Alsdorf unter Schock: Toto Beckers ist tot

Von: Verena Müller und Thomas Thelen
Letzte Aktualisierung:
12168706.jpg
Einer der größten Karnevalisten Alsdorfs ist tot: Josef „Toto“ Beckers. Foto: W. Sevenich

Alsdorf. „Schock“ – das ist das Wort, das viele als erstes benutzt haben, die am Montag vom überraschenden Tod von Josef „Toto“ Beckers hörten. Toto Beckers war ein Urgestein des Alsdorfer Karnevals, allen voran der Tröter Pötzer Jonge, deren Präsident er von 1984 bis 2010 war.

Ein Naturtalent und einer der größten Karnevalisten, die es in Alsdorf je gegeben hat. Am vergangenen Sonntag ist er im Alter von 66 Jahren gestorben.

„Sein Tod reißt ein Riesenloch in das Leben der Gesellschaft“, sagt sein Nachfolger bei den Tröter Pötzer Jonge, Frank Dohmen. „Toto war einer der wenigen, zumindest die mir bekannt sind, die immer offen und ehrlich ihre Meinung geäußert haben, auch wohl wissend, dass dies nicht immer positiv aufgenommen wurde. Eine Charaktereigenschaft, die man heutzutage kaum noch antrifft.“

„Ein Karnevalsfreund par excellence hat uns verlassen“, sagte der Präsident des VKAG, Reiner Spiertz. „Als junger Büttenredner betrat er einst die Karnevalsbühne, die er zeitlebens nicht mehr verlassen sollte.“ Sowohl in seiner geliebten Heimatstadt Alsdorf als auch weit darüber hinaus sei er als Redner mit stets aktuellen Themen bekannt und beliebt gewesen. „Das führte letztlich auch dazu, dass er ab 1983 über mehr als zwei Jahrzehnte die Veranstaltungen seiner Gesellschaft in einer unnachahmlichen Art moderierte. Er war der Garant für stets ausverkaufte Sitzungen“, so Spiertz weiter. Auch Bürgermeister Alfred Sonders zeigte sich tief betroffen: „Ich kannte ihn mein ganzes berufliches Leben“, so Sonders. Durch seinen für ihn so charakteristischen Humor sei Beckers in der Bevölkerung beliebt und bekannt gewesen.

Mit Geißbock durch Alsdorf

Beckers war 1960 Kinderprinz, 1981 dann mit seiner Ehefrau Bärbel Prinzenpaar in Alsdorf. Er trat 1979 der Karnevalsgesellschaft Tröter Pötzer Jonge bei. Nach seinem Ausscheiden als Präsident wurde er 2010 zum Ehrenpräsidenten ernannt. Für seine Verdienste um das Brauchtum Karneval wurden ihm höchste Ehrungen zuteil, unter anderem der Verdienstorden des VKAG in Gold sowie der Verdienstorden des Bundes Deutscher Karneval in Gold.

Neben seiner Familie und dem Karneval liebte Beckers vor allem den 1. FC Köln. Und er war das, was man einen hoffnungslosen FC-Optimisten nennt. Nicht immer wurde er für diesen Optimismus belohnt. Als der FC 1998 den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten musste, sah man Toto Beckers mit einem Geißbock vor dem Alsdorfer Cinetower – ein lebendiges Exemplar wohlgemerkt, kein Stofftier. „Wenn der FC absteigt, dann laufe ich mit einer Geiß durch Alsdorf“, hatte Beckers zuvor vollmundig getönt. Der Geißbock war am Alsdorfer Tierpark schnell organisiert. Der Rest ist Geschichte.

„Wie Toni Baumanns früher war Toto Beckers eines der letzten lebenden Originale des Alsdorfer Karnevals. Er war ein begnadeter Humorist und unverwechselbarer volksnaher Präsident“, zeigte sich am Montag auch Jürgen Beckers alias Jürgen B. Hausmann vom Tode des karnevalistischen Wegbegleiters bestürzt.

Toto Beckers‘ berufliche Laufbahn begann 1965 mit einer Lehre als Bauzeichner in der Verwaltung der Stadt Alsdorf. Er arbeitete danach im Hoch- und Tiefbauamt, bis er 1995 zum Bauhof wechselte. 1997 wurde er dessen Fachgebietsleiter. „Mir fehlen die Worte“, sagte der Leiter des Eigenbetriebs Technische Dienste, Stephan Maaßen. „Letztes Jahr im Februar haben wir ihn in den Ruhestand verabschiedet, und jetzt erreicht uns die Nachricht seines Todes.“

Becker's Credo sei gewesen: „Man darf bei allen Entscheidungen, die man trifft, nie vergessen, dass hinter ihnen unter Umständen immer noch ein Mensch steckt.“

Und wie kam eigentlich Josef Beckers zu jenem Spitznamen, der fünf Jahrzehnte an ihm klebte? Das war so: Sein Vater – ebenfalls ein Josef und seinerzeit Präsident der Alsdorfer Burgwache – hatte im Toto gewonnen. Mit der Nachricht ging er groß im Bekanntenkreis hausieren. Was der Scherzbold zunächst verschwieg, war, dass der Gewinn bloß aus mickrigen 1,10 D-Mark bestand.

Diese Geschichte sorgte für einige Heiterkeit, und die Karnevalsfreunde bastelten kurzerhand einen eigenen Wagen für den Rosenmontagszug. Der fuhr dann zu Ehren des „Toto-Königs“. Das war 1951 – Josef junior war da erst zwei Jahre alt. Doch als er 1965 seine Bauzeichnerlehre in der Alsdorfer Verwaltung begann, erinnerte sich ein Kollege an diese Geschichte und rief: „Ach, da kommt ja der kleine Toto!“ Der blieb er dann.

Und er wird es auch für immer bleiben.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert