Alsdorf ringt um Erhalt der Förderschule

Von: Karl Stüber
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Bald geschlossen? Um den Erhalt der Alsdorfer Elisabethschule soll gekämpft werden. Foto: Stefan Schaum

Nordkreis. Betroffen sind die Förderschule in Alsdorf, in Herzogenrath, aber nicht mehr die in Würselen. Baesweiler hat eine solch spezielle Schule gar nicht und lässt Betroffene in der Nachbarschaft, vor allem in Alsdorf, beschulen.

Das alles wurde im Alsdorfer Ausschuss für Schulen, Sport und Kultur thematisiert. Wenn es eng wird, rückt man zusammen, auch wenn das widersinnig erscheinen mag. Denn eigentlich wird es auf diese Weise noch enger. Aber auf kleinerem Raum lässt sich Seit’ an Seit’ besser das verteidigen, was wichtig ist, in diesem Fall die Förderung von Heranwachsenden, die – da mit einem Handicap geschlagen – besondere Förderung benötigen.

Genau die kann von allgemeinen Schulen nicht so einfach oder gar nicht ermöglicht werden. Also geht es um den Erhalt von Förderschulen im Nordkreis.

Um das Ende vorweg zu nehmen: Auf Grund des so genannten 9. Schulrechtsänderungsgesetzes, das Rot-Grün in Nordrhein-Westfalen durchgesetzt hat und das ab 1. August gilt, wird nun die Inklusion „mit voller Energie von der Landesregierung“ umgesetzt, wie Schuldezernent Stephan Spaltner im Schulausschuss sagte. Das heißt, dass SPD und Grüne auf Landesebene möglichst viele Kinder und Jugendliche in normalen Schulen betreut wissen wollen.

Dahinter steckt eine entsprechende UN-Konvention, die auf Länderebene umzusetzen ist, um (vermeintliche oder tatsächliche) Diskriminierung auszuschließen. Das wiegt schwer. Die Folge: Die Albert-Schweitzer-Förderschule in Würselen wird wohl schon im Schuljahr 2015/16 auslaufen. Und die Elisabethschule in Alsdorf wird wahrscheinlich zum Schuljahr 2015/16 ihre Eigenständigkeit verlieren und „Zweigstelle“ (Dependance) der größeren Käthe-Kollwitz-Förderschule in Herzogenrath werden, wie Dezernent Spaltner die Entwicklung skizzierte.

Dahinter stecken unverrückbare Fakten, die Vorgaben des Landes zum Erhalt von Förderschulen nicht standhalten: die derzeitige Zahl der Schüler und die demographische Entwicklung. Mit Stand vom 15. September zählt die Förderschule in Alsdorf 129, die in Herzogenrath 143 und die in Würselen 60 Schüler. Die rot-grüne Landesregierung hat die Latte für den Erhalt hoch gelegt. Zur Fortführung von Förderschulen – auch im Verbund – sind mindestens 144 Heranwachsende notwendig.

Diese Vorgabe erfüllt zurzeit allein (noch) die Einrichtung in Herzogenrath. Es gibt ein kleines Hintertürchen, denn wenn eine Schule als Teilstandort fortgeführt werden soll, muss sie zumindest die Hälfte von 144 Schülern, also 72, betreuen.

Heißt: Trotz geburtenschwacher Jahrgänge dürften die Schule in Roda und als Teilstandort die Elisabethschule in Alsdorf bis auf Weiteres fortgeführt werden können, zumal sich ja auch die Schüler der laut Stadt Würselen auslaufenden Förderschule, so Spaltner, nach Herzogenrath bzw. Alsdorf orientieren dürften. Heißt laut Alsdorfer Verwaltung:

„Die Schulen könnten mit den Schülern aus Würselen mindestens ein Schuljahr fortgeführt werden.“ Die Zusammenführung ist aus Sicht der Verwaltung zum Schuljahr 2016/17 realisierbar. So sieht der Plan aus, der auch bereits der Bezirksregierung Köln bekannt ist, wie Spaltner sagte. Das verschafft Aufschub, mehr aber auch nicht.

Das Konzept beruht auf mehreren Gesprächen auf Städteregionsebene zwischen allen Beteiligten, wie der Schuldezernent sagte. Und in einer Arbeitsgruppe, die speziell den Nordkreis umfasst, wurde der oben skizzierte Plan präzisiert. „Bei Fortführung einer Schule mit Teilstandort wäre die Versorgung der Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf in beiden Städten“, also Roda und Alsdorf (mit Blick auf Würselen und Baesweiler) gesichert, heißt es seitens der Stadt Alsdorf.

Über den sich abzeichnenden Weg soll weiter verhandelt werden. Und was wird in drei Jahren sein? Wird es dann auch die Förderschulen in Roda und Alsdorf erwischen? Schuldezernent Spaltner berichtete: „Die weiterführenden Schulen in Alsdorf fühlen sich mit der Inklusion überfordert.“

Könnte heißen: Wenn Erziehungsberechtigte merken, dass ihre gehandicapten Kinder in „normalen“ Schulen mit dem vom Land zur Verfügung gestellten Mitteln (vor allem Personal) doch nicht so gefördert werden können, wie die Betroffenen es verdienen, würde das auf NRW und Rot-Grün zurückschlagen.

Aber würde in diesem Fall so schnell die UN-Konvention relativiert? Letztlich geht es doch um bestmögliche Betreuung und Förderung der betroffenen Kinder.

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