Alsdorf - Alsdorfer Tierpark: Der Teich, die Pumpe und die toten Fische

Alsdorfer Tierpark: Der Teich, die Pumpe und die toten Fische

Von: Verena Müller
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Leergepumpt: Der Anglerteich im Alsdorfer Tierpark muss neu angelegt werden, nachdem er durch ein Leck Wasser verloren hatte. Foto: V. Müller
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Bei den Abpumparbeiten wurden auch Fische angesaugt und mit dem Schlamm auf die Wiese gespült. Foto: Nabu
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Erfried Lorenz (WVER) bedauert die Situation, die sich aber kaum vermeiden ließe. Foto: V. Müller

Alsdorf. Naturschützer schlagen Alarm: Der Angelteich auf dem Gelände des Alsdorfer Tierparks werde leergepumpt, Hunderte Fische verendeten dabei grausam. Zum Teil wie geschreddert, zum Teil noch am Stück würden sie auf die Wiese jenseits der B57 gespült. Außerdem werde Schmutzwasser oder Schlamm aus dem Teich ungefiltert in den Broicher Bach geleitet.

Der Naturschutzbund (Nabu) sieht hier gleich zwei Verstöße: gegen das Wasserhaushaltsgesetz und gegen das Naturschutzgesetz.

Die Städteregion Aachen als Aufsichtsbehörde erklärt dazu: „Unter dem Strich geht es um eine umweltverbessernde Maßnahme, auch wenn es zunächst nicht danach aussieht“, sagt Sprecher Detlef Funken auf Nachfrage unserer Zeitung.

Was war schiefgelaufen?

Vor Ort erteilt Erfried Lorenz, Gebietsingenieur des Wasserverbands Eifel-Rur (WVER), Auskunft. Der WVER handelt im Auftrag der Unteren Wasserbehörde der Städteregion.

Lorenz holt kurz aus: Das Wasser aus dem Alsdorfer Weiher fließt durch die Teiche im Tierpark und von dort in den Broicher Bach. Der ursprüngliche Plan sei gewesen, mittelfristig den Broicher Bach, der in einem Kanal unter der Straße und dann unter der Mühle durchfließt, in einem Bypass renaturiert um die Mühle herumzuleiten. Ziel: Barrierefreiheit für die Fische. Dazu sollte ein Teil des letzten Teichs im Tierpark, der sogenannte Schönungsteich, verkleinert werden, um im verfüllten Teil ein neues Bett anlegen zu können.

„Dann hat uns aber die Wirklichkeit eingeholt“, berichtet Lorenz. Der Teich lief plötzlich leer. Er hatte ein Leck. Wohin das Wasser abgeflossen ist, ist noch unklar. Irgendwo neben der Leitung, die unter der Straße hindurch in den Bach fließt, muss es versickert sein. Deshalb erhielt der WVER den Auftrag, den Teich im Rahmen einer vorauseilenden Maßnahme erst trocken- und dann neu anzulegen.

Die Stadt Alsdorf ist Eigentümer des Teichs, Pächter der ortsansässige Angelverein.

Zunächst sei der Teich mit Schleppnetzen leergefischt worden, zumindest so gut es ging. Der Angelfischerverband habe den Teich daraufhin freigegeben. Danach hätten die Abpumparbeiten begonnen. „Zwei, drei größere Fische waren noch im Teich, die haben wir mit Eimern rübergehoben“, sagt Lorenz. Trotz Filter vor dem Saugstutzen seien kleinere Fische durchgerutscht, das ließe sich kaum vermeiden.

Die Städteregion dazu: „Das sind natürlich bedauerliche Unglücksfälle. Es kann sein, dass sich Fische im Schlamm versteckt haben oder aber auch, dass sie schon vorher verendet waren“, so Sprecher Detlef Funken. Die Städteregion gehe aber davon aus, dass alles nach ordentlichen Kriterien abgearbeitet worden ist.

So viel zu den Fischen. Und der Schlamm?

Vergangenen Mittwoch seien die Pumpen abgestellt worden, es sei aber Wasser aus dem benachbarten Teich nachgelaufen. „Der Zwischendamm ist nicht dicht“, erklärt Lorenz. Deshalb habe man erneut abgepumpt. Das Wasser aus dem Nachbarteich habe sich aber recht schnell Fließrinnen in den Schlamm gegraben und so sei viel Sediment mit angesaugt worden.

Und das landete über einen langen, dicken Schlauch zunächst im Bach auf der anderen Straßenseite. Nachdem die Trübung des Bachs festgestellt worden sei – der Nabu schlug auch Alarm – habe man das Schlauchende aus dem Bach gezogen und auf die benachbarte Wiese gelegt. Die ist im Besitz der Städteregion.

„Wir sind davon ausgegangen, dass das Wasser im Boden gefiltert wird und dann in den Bach fließt. Aber wie es aussieht, versickert alles. Es ist einfach zu trocken. Im Bach kommt gar nichts an“, sagt Lorenz nach dem Gang durch die Unterführung an der Wiese neben dem Bachlauf.

Inzwischen ist der Teich so gut wie leer, der schwere, dunkle Matsch ist gut zu erkennen und auch das gar nicht mal so kleine Rinnsal, das sich durch den Schlick schlängelt.

Das Sediment soll laut Lorenz nun abgetragen und durch Erde ersetzt werden. Gerade wurde ein Kipplaster Kies angeliefert. Der linke Teil des Teichs wird verfüllt, so, wie es langfristig für das neue Bachbett vorgesehen ist. Dann soll der Schönungsteich wieder seine Funktion als Filter erhalten, bevor sein Inhalt in den Bach abfließt.

Dessen neues Bett kann aber noch nicht in einem Zug mit angelegt werden. „Das Planfeststellungsverfahren steht noch aus“, erklärt Lorenz.

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