Alsdorfer Kfz-Meister als Fahrer des Fluchtwagens unterwegs

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Alsdorf. „Satte” 49 Euro erbeutete ein Alsdorfer Duo am 20. Mai bei einem Überfall mittags auf eine Raiffeisenbank in Kinzweiler. Weil die üppige Beute für den Kfz-Meister Frank M. (41) und den Aushilfsarbeiter Janusz R. (45) aus Alsdorf nicht mal die Anschaffungskosten der verwendeten Gaspistole einspielten, entschlossen sich die Räuber-Novizen, direkt einen zweiten Banküberfall dranzuhängen.

Zwei Stunden später, gegen 14.49 Uhr, sprach Janusz R. bei der Volksbank in Bardenberg vor. Dabei hatte er eine Bombenattrappe, „um ein Drohszenario” aufzubauen, wie er am Montag vor dem Aachener Landgericht über seinen Anwalt Andreas Fleuster verlauten ließ. Am Lenkrad saß ein ausgewiesener Autofachmann, es war der Kfz-Meister M..

In Würselen-Bardenberg steigerten sich die Bankräuber beutemäßig um mehr als das Doppelte, R. ergatterte 123 Euro Münzgeld, wie die Aachener Staatsanwältin Pascale Schlimm in der Anklageschrift verlas. Doch das Ganze sei wenig lustig, wie der Vorsitzende Richter Wolfgang Diewald vor der 4. Großen Strafkammer feststellte. Schließlich drohen den beiden Haftstrafen im hohen einstelligen Bereich, wie der Richter durchblicken ließ. Denn mit den beiden Banküberfällen waren die kriminellen Bemühungen des Duos noch nicht beendet.

Am Tag darauf kam eine Tankstelle in Düren an die Reihe, hier waren es immerhin knapp 1300 Euro plus Zigaretten. Der Kfz-Meister nahm, um unentdeckt zu bleiben, Kundenfahrzeuge als Fluchtwagen. Doch auf einer Geschäftsfahrt nach Stuttgart hatte er seinen eigenen VW-Sharan dabei. Die beiden machten Station in Andernach und Emmelshausen nahe Boppard am Rhein, wo sie zunächst 900 und dann 1475 Euro bei zwei weiteren Tankstellenüberfällen erbeuteten. Die Autonummer wurde notiert, abends stand die Polizei vor der Türe.

Der wegen seiner hochfliegenden Pläne mit rund einer Million Euro verschuldete Kfz-Meister betrieb eine bis dato gut laufende Werkstatt in Alsdorf. Im vergangenen Jahr aber, so gab er am Montag bei seinem Geständnis an, sei ihm der Betrieb über den Kopf gewachsen: zu schnelles Wachstum, zu viele Leute, Um- und Anbauten, die viel Geld kosteten. Im Herbst 2010 hatte er bereits versucht, die Lage seines Betriebes durch Kreditbetrügereien zu „verbessern”, auch das ging schief. Ein Mann, dessen Identität er nicht preisgeben wollte, habe Quads - das sind vierrädrige Geländefahrzeuge - über ihn vertreiben wollen, allerdings nur virtuell. M. stellte die Kreditanträge an die Bank, sie wurden jedoch abgelehnt. Janusz R. bezichtigte sich selbst, der Anstifter für die Überfälle zu sein. Der Prozess geht diesen Donnerstag weiter.
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