Alsdorfer Burg: Messerstecher zuvor an Kindergarten aufgefallen

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
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Von der Feierstätte zum Tatort: Das Veranstaltungsgelände in Alsdorf am Abend des Verbrechens. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Alsdorf. Der gelernte Maurer, der beim Grillabend der Alsdorfer Stadtgarde an der Burg am 8. August 2015 vermummt Pfefferspray versprüht, zwei Menschen mit einem Dolch und einem Messer verletzt und selbst einen Stich in die rechte Kniekehle davongetragen hatte, war bereits wenige Monate zuvor auffällig geworden – vor einem Kindergarten in Alsdorf.

Wie eine Erzieherin der Einrichtung am zweiten Verhandlungstag vor der 1. Schwurgerichtskammer am Landgericht Aachen aussagte, sei sie Ende Mai mit Kindern trotz schlechten Wetters mal raus gegangen. Als sie ein Kind zur Ordnung rief, sei sie plötzlich „aggressiv von der Seite“ angesprochen worden. „Was macht ihr hier? Ihr schlagt Kinder!“, habe ein junger Mann gerufen. Dabei habe er seltsam gewirkt. Sie habe zuerst gedacht, dass er wohl unter Alkohol stand. Der Blick sei merkwürdig gewesen. Er sei immer aggressiver aufgetreten und habe schließlich gerufen: „Ich bringe euch alle um!“ Sie habe deshalb mit den Kindern wieder die Betreuungseinrichtung aufgesucht. Der junge Mann sei noch eine Weile am Tor stehen geblieben, dann aber verschwunden.

Sie habe den Zwischenfall bei der Leitung des Kindergartens gemeldet. Da der Unbekannte aber zwischenzeitlich verschwunden war, sei die Sache „ad acta“ gelegt worden. Die Polizei sei nicht informiert worden. Erst nach dem schlimmen Vorfall an der Alsdorfer Burg habe sie einen möglichen Zusammenhang vermutet und sei schließlich zur Kripo gegangen. Letztlich habe sie auf einem der ihr dort gezeigten Fotos den jungen Mann wiedererkannt – eben jenen jetzt vor Gericht stehenden Beschuldigten.

Auf die Frage, ob sie vorher schon mal ein Bild des Mannes gesehen habe, sagte die Zeugin aus, eine Kollegin, die Ehefrau des bei der Messerattacke lebensgefährlich verletzten Polizisten, habe ihr ein Foto von dem Mann auf einem Smartphone gezeigt. Da habe sie ihn schon wiedererkannt. Der Täter warf ein: „Ich soll das gewesen sein?“ Er wurde von Richter Arno Bormann zur Ordnung gerufen.

Das Verhalten der Verantwortlichen im Kindergarten wurde vom Gericht nicht bewertet. Auch wurde nicht thematisiert, ob auf diese Weise möglicherweise eine Chance vertan wurde, dem später gänzlich aus dem Ruder gelaufenen Mann beizeiten zu stoppen. Das Gericht konzentriert sich in dem Sicherungsverfahren auf die Frage, ob der beschuldigte Alsdorfer, der als „hinreichend verdächtig“ gilt, im Burgpark im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt zu haben, eine derart große Gefahr darstellt, dass er dauerhaft in eine Spezialklinik eingewiesen werden muss. Sollte dies am Ende des Verfahrens so entschieden werden, würde jährlich von einem Gericht festgestellt werden, ob die Einweisung fortgesetzt wird.

Derzeit ist der Täter in der LVR-Klinik in Essen untergebracht und dort seit einer Attacke auf einen anderen Eingewiesenen isoliert. Der seit seiner Jugend drogenabhängige und zunehmend von Gewalt-, Verschwörungs- und Allmachtfantasien getriebene Alsdorfer hat auf den anderen Mann heftig eingeschlagen und war nur durch das Personal der Klinik zu stoppen gewesen, wie das Gericht durch Zeugeneinvernahmen und dank Videoüberwachung nachzeichnete.

Auch die Tat im Alsdorfer Burgpark wurde anhand weiterer Aussagen analysiert – so durch zwei Polizisten, die am Tatort und später bei einer versuchten, aber vom Beschuldigten abgelehnten Befragung eingesetzt waren. Ein Polizist gab an, es sei nicht ungewöhnlich, dass der Mann, der wegen seiner Verletzung, die er bei der Rangelei an der Burg erlitten hatte, auf der Intensivstation erst einmal nicht aussagen wollte – mit Blick auf die anderen Patienten. Allerdings sei seltsam gewesen, dass er gesagt habe, in Alsdorf würden „schlimme Menschen“ leben.

Dass der Täter meinte, vermeintlich Bedrohte bei dem Grifffest der Stadtgarde befreien zu müssen, bestätigte ein ehemaliger Klassenkamerad. Der Angreifer habe gesagt: „Hier werden Kinder verkauft.“ Der Brandmeisteranwärter half nach eigener Aussage zunächst dabei, den Angreifer zu überwältigen, kümmerte sich dann um dessen Wunde und begleitete ihn auf dessen Wunsch hin auf der Fahrt ins Krankenhaus.

Das Verfahren wird am 18. Februar fortgesetzt.

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