Als die Kolonnen durch Kohlscheid kamen

Von: fs
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Der Aufmarsch beginnt: Am dem 4. August 1914 war die Roermonder Straße in Kohlscheid eine Hauptachse der marschierenden Soldaten. Repro: Wolfgang Sevenich/Heimatverein Kohlscheid

Herzogenrath. Ab dem 4. August zogen zwei Wochen lang schier endlos scheinende Kolonnen fremder Soldaten durch Kohlscheid. Sie waren in den Bahnhöfen Kohlscheid und Herzogenrath ausgeladen worden. Ein Heer von Kavallerie, Husaren, Dragonern, Kürassiere, Artillerie und Fuhrwerken mit Material wälzte sich über die Roermonder Straße.

Die Männer befanden sich auf dem Weg nach Aachen, um von dort über die Grenze nach Belgien zu ziehen, und machten in Kohlscheid Station. Schulen und Säle wurden zu Massen-Quartieren umfunktioniert, daher wurden die Schulen geschlossen.

Von der Bevölkerung wurden die Soldaten mit Getränken, belegten Brötchen und Zigaretten versorgt. Sanitäts-Rat Dr. Ingendahl richtete zunächst bei Rehan, Weststraße 93, eine Verbands-Station für die marschierenden Soldaten ein. Sie wurden auch von Kohlscheider Sanitätern versorgt.

Zaun errichtet

Der Verkehr zwischen Deutschland und den neutralen Niederlanden wurde abgebrochen. Das Passieren der Grenzen war in der Folge nur mit Auslands-Pass möglich. Auf der Neustraße, zwischen Holz und Pannesheide wurde auf der rechten Seite ein Zaun errichtet, der gerade noch Platz für ein Fuhrwerk bot. Nach Kriegsbeginn änderte sich das Leben der Bevölkerung stark. Lebensmittelverknappung war angesagt, wegen Kohlemangel waren viele Schulen geschlossen.

Es erfolgte der Aufruf Seife zu sparen, Glocken wurden eingeschmolzen, Gold und Silber mussten abgegeben werden. Übertageanlagen der Grube Langenberg wurden umgebaut und als Kriegsgefangenen-Unterkunft benötigt. Der Winter 1917 war sehr streng. Die Kleidung der Kinder war meist armselig, manches Kind kam hungrig zur Schule, wegen Kohlenmangel waren Schulen zeitweise geschlossen.

Die Entbehrungen führten unter anderem zu einer Krätze-Epidemie. Zu Beginn des Krieges wurden in den ersten Tagen bereits Verwundete aus Belgien über Aachen und dann zum Markt transportiert, die Straßenbahn brachte sie vom Bahnhof bis zum Markt, von dort wurden sie mit Tragen bis zum Lazarett befördert.

Arbeit bei den Nachbarn

Am 15. November 1918 kamen die deutschen Soldaten zurück. Gleich anschließend kam französische und belgische Besatzung. Die Belgier zogen bereits 1916 ab, die Franzosen erst 1929.

Der Friedensvertrag wurde am 28. Juni 1919 im Spiegelsaal von Versailles abgeschlossen. Durch die folgende Weltwirtschaftskrise und die Geldentwertung herrschte große Not. Die Inflation trieb die Bevölkerung in Kohlscheid dazu, in den benachbarten Niederlanden zu arbeiten.

Bilanz des Krieges

Das Fazit des Ersten Weltkrieges für Kohlscheid: 247 Soldaten, entweder gefallen oder in der Nachkriegszeit an den Folgen gestorben, das waren rund zwei Prozent der Bevölkerung. 94 verheiratete und 134 ledige Soldaten befanden sich beim Waffenstillstand noch in Gefangenschaft, 370 Kriegsbeschädigte waren zu beklagen, 94 Kriegerwitwen blieben allein, 122 Halbwaisen und 8 Vollwaisen blieben übrig.

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