Alsdorf errichtet Wohncontainer für Flüchtlinge

Von: Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung:
10283835.jpg
Sie kümmern sich: (v.l.) Anwohnerin Sabine Flum mit Beate Kuhn und Sabina Semic von den Falken und Ferenc Radatovic aus Serbien mit Töchterchen Annabella vor den neuen Wohncontainern, die kommende Wochen bezogen werden sollen. Foto: Oprée
10287321.jpg
Die Besucher konnten sich auch ein Bild von der Ausstattung der Wohncontainer machen. Foto: Opree

Alsdorf. In der Branche ist diese Tatsache längst zum Geschäftsmodell geworden: In Städten und Gemeinden werden Flüchtlingsunterkünfte rar. Offensiv werben diverse Hersteller und Anbieter im Internet mit Containerlösungen als „guter und ökonomischer Lösung“ zur Unterbringung für Asylbewerber, „schnell und pragmatisch“ zu errichten.

Die Stadt Alsdorf setzt nun auf eine solche Variante, um Neuankömmlingen vorübergehend eine Bleibe anbieten zu können, so lange, bis der Asylantrag bearbeitet ist. Wie lange das dauern kann, hängt von den individuellen Umständen ab – und von der Bereitstellung privaten Wohnraums. Denn dezentrale Unterbringung soll oberste Priorität behalten.

Doch die Zahl der Zuweisungen wächst, von heute auf morgen können 10 bis 20 Flüchtlinge vor der Tür stehen, „da muss schnell reagiert werden“. Das ist eine der vielen Informationen, die die Anwohner der Pützdrieschstraße in Mariadorf erhielten, die per Postwurfsendung zum Ortstermin geladen worden waren. Um von Bürgermeister Alfred Sonders und Mitarbeitern des Sozialamts darüber in Kenntnis gesetzt zu werden, was neben dem ehemaligen Obdachlosenasyl, das vor längerem schon von der Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft (GSG) Alsdorf zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut worden war, Neues entsteht.

Gerüchte im Internet

Dass die grauweißen Container angeliefert wurden – Verkehrsstau inklusive –, war niemandem in der Siedlung verborgen geblieben. In sozialen Netzwerken kursierten bald schon gewagte Gerüchte. „Alles Schwachsinn“, kommentierte der Bürgermeister. Maximal 40 Personen, zunächst Männer, werden in den Containerblock einziehen. Vier bis kurzzeitig höchstens acht können sich einen von acht mit Stockbetten ausgestatteten Räumen teilen. Dazu gibt es Sanitärbereiche für Männer und Frauen und eine Gemeinschaftsküche.

„Wir müssen uns darauf einstellen, dass noch lange Zeit viele Menschen kommen werden“, bilanzierte Sonders. Und die werden nach dem „Königsteiner Schlüssel“ verteilt – auf Basis von Steuereinnahmen und Einwohnerzahl der Bundesländer. Sonders: „Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, diese Menschen zu integrieren.“

Für Anwohner Adolf Böhm (80) keine Frage: „Man darf sich den Leuten nicht verschließen. Wenn man grüßt, bekommt man schnell Kontakt.“ Das älteste Mitglied von Alemannia Mariadorf hat Fußballbegeisterte unter den neuen Nachbarn schon weiter vermittelt: „Menschen muss man eine Chance geben.“ Ausdrücklich lobt Böhm auch Hausmeister Bernd Scheel: „Seitdem der hier ist, herrscht Frieden.“ Als „kampferprobt“ hatte Alfred Sonders den drahtigen Mann im weinroten GSG-T-Shirt vorgestellt.

Aber was, wenn es tatsächlich mal Konflikte geben sollte, wollen die ansonsten friedlich gestimmten Nachbarn wissen. „Melden“, sagt der Bürgermeister und verspricht: „Wir gehen der Sache dann nach.“ Bei den Anwohnern, die bereits tatkräftige Unterstützung bei den Aufbauarbeiten leisteten, bedankt er sich. „Ich freue mich generell über die große Bandbreite der Hilfe“, sagt er und hofft, dass sich noch viel mehr Bürger engagieren.

So wie Sabine Flum, die mit zwei weiteren Müttern Spielzeug für die Flüchtlingskinder gesammelt hatte. Nun ist sie ein wenig enttäuscht, dass nur Männer in die „Wohnmodule“ einziehen. Bei Beate Kuhn von den Falken findet sie die richtige Ansprechpartnerin. Sie und ihre Mitstreiter besuchen die Flüchtlinge und koordinieren bürgerschaftliche Hilfsangebote. Weiteres Engagement ist jederzeit willkommen: Telefon 0177/6498808.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert