Alsdorf - Alsdorf setzt bei Asyl auf Privathäuser

Alsdorf setzt bei Asyl auf Privathäuser

Von: Stefan Schaum
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Neue Fenster sind drin, auch innen ist fast alles fertig: In die alte Videothek an der Castor-Kirche sollen bald Flüchtlinge einziehen. Foto: S. Schaum

Alsdorf. Vor bald zehn Jahren ging hier die letzte DVD über die Theke. Seitdem standen die Räume der ehemaligen Videothek an der Ecke Anna- und Cäcilienstraße in Alsdorf leer. Nun sollen sie wieder genutzt werden. Ein privater Investor möbelt sie derzeit auf, um Asylsuchende unterbringen zu können.

Rund 20 Personen sollen schon bald einziehen. In der Stadt ist das kein Einzelfall. 295 Flüchtlinge leben aktuell in Alsdorf – nur 22 von ihnen in der städtischen Unterkunft an der Pützdrieschstraße.

Privat statt kommunal – so lautet das Stichwort. Anders formuliert: Es geht um eine dezentrale Unterbringung. Die hat man sich in Alsdorf dick auf die Fahnen geschrieben, um die Integration zu fördern. „Wir wollen nicht eine große Gruppe Asylsuchender an einem Ort. Die kommt dann nämlich nur schwer in Kontakt mit ihrer Umgebung und bleibt eher unter sich“, sagt Sozialamtsleiter Wolfgang Schleibach.

Mit seinen 20 Plätzen sei das jüngste Beispiel privaten Wohnraums schon eines der größten in der Stadt. Mehr Kapazität sollte es in dem Gebäude nicht werden, darauf habe die Stadt ein Auge gehabt. Schleibach: „Es darf zum Beispiel nicht sein, dass jemand einfach einen großen Tanzsaal einrichtet und dort jede Menge Feldbetten für Flüchtlinge reinstellt. Es muss sich immer um normale Wohnräume handeln.“ Das gelte auch für die Mietwohnungen und Mehrfamilienhäuser, die der Stadt zunehmend zwecks Vermittlung angeboten werden. Dass hier Leute an den Flüchtlingen verdienen möchten? Warum nicht? Unterm Strich ist Mieter eben das: Mieter. Im Sozialamt ist man jedenfalls froh, dass die Nachfragen mittlerweile gezielt reinkommen. Schleibach: „Es kommt häufig vor, dass jemand anruft und Wohnungen für Flüchtlinge zur Verfügung stellen will.“ Dann fahren die Kollegen erst Mal raus und prüfen nach.

„Jede Wohnung, in der ein Flüchtling leben soll, haben wir zuvor gesehen“, sagt Schleibach. Und vor allem: jede muss in Ordnung sein. Stimmen die Sanitäranlagen, die Heizungen, die Ausstattung? Werden auch die Brandsicherheitsbestimmungen erfüllt? Vieles ist zu prüfen. Das bringt einerseits die Verwaltungsmitarbeiter in diesem Bereich zwar an die Grenzen der Leistungsfähigkeit, sorgt aber andererseits dafür, dass am Ende tatsächlich nur geeigneter Wohnraum zur Verfügung steht. Ja, sagt Schleibach, es komme schon mal vor, dass jemand total heruntergekommene, nicht mehr vermietbare Wohnungen offeriere. Doch der springt in der Regel gleich wieder ab, wenn er hört, dass er noch investieren muss, um sie herzurichten. Auf der anderen Seite gibt es dann welche, die zu hohe Mietvorstellungen haben. Die Stadt, die den Eigentümern die Mietkosten nach dem Asylbewerberleistungsgesetz anweist, orientiert sich auch bei Flüchtlingen an den Mietobergrenzen für Sozialhilfeempfänger.

Soll heißen: Luxus lässt sich nicht bezahlen, aber ansprechend aussehen sollten die Räume. Man habe mittlerweile sogar ein kleines Polster, sagt Schleibach. Mietraum, der genutzt werden kann, wenn die Flüchtlingszahlen weiter steigen. Ärger mit Nachbarn? Vorbehalte, Ängste? Das habe es bislang nicht gegeben, sagt Schleibach. Zumindest wisse er nicht davon. Er empfindet es ganz anders: „Es gibt in der Bevölkerung ein großes Verständnis für die Notlage der Flüchtlinge.“

Weiterer privater Wohnraum für Flüchtlinge ist der Stadt willkommen. Anfragen beantworten im Rathaus Michael Müller, Telefon 02404/500252, und Thorsten Mützel, Telefon 02404/500580.

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