Kerkrade - „Alpe d‘HuZes“: Mit viel Idealismus im Kampf gegen Krebs

„Alpe d‘HuZes“: Mit viel Idealismus im Kampf gegen Krebs

Von: Verena Müller
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Machen sich in Kerkrade für den Kampf gegen Krebs stark: Roland Willems, Wendy Simons und Patrick Roumen. Foto: Verena Müller

Kerkrade. Einmal im Jahr kämpfen sich Tausende Niederländer einen Berg in Frankreich hinauf, um für die Krebsforschung Geld zu sammeln. Knapp elf Millionen Euro sind so in zehn Jahren zusammengekommen. Dabei wird nicht irgendein Berg bezwungen, sondern der, der bei der Tour de France als härteste Etappe gilt. Der Alpe d’Huez.

„Niederländischer Berg“ wird er auch genannt, weil viele Niederländer diese Etappe für sich haben entscheiden können. Aber nicht nur einmal fahren die Teilnehmer der Spendensammelaktion mit ihrem Fahrrad, gehen mit Klompen an den Füßen oder mit einem Baumstamm auf dem Rücken, die 21 Kehren rauf, sondern bis zu sechs mal. „Sechs“ heißt auf Niederländisch „zes“ und deshalb heißt die Aktion „Alpe d‘HuZes“.

Lange Vorrede, kurzer Sinn: Am Sonntag, 18. September, wird erstmals eine kleine Version für Kinder in Kerkrade stattfinden. Und die Organisatoren sagen, dass sie sich freuen würden, wenn auch aus den benachbarten deutschen Kommunen Teilnehmer kämen. Viel Zeit zur Vorbereitung hatten sie nicht, und so konnten auch keine Einladungen an deutsche Schulen versendet, geschweige denn eine deutsche Übersetzung der Website erstellt werden.

Koordinator des kleinen Bruders von „Alpe d‘HuZes“ mit dem Namen „Alpe d‘HuKids“ ist Roland Willems, seines Zeichens Lehrer und wohnhaft in Kerkrade. Fünfmal hat er bereits an der Spendensammelaktion an dem gefürchteten Berg teilgenommen. „Das Gefühl, das man dabei hat, ist unbeschreiblich“, sagt er. Alle Wallfahrtsorte und Pilgerreisen zusammen könnten dagegen einpacken. Fremde würden zu Freunden, es wäre sensationell.

Begonnen hätte für ihn alles mit der Krebserkrankung der Frau „seines“ Schuldirektors. Damals sei er noch stark übergewichtig gewesen und konnte deshalb nicht selbst an den Start gehen. Aber er schrieb ein Kinderbuch, das er am Aktionstag für den guten Zweck vor Ort verkauft hat. So wollte er seinen Beitrag leisten.

„Als ich gesehen habe, was da passiert, habe ich gesagt: Nächstes Jahr bist du auch dabei.“ Und schaffte das. So wie er haben die meisten Teilnehmer einen persönlichen Bezug zur Krankheit Krebs, haben Angehörige dadurch verloren oder waren selbst einmal erkrankt. Wenn man bedenkt, dass statistisch jeder zweite Mann und jede dritte Frau von Krebs betroffen ist, kann sich im Grunde keiner davon ausnehmen, mit Erkrankten in Kontakt gestanden zu haben. So traurig das ist.

„Niemand soll mehr an Krebs sterben“ lautet frei übersetzt das Motto von „Alpe d‘HuZes“. Deshalb gehen die Spendengelder 1:1 über die KWF Kankerbestrijding (Königin-Wilhelmina-Fonds für Krebsbekämpfung) in die Forschung.

Für Kinder war es bislang schwierig an „Alpe d‘HuZes“ teilzunehmen, da die Veranstaltung traditionell Anfang Juni stattfindet – mitten in der Schulzeit. Das soll sich jetzt ändern. In Absprache und enger Kooperation mit der Stadt Kerkrade (in dessen Rat Willems auch sitzt), mit rund hundert ehrenamtlichen Helfern am Tag selbst und einem Vorbereitungsteam aus 15 Ehrenamtlern wird „Alpe d‘HuKids“ auf die Beine gestellt und soll nach Möglichkeit jährlich wiederholt werden.

Wendy Simons und Patrick Roumen vom Café Gouden Leeuw in der Kerkrader Innenstadt haben sich um Sponsoren gekümmert, andere werden die Räder kontrollieren, bevor die Kinder in der Innenstadt auf 3,3 Kilometern Parcours ihre Runden drehen können. Wieder andere sind als Streckenposten im Einsatz oder kümmern sich um die Versorgung der Teilnehmer mit Essen und Trinken.

Bislang haben sich rund 150 Kinder zwischen acht und zwölf Jahren angemeldet, der Spendenkontostand beläuft sich auf rund 20.000 Euro. Bislang. „Der endgültige Stand wird am Tag selbst auf dem Marktplatz, wo die Strecke beginnt und endet, verkündet“, sagt Roland Willems.

„Ein Mädchen hat drei, viertausend Euro gesammelt. Sie hat selbst Krebs“, erzählt Wendy Simons. „Und ein Junge, dessen Schwester an Krebs erkrankt ist, 2000 Euro. Das ist Wahnsinn.“

Dieses Geld wird in ein aktuelles Forschungsprojekt fließen, das der Frage nachgeht, wie Strahlentherapie bei Kindern sich langfristig auswirkt. Also welche Folgeschäden zehn oder zwanzig Jahre später auftreten können. Stück für Stück käme man so dem Ziel, den Krebs zu besiegen, näher, meinen die drei Organisatoren. Auch wenn das zum jetzigen Zeitpunkt noch utopisch klingen mag.

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