Alpakas im Garten: Ganz schön haarig

Von: Stefan Schaum
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Auch das Bürsten gehört zur Tierliebe: Bei dieser Prozedur geht Petra Schulte auch auf Kuschelkurs mit ihren geliebten Alpakas. Foto: Stefan Schaum
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Vielleicht ein wenig unbequem, aber recht schnell erledigt: Gut 20 Minuten muss das Alpaka am Boden festgehalten werden, bis Scherer Peter Pfeiffer seine Arbeit erledigt hat.

Baesweiler. Mit der Fellpflege ist das bei Alpakas so eine Sache. Die Tiere tragen ordentlich Wolle auf dem Körper, und so richtig klein sind sie auch nicht gerade. Da muss Petra Schulte sich mit der Bürste mitunter ganz schön mühen, um die Haare einigermaßen glatt zu bekommen. Sie hat es ja so gewollt. Andere Haustiere, andere Handgriffe. „Alpakas fand ich schon immer schick“, sagt die 52-Jährige aus Floverich. Doch hat sie nicht wirklich gedacht, dass jemals welche auf ihrer Wiese grasen werden. Dass es ganz anders kam, ist im Grunde die Schuld von Hündin „Jule“.

Zu Therapiezwecken

Mit ihrem Golden Retriever hatte Petra Schulte eine Hundeschule besucht, über die sie zum Jülicher Verein „Therapeutisches Arbeiten mit Tieren“ kam. „Fand ich total faszinierend. Die Ehrenamtler fahren mit ihren Tieren zu Kindern in integrativen Kindergärten. Es ist ein Erlebnis, zu sehen, wie gut behinderten Kindern der Kontakt mit Tieren tut.“ Sie selbst gehört mit „Jule“ seit 2009 zum Team. Und sie hat im Lauf der Zeit immer öfter darüber nachgedacht, vielleicht mal mit neuen, exotischeren Tieren daherzukommen. Und da war es wieder, das Faible für die Alpakas.

Plötzlich ging dann alles ziemlich schnell. Ein Nachbar bot eine große Wiese an und ihr Mann sagte: „Entweder jetzt oder nie!“ Also haben sie nach Züchtern gesucht und wurden in Belgien fündig. „Wir haben in Lüttich einen entdeckt, der 100 Tiere hat. Der hat sich da einen Lebenstraum erfüllt.“ Soweit sind die Schultes zwar noch nicht, doch mit ihren vier Alpakas haben sie schon mal deutlich mehr als der Durchschnittsbürger. Alles Jungs, alle kastriert – das sorgt für Eintracht auf der Wiese.

Eine ulkige Karawane

Die kleineren Verwandten der Kamele geraten eher selten in den Blick der Nachbarschaft, schließlich sind es scheue Tiere, die lieber auf ihrer Wiese bleiben. Doch Petra Schulte hat sie im Lauf der Monate an das Halfter gewöhnen können. Und so sieht man sie hin und wieder durch Baesweilers Felder ziehen, die Karawane mit der blonden Frau vorneweg und den vier weiß bis rotbraunen Tieren hinterher.

Oft kommt diese Parade am Stück bloß ein paar Meter weit, denn sie wird bestaunt wie ein kleiner Wanderzirkus. „Die Leute reagieren super auf die Tiere, sind total neugierig, wollen streicheln.“ Gern sagt sie dann ein paar Worte zu den Alpakas. „Die meisten halten sie nämlich für Lamas.“ Stimmt ja auch fast. Und ja: Alpakas spucken auch! Aber selten. Und nicht auf Menschen, wie Petra Schulte sagt. Doch es gibt da eine große Ausnahme – und genau die hat jüngst stattgefunden.

Diesmal kam Peter Pfeiffer aus Bremen angefahren. Der Hesse hat Termine in ganz Deutschland, seitdem er nicht mehr Schafe schert, sondern nur noch Alpakas. Eine ganz schön haarige Marktlücke, die er da aufgetan hat. „Es gibt im Land immer mehr Menschen, die ihre Liebe zu Alpakas entdecken“, sagt er. Gut 6000 Tiere seien mittlerweile in Deutschland registriert, und viele davon besucht er mit seinen Scherköpfen.

Das muss sein

Was die Tiere davon halten, sieht man an seiner Hose, denn ihn bespucken sie schon. Und zwar reichlich. Dicke Pladdern aus zerkautem Gras hängen auf den Beinen. Ist ja auch nicht nett, dass er sie packt, zu Boden drückt und dort an den Beinen festzurrt. Aber muss sein. Schließlich wurden die Tiere in den südamerikanischen Anden gezüchtet, um reichlich Wolle zu liefern. Doch mit solch dickem Fell ließe es sich unter deutscher Sommersonne schlecht leben. „Die Tiere würden glatt einen Hitzschlag bekommen“, sagt Petra Schulte. Bei der ersten Schur hatten ihre Nerven ganz schön geflattert. „Geht ans Herz, wenn man die Tiere am Boden sieht. Aber es tut ihnen gut.“

Schöner sind sie anschließend eher nicht. Im Gegenteil: Von so einem Alpaka bleibt ohne das Wollkleid bloß ein ziemlich dürres Etwas übrig. Um die 60 Kilo wiegt so ein Tier, vieles davon ist Fell. In den nächsten Wochen werden „Michel“, „Inti“, „Maron“ und „Diego“ ganz schmächtig auf der Wiese stehen, aber im Herbst stimmt die Frisur wieder. Petra Schulte macht derweil das Beste draus: Pullover. Sie hat sich ein Spinnrad gekauft und weben gelernt. Seitdem trägt sie dicke Pullis aus der Wolle ihrer Tiere. Ein Stück Alpaka am Körper – auch was Feines. Derzeit bereitet sie das Gelände auf die ersten Besuche von Kindern vor. „Mal sehen, wie sich die Alpakas als Therapeuten machen.“ Ein dickes Fell haben die Tiere ja.

Meistens jedenfalls.

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