Alexandros Stefanidis: Einblicke in den Alltag einer Einwandererfamilie

Von: km
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Geschichte aus mehreren Jahrze
Geschichte aus mehreren Jahrzehnten: Der Journalist Alexandros Stefanidis präsentierte in der Burg Baesweiler sein neues Buch „Beim Griechen” und erzählte damit seine Lebensgeschichte. Foto: Katrin Maiwald

Baesweiler. Wie erlebt eine Familie, die nach Deutschland kommt, das Leben in der neuen Heimat? Ungewöhnliche Einblicke offeriert Alexandros Stefanidis in seinem Buch „Beim Griechen”. In einer Zeitreise durch drei Jahrzehnte beschreibt der Journalist und Autor seine Familiengeschichte von den 60er Jahren bis heute.

Ausschnitte präsentierte er im Kulturzentrum Burg Baesweiler: Fokus ist Alexandros Vater. Er eröffnete nach sechs Jahren in Deutschland ein griechisches Restaurant in Karlsruhe. Über bunte Erlebnisse mit Stammgästen und Erlebnisse einzelner Familienmitglieder führt der Autor durch Höhen und Tiefen einer persönlichen Chronik. „Das Buch ist lustig, menschlich und hat von Komik bis Tragik alle Elemente”, sagt Stefanidis. Vor allem aber ist das Buch offen. Es beschreibt unverblümt das Schicksal der Familie in all seinen Facetten. Etwa, wie Stefanidis Großvater von bulgarischen Soldaten erschossen wird oder wie ein Freund seines Vaters an AIDS stirbt. Zentrum des Buches ist das Restaurant. „Vom Zuhälter bis zum Bundesanwalt - zu uns kam jeder”, erinnert sich Stefanidis. Auch Jürgen Trittin, Joschka Fischer und Willy Brandt tranken den ein oder anderen Ouzo bei den Stefanidis. Parallel zur Familiengeschichte wühlt der Autor die Politikgeschichte der Bundesrepublik auf. Wie er sich an all das erinnert?

„Gute Geschichten”

„Nach Feierabend saßen wir mit der ganzen Familie im Lokal, und mein Vater erzählte stundenlang alte Geschichten. Gute Geschichten!” Über 20 Jahre später beschloss Alexandros Stefanidis, sie aufzuschreiben. Mit viel Herzblut. Der Leser fühlt sich hineinversetzt in die Familie, fühlt sich mitten drin im Geschehen. Lebendig und unterhaltsam aber auch ernst schafft es der Autor, die griechische Kultur äußerst sympathisch rüberzubringen. Besonders das freundliche Wesen des Vaters trägt dazu bei. „Ich möchte erreichen, dass die Leser uns mehr Menschlichkeit und Offenheit entgegenbringen”, erklärt der Autor. Den Begriff Integration mag Stefanidis jedoch nicht: „Wann ist denn jemand integriert? Wenn er 15 Fragen beantworten kann?” Er bezeichnet das Wort deswegen als „deutsches Ungetüm”. Darüber hinaus zeigt Stefanidis auf, dass auch aus traurigen und schlimmen Situationen immer etwas Gutes zu gewinnen ist. So präsentiert er Lebensweisheiten wie: „Du musst denken wie ein Unsterblicher, aber Du musst handeln, als würdest Du am nächsten Tag schon sterben.”

Nicht nur im Buch beweist der Autor Humor: Vor dem Publikum ruft er seine Mutter in Griechenland an, spricht kurz mit ihr auf Griechisch und legt dann auf. Sein Kommentar: Seine Mutter spiele gerade Karten und wolle nicht gestört werden...
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