Alsdorfer Rathaus ist ein Sanierungsfall

Von: Stefan Schaum
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Architektonisch reizvoll, doch leider defekt: Die Entwässerung der Balkone funktioniert nicht mehr richtig und das hinterlässt Spuren in der Bausubstanz. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Man kann die Sache auch mit Humor sehen. „Es gibt wohl deshalb kaum Schimmel im Rathaus, weil die Luft gut zirkulieren kann - die Fenster sind ja undicht!” Freilich ist das eher Galgenhumor.

So richtig heiter war es nämlich nicht, was Achim Speer, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft, jüngst dem Gebäudewirtschaftsausschuss präsentierte. Im Gegenteil. Bilanz seiner umfangreichen Mängelliste nach Untersuchung des Rathauses: Das Gebäude ist mehr als reif für eine gründliche Sanierung.

Vom Keller bis zum Dach

In den vergangenen Wochen hatte die GSG den Verwaltungssitz vom Keller bis zum Dach unter die Lupe genommen. Und dabei immerhin einen guten Kern entdeckt. Speer: „Die eigentliche Betonkonstruktion des Gebäudes ist sehr gut.” Die Geschossdecken aus Stahlbeton, die Statik und die Bewährung der Balkone - alles ganz solide Arbeit aus dem Jahre 1969, als der Grundstein gelegt wurde. „Das ist richtig hochwertig, so könnte man heute wohl kaum noch bauen.”

Der Haken an der Sache: Vieles im Inneren würde man heute nicht mehr so bauen wollen. Oder dürfte es womöglich gar nicht. In Sachen Brandschutz ist das Gebäude nämlich ein echter Risikofall. Fehlende Brandschutztüren, keine Klappen in den Kabelschächten zwischen den einzelnen Geschossen. Und kein Fluchtweg aus dem Ratssaal, wie die Ausschussmitglieder genau dort zur Kenntnis nahmen. Zum Handeln gezwungen ist die Stadt in dieser Sache allerdings - noch - nicht. Denn für das Gebäude gilt insgesamt Bestandsschutz. Der allerdings würde erlöschen, wenn andere Baumaßnahmen angepackt würden. Und da gäbe es so einige.

Ganz oben auf der Prioritätenliste: Die Erneuerung der kompletten IT-Verkabelung. Schnelle Datenübertragung am PC ist im Rathaus nämlich ein Fremdwort. Alleine solch ein Austausch wäre ein dicker Batzen Arbeit. Und der beträfe andere Bauabschnitte. Öffnet man nämlich Wände und Decken, könnte man in einem Rutsch die Abhangdecken entfernen, in denen auch belastete Teile verarbeitet sind. Ebenso könnten Fenster und Wärmeschutz erneuert werden. Die Lüftungsanlage. Die Sanitäreinrichtungen. Die Küchentechnik in der Kantine. Oder die Entwässerung.

„Es macht kaum Sinn, den Sanierungsstau in dem Gebäude in einzelnen Teilen abzuarbeiten”, sagte Speer. „Man müsste die Maßnahmen konzeptionell miteinander verbinden.” Um Zeit und Geld zu sparen. Und um die Mitarbeiter nicht immer wieder um- oder ausquartieren zu müssen. „Wenn wir einen Bereich beginnen, dann gibt es eigentlich kein Halten mehr. Die äußere Erscheinung des Rathauses ist momentan wenig imagefördernd.”

Prioritätenliste

Allenfalls kleinere Arbeiten - wie die Erneuerung der Ventile an den Heizkörpern im Gebäude - könnten auch losgelöst vom Gesamtkonzept gut erledigt werden. Wann das soweit ist, steht allerdings noch nicht fest. „Wir werden uns die Mängelliste nach den Sommerferien noch einmal ganz genau ansehen und daraus eine eigene Prioritätenliste ableiten”, sagt Bürgermeister Alfred Sonders.

Dabei dürfte dann auch ein Punkt eine gewichtige Rolle spielen, der im Gutachten der GSG noch gar nicht auftaucht. Wie teuer wird das ganze Paket eigentlich? Und vor allem: Wer soll das bezahlen?
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