Albert-Schweitzer-Schule muss im Juni 2015 schließen

Von: Georg Pinzek
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Würselen. Das Aus der Albert-Schweitzer-Schule in Broichweiden ist beschlossene Sache. Mit den Stimmen der großen Koalition folgte der Bildungsausschuss der Empfehlung der Stadtverwaltung, die die Schließung mit zu geringen Schülerzahlen begründete.

So schreibt das Schulgesetz vor, das die Einführung der inklusiven Beschulung regelt, dass selbst der Teilstandort einer Förderschule mindestens 72 Schüler haben muss. Die Albert-Schweitzer-Schule besuchen aktuell aber nur noch 64 Schüler. Mit Ablauf des Schuljahrs 2014/15 soll nun der Schulbetrieb am Helleter Feldchen eingestellt werden.

Für eine auslaufende Schließung hatten sich vergeblich Sprecher von FDP, UWG und Grüne im Bildungsausschuss stark gemacht. Für die SPD begründete Andreas Dumke de Entscheidung, „die wir uns nicht einfach gemacht haben“. Aber mit Blick auf die Anmeldezahlen habe die Stadt keine andere Wahl. „Wichtig ist, dass es ein Konzept zur weiteren Beschulung der betroffenen Schüler gib“, betonte Dumke.

Die Verwaltung hatte die Schulpolitiker zuvor informiert: Die derzeit noch elf Schülerinnen und Schüler, die den Primarbereich der Albert-Schweitzer-Schule besuchten, könnten an Würselener Grundschulen im Rahmen der Inklusion wohnortnah qualifiziert beschult werden. Alle Würselener Grundschulen, mit Ausnahme der einzügigen GGS Linden-Neusen, seien als „Schwerpunktschulen“ auf inklusive Beschulung eingestellt und werden von Förderschullehrern unterstützt.

Die sieben Schülerinnen und Schüler der jetzigen 4. Klasse könnten, wenn es dem Elternwillen entspricht, in der zum Schuljahr 2015/16 neu zu errichtenden Gesamtschule angemeldet werden. Für die übrigen Schüler bestehe ein Beschulungsanspruch in einer Förderschule der Nachbarkommunen oder einer sonstigen allgemeinen Schule.

CDU-Sprecher Balthasar Tirtey machte keinen Hehl daraus, dass ihm das Sterben der Förderschulen im Zuge der noch nicht einmal erprobten Inklusion ganz und gar nicht gefalle. Tirtey: „Wir müssen uns aber an die gesetzlichen Vorgaben halten.“ Die Koalition habe sich gegen die auslaufende Schließung entschieden, weil mit stetig sinkenden Schülerzahlen die Förderschule zweifellos an Kompetenzen verliert, die Schüler qualifiziert zu fördern. Diese Aufgabe werde nun Grund- und weiterführende Schulen in Würselen sowie – so weit der städteregionale Konsens – Förderschulen in Herzogenrath und Alsdorf zu teil.

Für die FDP versuchten Frank Lube und Hans Carduck das Argument zu entkräften, dass die Förderschüler stigmatisiert würden, wenn bei einer auslaufenden Schließung immer weniger Schüler in dem Schulgebäude unterrichtet würden. Die Hauptschule sei ja auch nicht von einem auf das andere Schuljahr geschlossen worden. Carduck: „Die Förderschule hat eben keine Lobby.“

Für die Grünen regte Erni Parschmann an, falls der Standort ein Problem sei, Förderklassen dann woanders zu beschulen.

Im Namen der UWG gab Frieda Honrath zu bedenken, „dass der Erfolg der Inklusion noch nicht gesichert ist. Nach Rücksprache mit der Schulleitung ist die UWG davon überzeugt, dass ein behutsamer Übergang der Schüler auf andere Schulen sinnvoller ist.“ Viele der betroffenen Albert-Schweitzer-Schüler könnten auf einer Regelschule nicht unterrichtet werden.

Bürgermeister Arno Nelles machte deutlich, „dass die Schließung so einer Schule keine leichtfertige Entscheidung ist. Niemand kann aber jetzt völlig überrascht sein. Wir sind darüber seit Jahren im Gespräch. Bereits im vergangenen Jahr ist an dieser Schule kein neuer Schüler angemeldet worden. Bildungsexperten halten die inklusive Beschulung für sinnvoll, sehen darin eine Chance für unsere Gesellschaft. Deutschland hat hier großen Nachholbedarf. Es geht um das Wohl der Schüler, nicht um das Wohl einer Schule.“

Fachbereichsleiter Herbert Zierden zeigte sich ebenfalls davon überzeugt: „Die Beschulung der Kinder in der geringen Zahl ist in diesem Fall nicht gut für die Schüler.“

Ausschussvorsitzende Doris Harst erklärte nach dem Beschluss: „Mir ist das Herz schwer, dass die Albert-Schweitzer-Schule geschlossen wird. Aber wir müssen uns wohl der normativen Kraft des Faktischen stellen.“

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