der Dunkelheit, das Fahrgestell verladen. Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Alsdorf. Zuletzt hatte die alte Zechenlokomotive auf „Anna“ geschnaubt. 1973, als sie ausgedient hatte, zog die Anna 9 in den Alsdorfer Tierpark um – damals als Geschenk des Eschweiler Bergwerk-Vereins. Mehrere Generationen von Kindern kletterten von da an auf dem riesengroßen und schweren Koloss herum.

Doch der Zahn der Zeit nagte auch an dem Spielgerät. Und der TÜV befand: Als solches ist die Lok eigentlich nicht zu gebrauchen. Vor einiger Zeit stand dann fest: Das gute alte Schätzchen muss weg und bekommt ein neues Zuhause.

Am Samstagabend war es dann soweit: Auf einem Tieflader rollte Anna 9 Richtung Deutsches Werkbahn-Museum in Aschersleben. Hier soll die historische Maschine wieder auf Vordermann gebracht werden. Eine Woche lang bereiteten Mitglieder des Eisenbahnvereins Aschersleben und Alsdorfer THW'ler mit Unterstützung ihres „GKW1 mit Winde“ den Abtransport vor. Zunächst einmal musste die neun Meter lange Lok „nackt“ gemacht werden, das heißt, Teile mussten abmontiert werden, innen wie außen.

„Nackt“ 33 Tonnen

Nun bringt das gute Stück, das im zusammengebauten Zustand 45 Tonnen wiegt, alleine schon mit Kessel und Fahrwerk 33 Tonnen auf die Waage. Auch dieses Gewicht musste erst einmal bewegt werden – und zwar von ihrem (noch) Standort bis zur Theodor-Seipp-Straße, wo der Tieflader bereitstand. Anstrengende Handarbeit war angesagt.

Ein etwa 70 Meter langer Schienenweg musste präpariert werden. Dazu legten die fleißigen Helfer Schwellen aus, Bahnschienen drauf und befestigten sie so, dass der Koloss darüber Stückchen für Stückchen gerollt werden konnte. Insgesamt standen zusammengerechnet neun Meter Schienenstücke zur Verfügung. Deshalb musste das THW-Team immer wieder die Schienenstrecke hinten abbauen und vorne dranbauen, „ganz so wie in alten ägyptischen Zeiten“, meinte Alsdorfs THW-Ortsbeauftragter Alfred Sensen lächelnd. Schließlich erreichte die Crew mit der Lok den Aufnahmepunkt an der Theodor-Seipp-Straße. Hier stand ein Kran für die Ladearbeit auf zwei blaue Tieflader bereit. Zunächst wurde der Kessel abmontiert und mit Hilfe des Krans über die Bäume hinweg auf den Tieflader gehievt. Auf den zweiten Tieflader kamen zunächst Schienenstücke und schließlich das Fahrwerk. Beides wurde ebenfalls über die Bäume gehievt.

Und, damals wie heute, wurde die Aktion zu einem Großereignis für Alsdorf. Apparate von Amateur- und Profi-Fotografen klickten, Handy- und Filmkameras verfolgten jede Bewegung. „Ich habe früher selbst auf der Lok gespielt“, erinnerte sich Klaus-Peter Wisgens. Es sei aber besser, die Dampflok komme ins Museum, als dass „sie hier steht und verrottet“, befand der Schaulustige. Hochachtung zeigte er vor den THW'lern, die hier „richtig schwere Arbeit leisten“. Dem stimmte Alfred Sensen voll und ganz zu: „Ja, was die hier leisten, ist enorm.“ Und das alles ehrenamtlich. Dafür sei er sehr dankbar. Danken wollte er aber nicht nur seinen Leuten, sondern auch dem THW Herzogenrath, das den Alsdorfern personell zur Seite gestanden hatte.

Heinz-Werner Rieth, ein weiterer Zuschauer, fand es auch gut, dass „die Lok nicht einfach verschrottet wird“. Interessant sei, wie so eine Lok verladen werde. Das sehe man nicht alle Tage. „Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie das Metall gerochen hat“, sagte Nadine Berlipp. Ein bisschen traurig sei der Abtransport schon, aber Sicherheit gehe vor. Aber schon bald soll an der Stelle ein neues Spielgerät aufgebaut werden. Auch zum Klettern. Aber weniger gefährlich. Die Finanzierung steht bereits.

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