Würselen - Aktionstag: Mehr Miteinander auf die Straße bringen

Aktionstag: Mehr Miteinander auf die Straße bringen

Von: Stefan Schaum
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Da wird der Polizist zum Sprayer: Viele Piktogramme hat Hauptkommissar Udo Eibert in der Würselener Innenstadt auf die Straßen gesprüht. Foto: Stefan Schaum
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Das Rad, auf dem ein Mann am 8. Juli in Eschweiler tödlich verunglückte, hatten die Beamten mit auf den Morlaixplatz gebracht. Foto: Stefan Schaum
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Das Tragen der „Rauschbrille“ sollte die Auswirkung von Alkohol auf das Bewegungsvermögen simulieren. Foto: Stefan Schaum
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Aufgebaut war der Infostand gleich neben der Kaiserstraße, deren Freigabe für Radler gegen die Einbahn-Richtung Konfliktpotenzial birgt. Foto: Stefan Schaum

Würselen. Erst kommt der Schrecken, dann der Stinkefinger. Als die junge Frau im Smart aus der Parkbucht an der Kaiserstraße rauszieht, rauscht ihr um ein Haar ein Radler mitten rein. Der macht flott einen Bogen – und zeigt im Vorüberfahren die eindeutige Geste. Die Frau schüttelt den Kopf – und atmet erst mal durch.

Dass auf der schmalen Kaiserstraße Zweiräder entgegen der Einbahn-Richtung fahren dürfen, hatte sie wohl gerade nicht im Blick. Und da ist sie nicht die einzige. Daher ist es auch kein Zufall, dass nur wenige Meter von dieser Szene entfernt Verkehrssicherheitsberater der Polizei an einem Infotisch stehen.

„Radgänger“ heißt die Aktion, die auf dem Morlaixplatz stattfindet. Schon das Kunstwort zeigt, dass es hier um eine Verbindung gehen soll. Weil auf Deutschland Straße die Radfahrer gern über Fußgänger meckern, die ihrerseits über die Radler lästern – und Autofahrer über beide –, sollen die Gruppen aus Sicht der Polizei jetzt endlich mal mehr Verständnis füreinander entwickeln.

„Wir wollen alle Verkehrsteilnehmer eindringlich füreinander sensibilisieren“, sagt Udo Eibert, der als Berater für Würselen zuständig ist. Dass die Polizei ausgerechnet jetzt Präsenz zeigt, ist nicht bloß dem Schulanfang geschuldet. In diesem Jahr hat es bereits 20 Unfälle mit verletzten Radfahrern in der Stadt gegeben, im gesamten vergangenen Jahr waren es dort „nur“ 16. „Dieser Anstieg macht uns schon Sorgen“, sagt Eibert, der deshalb beim Aktionstag auch zu Schablone und Sprühdose greift. Piktogramme bringt er in Neonfarbe auf die Straße. „Türstopp“ steht unter einem – damit Autofahrer auch schön nach hinten schauen, bevor sie die Tür öffnen. Hinter vorgehaltener Hand sagt ein Kollege: „Die Radfahrregelung in der Kaiserstraße ist ziemlich problematisch – aber politisch ist das ja so gewollt.“ Es gibt in der Stadt aber noch andere heikler Stellen, deshalb wir Eibert auch in Broichweiden und Bardenberg sprühen. Etwa sechs Wochen wird die Farbe halten.

Gesprächspartner müssen die Beamten am Infotisch nicht lang suchen – viele kommen von selbst auf die Polizisten zu. „Im Stadtpark geht das jetzt oft gar nicht mehr“, sagt Christina Specovius. Sie meint die Gefahr durch Radler, die auf dem neuen Teilstück des Premiumradwegs flott unterwegs sind. Ihre beiden fünfjährigen Jungs lässt sie dort nur selten aus den Augen. „Da müsste man mal Warnschilder aufstellen“, sagt sie. Überhaupt sei solch eine Aktion super, lobt sie die Präsenz der Polizei. Sie freut sich, dass sie Anregungen loswerden kann. „Hier am Alten Rathaus kann man nie sicher sein, dass die Autos am Zebrastreifen wirklich halten. Auch Räder fahren da oft einfach durch.“ So wie sie, bleiben im Lauf der sechsstündigen Aktion einige stehen und greifen zu Infobroschüren und – man kann ja nie wissen – dem Bußgeldkatalog.

Auf dem Boden neben dem Infotisch liegt ein Fahrrad. Sein Hinterrad ist stark verbogen, sein ehemaliger Besitzer tot. Er starb am 8. Juli in Eschweiler, beim Zusammenstoß mit einem Lkw. Viele Passanten schauen auf da Rad, lesen den kleinen Zettel darauf. Und beginnen vielleicht, über ein rücksichtsvolleres Miteinander auf der Straße nachzudenken.

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