Als „Gipfelstürmer“ auf den Förderturm

Von: Yannick Longerich
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„Gipfelstürmer“ wollen hoch hinaus: Besucherbegleiter Paul Breuer vom Energeticon in Alsdorf erläutert den staunenden Teinehmern die tolle Aussicht vom Förderturm Anna I auf dem ehemaligen Alsdorfer Bergbaugelände.. Foto: Yannick Longerich

Alsdorf. Als die letzten Stufen erklommen waren, staunten die 16 „Gipfelstürmer“ nicht schlecht. Ein traumhaftes Panorama über dem Grubengelände Anna entschädigte für die Strapazen des Aufstiegs auf den ehemaligen Förderturm Anna I.

Im Zuge der Aktion „7x Sommer“ hat unsere Zeitung Abonnenten eingeladen, das ehemalige Bergbaugebiet Alsdorf auf einer spannenden und lehrreichen Führung über das Grubengelände am Annapark besser kennenzulernen.

Bei schwülen Temperaturen hatte Paul Breuer, seit anderthalb Jahren Besucherbegleiter am Energeticon, eine ebenso anspruchsvolle wie sehenswerte Strecke vorbereitet. Vom ehemaligen Fördermaschinenhaus ging es zunächst vorbei am Neubau des „KuBiZ“ zur alten Elekrozentrale des Anna-Geländes.

Das sogenannte „Langhaus“, welches zurzeit komplett saniert wird, soll künftig in das Schulgelände integriert werden und unter anderem Mensa sowie Bibliothek beherbergen. Nicht nur hier entstünde laut Breuer eine faszinierende Symbiose aus Historie und Moderne.

Mit Kurs auf den Förderturm leitete Breuer die Gruppe entlang der ehemaligen Bergarbeitersiedlung auf das Gelände des Annaparks. Die Siedlungen seien zu Zeiten der Grube ein raues Pflaster gewesen, erläuterte Breuer schmunzelnd. Einschlägige Etablissements und Kneipenschlägereien seien natürlich kein Vergleich zur heutigen, ruhigen und gepflegten Neubausiedlung.

Der Förderturm selbst bereitet Breuer einige Sorgen: „Seit ein paar Monaten haben wir ein Hochsicherheitsschloss in die Treppenhaustüre einbauen lassen. Davor wurde die Tür monatlich mindesten einmal aufgebrochen.“ Obdachlose und Jugendliche nutzten den Turm unbefugt als Rückzugsort. Darüber hinaus gleicht das schwer zugängliche Fundament in der Mitte einer Müllhalde. „Die Leute werfen achtlos allerlei Abfall weg, welcher nur sehr aufwendig geborgen werden kann. Selbst ein entwendeter Feuerlöscher liegt da mittlerweile“, ärgert sich darüber Breuer.

Die fantastische Aussicht hoch oben ließ den Ärger jedoch schnell verfliegen. Geduldig erklärte Breuer seinen gespannten Zuhörern das sich in alle Himmelsrichtungen erstreckende Wurmrevier. Vom Maria-Hauptschacht über die Zeche Kellersberg bis hin zur Carolus-Magnus-Grube Übach-Palenberg konnten alle Relikte aus vergangen Bergbautagen aus luftiger Perspektive ins Auge gefasst werden.

Bevor sich der Tross wieder auf den Weg Richtung Boden machte, konnte Breuer noch viele Fragen beantworten. So wurde beispielsweise über 60 Prozent der geförderten Kohle in Alsdorf zu Koks verarbeitet. Der entstandene Qualm verhalf Alsdorf zu seinem damaligen, zweifelhaften Image als „Stadt des Gestanks“.

Anfallende Nebengewinnungen wie Teer, Ammoniak, oder Benzol wurden weiterverkauft und versorgten somit viele Gebiete des Rheinlands.

Den Rückweg zum Energeticon verbrachte die sichtlich erschöpfte, aber glückliche Truppe auf dem „Weg der Energie“. Paul Breuer nutzte die letzte halbe Stunde, um seinen Zuhörern den schweren Wechsel von fossiler zu erneuerbarer Energie zu erläutern. Viele von ihnen werden einen neuen Eindruck von Alsdorf gewonnen haben.

Der Wandel von einer reinen Industriestadt zu einer gesellschaftlich pulsierenden Kommune ist nicht nur aus der Luft deutlich erkennbar.

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