Nordkreis - Akteure der KAL immer noch präsent

FuPa Freisteller Logo

Akteure der KAL immer noch präsent

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
KAL2
Vor dem Verbot: Ein Demonstrant bei einer NPD-Veranstaltung trägt ein schwarzes T-Shirt mit dem Aufdruck „Kameradschaft Aachener-Land” am 26. April 2008 in Stolberg. Foto: dpa

Nordkreis. Wie steht es um Rechtsextremismus in Alsdorf und Umgebung? Wie steht es um die Kameradschaft Aachener-Land (KAL) nach dem durch NRW-Innenminister Ralf Jäger ausgesprochenen und von der Polizei durchgesetzten Verbot?

Welche Bedeutung hat die „Kameradschaft Alsdorf-Eupen” (KAE)? Auf welchem Nährboden bewegen sich diese und vergleichbare Kräfte - auch und gerade in Alsdorf? Was ist zu tun? Das sind Fragen, um deren Beantwortung es im 9. Stadtgespräch unserer Zeitung in Kooperation mit dem Förderverein Stadtmarketing, unterstützt von der Stadt Alsdorf, am Mittwoch, 7. November, geht.

Gerne hätte Richard Gebhardt an der Veranstaltung teilgenommen, berufliche Gründe hindern ihn daran. Er ist Fachmann für „Extreme und ?Neue Rechte in Deutschland” und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politische Wissenschaft an der RWTH Aachen. Gebhardt ist emotional und rational immer noch mit Alsdorf verbunden - auch wenn er seit Mitte der 1990er Jahre nicht mehr dort wohnt. Verwandtschaft „füttert” ihn immer noch mit Nachrichten, über unsere Zeitung und via Internet hält er sich zusätzlich über die Szene auf dem Laufenden, engagiert sich gerne bei Informationsveranstaltungen, wie zum Beispiel in Herzogenrath in Kooperation mit dem Stadtsportbund und unserer Zeitung zum Thema „Neonazis im Sport (-Verein)” vor ein paar Monaten.

Sein Vater war in Alsdorf kommunalpolitisch aktiv, gehörte den Christdemokraten an, war stellvertretender Landrat. Mit den Themenfeldern Politik und Engagement für die Allgemeinheit wuchs er auf, bekam mit, welche Bedeutung rechte Kräfte in Alsdorf gewinnen konnten, als etwa bei Kommunalwahlen 1989 die Republikaner in Alsdorf-Ost oder einem Kellersberger Wahlkreis knapp 13 Prozent der Stimmen einsackten. Heute sind die Republikaner aus seiner Sichte nur noch „eine rudimentär existierende Partei”. Er sagt: „Alsdorf ist das letzte gallische Dorf.” Letztlich die „vollendete Langeweile” angesichts ihrer Beiträge in den Gremien.

Gebhardt erinnert daran, dass die Republikaner sich auch als Reaktion auf die aus ihrer Sicht ausbleibende „geistig moralische Wende”, die der damalige Kanzler Helmut Kohl ausgerufen hatte, gebildet haben. Apropos rechts und möglicherweise extrem. Oft werden Begriffe durcheinander geworfen. Rechts (sein), was ist das überhaupt? Laut Gebhardt ist der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler so einer. „Verankert im demokratischen Spektrum, konservativ, Werte bewahrend. Familie und Nation sind hier wichtig.”

Und die „Neue Rechte” - sein Forschungsgebiet!? Da geht es laut RTWH-Forscher um das Preußische im Deutschen. Staat und Staatsräson spielen eine wichtige Rolle. Das Zurücktreten des Individuums gegenüber dem Ganzen. Die kritiklose Inpflichtnahme für das vermeintlich Hehre. Eine Art recycelter Bio-Deutscher, den nationales Pathos und die Sehnsucht nach der Volksgemeinschaft treibt. Nährboden für mehr . . .

Hilter als Comicfigur

Bei Neonazistisch wird es schon deutlicher. Diese Leute sind laut Gebhardt klar gegen die freiheitliche Grundordnung, gegen den Rechtsstaat, gegen den Viel-Parteien-Staat. Neonazistisch Orientierte sehnen sich nach dem einen starken Mann, einem Führer, betreiben eine Verklärung, Glorifizierung des Dritten Reichs unter Adolf Hitler, wollen dessen „Erbe” bewahren, ja reanimieren.

Und wie steht es um den Nährboden für solches Gedankengut? Untersuchungen besagen: 8,2 Prozent der Deutschen verfügen über ein „Geschlossenes rechtsextremes Weltbild”. Ups, schluckt da der aufrechte Demokrat. Zu diesem Weltbild gehören laut Gebhardt die Abwehr von jedwedem Fremden, die Vorstellung eines ethnisch reinen Volks und die erhoffte Konfliktlösung durch einen starken Mann. Wo sind und bleiben die Leute mit diesem Weltbild? „Keiner Partei oder Bewegung ist es bislang gelungen, diese Kräfte langfristig zu bündeln”, kann der Demokrat nur froh sein, meint Gebhardt. Erstaunlich ist, dass die Schüler in NRW das positivste Bild von der Zeit des Nationalsozialismus haben. „Die Konfrontation mit dem Holocaust hat ihren Schrecken verloren. Hitler ist durch Filme und Parodien zur Comic-Figur geworden, über die man lacht und die man nicht fürchtet”, sagt der Wissenschaftler. Die Gesellschaft muss weiterhin wachsam sein. In Alsdorf, so das Kompliment des Beobachters, ist dies offensichtlich gegeben. Gebhardt warnt vor Hysterie, rät aber zu Wachsamkeit und geschlossenem Auftreten der Bürger, wo immer sich Rechtsextreme zeigen.

„Das Verbot der KAL war längst überfällig.” Mag sein, dass die Klientel derzeit „Desorganisation und personelle Desorientierung” zeigt, sagt er. „Die Akteure sind aber immer noch präsent -nicht nur bei Aufmärschen der Szene in der Region.”

Die neuste Erkenntnis laut dapd: Nach Angaben von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat sich die rechtsextreme Szene schwer bewaffnet. Dadurch steige die Gefahr weiterer rechter Terroranschläge in Deutschland. „Die Neonazis horten die Waffen, um gegen den politischen Gegner oder die Polizei vorzugehen”, sagte Jäger gegenüber dem ZDF. „Das macht mir Sorgen”, fügte der SPD-Politiker hinzu.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bestätigt die Sorgen: „Hier sind Leute mit einer extrem harten ausländerfeindlichen, rechtsextremen Einstellung unterwegs.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert