Alsdorfer Blutspendetag: „Vielleicht knacken wir die 1000!“

Von: Stefan Schaum
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Zeit für die Spende: Dass es beim Blutspendetag Uhren als Dankeschön gibt, darf symbolisch verstanden werden, sagt Bereitschaftsleiterin Ellen Hansen. Foto: Schaum

Alsdorf. An Wiederholungstätern mangelt es nicht, Mehrfachblutspender gibt es nach wie vor. Doch der Nachwuchs macht sich rar, beklagt Ellen Hansen, Bereitschaftsleiterin des Alsdorfer Ortsvereins des Deutschen Roten Kreuzes. Vor dem Blutspendetag in der Alsdorfer Stadthalle spricht sie über die Schwierigkeit, neue Spender zu gewinnen.

Vor allem im Sommer klagen Blutspendediensten darüber, dass zu wenige Spender kommen. Weshalb findet dann gerade jetzt der größte Termin in Ihrem Jahreskalender statt?

Hansen: Ach, das Datum ist auch nicht schlechter als andere. Wer nicht spenden will, der findet immer eine Entschuldigung, warum es für ihn gerade nicht passt. Außerdem kann ich den Termin auch nicht so frei wählen.

Wird das vorgeschrieben?

Hansen: Nicht direkt, aber es gibt einen Rhythmus, in dem alle Ortsvereine von den Blutspende-Teams besucht werden. Wenn da ein Verein anfangen würde, seine Termine zu verschieben, käme alles ins Wanken, das würde ein riesiges Koordinationsproblem. Unser großer Termin findet halt in den Sommerferien statt, das bleibt so. Ich bin ja schon froh, dass mir kein anderer Termin gekürzt worden ist.

Ist das denn vorgekommen?

Hansen: Ja. Zum Jahreswechsel ist deutschlandweit der Bedarf an Spenden überprüft worden. Dabei sind einige Termine gestrichen worden.

Weil sie unrentabel waren? Weil zu wenige Spender kamen?

Hansen: Das nicht. Es ist wohl so, dass Kliniken aufgrund besserer Operationsmethoden weniger Blut anfordern. Aber ich bin ehrlich: Sicher muss auch geschaut werden, ob sich der Aufwand für alle Termine lohnt. Das kann man schon mit einem Wirtschaftsunternehmen vergleichen – ist ja gar nicht böse gemeint.

Mussten Sie denn Einschnitte hinnehmen?

Hansen: Keine großen. Der Blutspendetag am kommenden Samstag ist kürzer als sonst und dauert nur von 10 bis 15 Uhr. Sonst hatten wir immer zwei Stunden mehr. Hätte ich die gefordert, hätte ich dafür den Termin zum Europafest streichen müssen. Aber besser zwei Termine, als ein längerer.

Wie stehen Sie denn aktuell da: Klagen Sie über sinkende Spenderzahlen?

Hansen: Nein, insgesamt nicht. Im vergangenen Jahr lief es sogar richtig gut, da hatten wir 990 Spender. Ich hoffe sehr, dass wir in diesem Jahr die 1000 knacken, das wäre schon toll. Beklagen würde ich aber, dass die jüngere Generation kaum noch kommt.

Woran liegt das?

Hansen: Ganz ehrlich? Keine Ahnung. Ich glaube, dass ich schon alles versucht habe, um das Spenden schmackhaft zu machen. Aber ich habe den Eindruck, dass man die Generation ab 18 Jahren mit dem Thema gar nicht erreicht. Die kommen frühestens dann zu einem Termin, wenn in ihrer Familie mal etwas passiert ist, wenn jemand eine Blutspende brauchte. Oder wenn sie selbst Kinder haben und Vorbild sein wollen. Dann macht es im Kopf oft Klick, aber vorher nicht.

Ist das nicht frustrierend?

Hansen: Ach, ich mache einfach weiter, und zwar gerne. Ich freue mich ja über jeden, den ich motivieren kann. Solange ich Rotkreuzlerin bin, so lange trommel‘ ich für das Blutspenden. Vorbild sein – anders geht es nicht. Ich weiß schon, dass ich keine Anreize zu bieten habe. Bloß das Gefühl, dass man durch die Spende vielleicht ein Leben retten kann. Aber zu dieser Erkenntnis gehört Reife, wie es aussieht.

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