Alsdorf - Alsdorfer Gymnasium: Zum Abschied wurden Kacheln mitgenommen

Alsdorfer Gymnasium: Zum Abschied wurden Kacheln mitgenommen

Von: Ute Steinbusch
Letzte Aktualisierung:
Abschied Kacheln
Foto: Ute Steinbusch

Alsdorf. Ob „OAAH“ oder „Boahh“, beim Fest zur Eröffnung des Wochenendes der Offenen Alsdorfer Atelier-Häuser lagen Eigenname und Ausrufe des Staunens eng beieinander. Verschiedene Künstler hatten in den Tagen zuvor das alte, ausgediente Gemäuer des städtischen Gymnasiums in eine Erlebniswelt verwandelt. Der Geist der alten Schule trat dabei in diversen Facetten zutage.

Das Fest begann freundlich, kulturoffen und mit Spielraum für einzelne Entdeckungstouren. Die Artothek, die Alsdorfer Bürgern die Möglichkeit gibt, Bilder für wenige Euro über acht Wochen auszuleihen, war genauso zu betrachten wie ein Graffiti, das Künstler Matthes Straetmans über eine Kachelfläche gesprayt hatte. Die Kacheln hatte Helferin Sabine Busch in den Tagen zuvor vom alten Gemäuer abgeschlagen.

„Eigentlich hatten wir vor, dass heute Abend alle einen Hammer mitbringen dürfen, um sich selbst zu bedienen, aber das war dann doch nicht möglich“, schilderte Marina Brants, der „Motor“ der Offenen Alsdorfer Atelierhäuser.

So waren die von Straetmans in Kunstwerke verwandelten Kacheln schnell vergriffen, von dem Erlös wollen es sich Künstler und ihre Begleiter demnächst bei einem Grillabend gutgehen lassen.

Bürgermeister Alfred Sonders betonte, dass es das Ziel gewesen war, der Schule einen würdigen Abschied zu bescheren. „Als mir die Leute mit dem Gegenargument Versicherung kamen, habe ich gesagt, das kann es ja nicht sein…“

Kunstvereinsvorsitzender Franz-Josef Kochs bemühte das Sprichwort „Wenn es am schönsten ist…“, auch wenn man ihm ansah, dass ihm der Abschied von seiner alten Penne einigermaßen schwerfiel.

„Der verstorbene Ludwig Schaffrath hätte unser Tun wohl als Schwanengesang bezeichne.“

Koreanische Trommelmusik

Eine Kohlscheider Gruppe stimmte mit koreanischer Trommelmusik ein, während draußen bereits mehr und mehr Menschen eintrudelten – solche, die sich über den Kunstverein von der Einladung zur Vernissage hatten locken lassen, aber mindestens genauso viele Ehemalige der Schule. Diese schlenderten durch alle Räume und Flure, entdeckten etwa noch das Anschlusskabel, an dem der alte Automat in der Pause Kakao für 50 Pfennig offeriert hatte, und feuerten die Livebands an, darunter Anna 1, eine Lehrerband des Gymnasiums.

Woher man von dem Happening erfahren hatte? Einmal war der Banddrummer der Onkel, einmal eine Freundin aus dem Kunstverein die Ideenstiftende, aber natürlich auch durch unsere Zeitung. Letztlich kam eine bunte Schar von Menschen zusammen, die den Abend nach allen Regeln der (Schul-)Kunst genoss.

„Ich habe eben jemanden getroffen, der mir erzählt hat, seit 41 Jahren nicht mehr in dem Gebäude gewesen zu sein“, erzählte Ex-Mathelehrer und ehemaliger Konrektor Werner Schenk.

„Ich bin ja als Naturwissenschaftler kein Kunstexperte, aber ich finde es toll, dass die Veranstaltung so vielseitig ist. Genauso wie jeder Mensch viele Facetten hat.“ Schenk ist an diesem Abend mit einem weinenden Auge aus dem Gebäude gegangen, in dem er 35 Jahre gearbeitet hat. „Ein Stück Heimat“, gibt er frei und offen zu, bedeutet es ihm.

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