Aixtron-Chef Goetzeler geht in turbulenten Zeiten

Von: Hermann-Josef Delonge
Letzte Aktualisierung:
13586828.jpg
Der Herzogenrather Spezialmaschinenbauer Aixtron und Vorstandschef Martin Goetzeler gehen künftig getrennte Wege. Foto: Oliver Berg
9208244.jpg
Der Herzogenrather Spezialmaschinenbauer Aixtron und Vorstandschef Martin Goetzeler gehen künftig getrennte Wege.

Herzogenrath. Vor ziemlich genau drei Jahren und elf Monaten, am 19. Februar 2013, berichteten wir an dieser Stelle von einer sehr wichtigen Personalie beim Herzogenrather Anlagenbauer Aixtron. Das Unternehmen hatte bekanntgegeben, dass Vorstandschef Paul Hyland Aixtron verlassen werde – „aus persönlichen Gründen und in gegenseitigem Einvernehmen“.

Die Überschrift lautete damals: „Führungswechsel in turbulenten Zeiten“.

Fast wie 2013

Man braucht nur den Namen austauschen, und schon ist man in der Gegenwart. Am Freitag gab das Unternehmen bekannt, dass Vorstandschef Martin Goetzeler Ende Februar Aixtron verlassen werde – „aus persönlichen Gründen und in gegenseitigem Einvernehmen“. Die Überschrift lautet also – nicht sonderlich originell, aber damals wie heute treffend: „Führungswechsel in turbulenten Zeiten“.

In beiden Fällen wurde/wird der auslaufende Vertrag mit dem Vorstandschef nicht verlängert. Es gibt jedoch auch einige markante Unterschiede: Hyland wurde in dem Jahr, in dem er ausschied, 60 Jahre alt. Und er hatte, hieß es damals, schon frühzeitig erklärt, seinen Vertrag nicht verlängern zu wollen. Außerdem stand damals schon ein Nachfolger bereit – ein Vorstand der Siemens-Tochter Osram: Martin Goetzeler.

Der ist heute 54 Jahre alt. Dass auch er frühzeitig geplant hatte, seinen Vertrag nicht zu verlängern, ist nicht bekannt. Einen Nachfolger gab Aixtron am Freitag zwar auch bekannt, aber der ist als Interimslösung zu verstehen: Kim Schindelhauer, von 1992 bis 1997 geschäftsführender Gesellschafter von Aixtron, dann bis 2002 Vorstandsmitglied und derzeit Vorsitzender des Aufsichtsrats, geht ab 1. März wieder ins Geschirr, bis ein Nachfolger für Goetzeler gefunden ist. Seinen Posten als Vorsitzender des Kontrollgremiums übernimmt in dieser Zeit der bisherige Vize Prof. Wolfgang Blättchen.

Die Situation für Aixtron war schon 2013 schwierig, und sie ist es heute immer noch. Der Herzogenrather Spezialmaschinenbauer, der 1983 als Spin-off aus der RWTH gegründet worden war und später zu einer Neue-Markt-Ikone emporstieg, produziert Anlagen für die Herstellung von Halbleitern, die zivil für Leuchtdioden genutzt werden. Wegen einer schwachen Auftragslage steckt das Unternehmen in der Krise.

Ein Weg daraus sollte die von Goetzeler vorangetriebene Übernahme durch einen chinesischen Investor, die Fujian Grand Chip Investment, sein. Doch diese scheiterte kurz vor Weihnachten am Veto der US-Behörden und schließlich des damaligen Präsidenten Barack Obama. Die US-Regierung hatte ein Mitspracherecht, weil das im TecDax notierte Unternehmen eine Niederlassung in den USA hat. Das Problem: Die Obama-Administration hatte massive Bedenken gegen die Übernahme. Man fürchtete, die Halbleiter seien auch für militärische Zwecke geeignet. Letztlich zog der chinesische Investor seine 676 Millionen schwere Offerte zurück.

So wurde Aixtron zum Spielball der internationalen Politik. Die Enttäuschung über die geplatzte Übernahme war groß. Goetzeler hatte immer betont, im Alleingang seien Personalabbau und Restrukturierungen unumgänglich. Auch Schindelhauer hatte bei den Aktionären massiv für die Annahme des Übernahmeangebots geworben – und vor den Folgen gewarnt, sollte diese nicht zustande kommen.

Bilanzzahlen am 23. Februar

Ob es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Scheitern der Übernahme und dem Rückzug von Goetzeler gibt, wollte das Unternehmen am Freitag nicht kommentieren. „Die eingeschlagene Strategie“ werde unverändert fortgesetzt, hieß es. Wie die aussieht und ob es tatsächlich zu den von Goetzeler vorausgesagten „Restrukturierungen“ kommt, dürfte in den nächsten Wochen klarer werden. Am 23. Februar wird das Unternehmen die aktuellen Bilanzzahlen bekanntgeben. Es dürfte eine der letzten Amtshandlungen von Martin Goetzeler bei Aixtron sein. Das Unternehmen beschäftigt weltweit etwa 750 Mitarbeiter, am Standort Herzogenrath gut 400. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres standen dem unter dem Strich Verluste von 30,4 Millionen Euro, elf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert