Würselen - Aixpertentheater zeigt „Frühere Verhältnisse“

Aixpertentheater zeigt „Frühere Verhältnisse“

Von: ehg
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Sehenswert: Peppi Amsel (Rebecca Sohn) und Landstreicher Muffl (Christoph Friedrich) sorgen für Verwechslungen, Verwirrungen und Täuschungen. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Dass der österreichische Dramatiker und Schauspieler Johann Nepumuk Nestroy mit Aristophanes, Shakespeares, Molière und Brecht in einem Atemzug genannt werden darf, dafür trat das Aixpertentheater jetzt einen überzeugenden Beweis an. In der Pfarrkirche St. Pius X. brachte es das Stück „Frühere Verhältnisse“, dessen Posse mit Gesang in einer Inszenierung von Georg Immelmann sowie mit der musikalischen Leitung und Begleitung am Klavier von Marie Therese Bihlmayer unterhaltsam und nachdenklich zugleich auf die Bühne.

In dem Stück begegneten die zahlreichen Zuschauer vier Menschen, jeder von ihnen mit einer scheinbar im Dunkeln liegenden Vergangenheit, eben mit einem „früheren Verhältnis“: Dem neureichen Holzhändler Scheitermann (gespielt von Michael Strack), der früher ein armer, kleinkrimineller Handlungsgehilfe war; dem ständig unter Alkoholeinfluss stehenden Landstreicher Muffl (Christoph Friedrich), ehemals wohlhabender, dann aber insolvent gegangener Geschäftsmann; Scheitermanns Frau Josephine (Astrid Kempen), die als Professorentochter aus gutem Hause kommt und das auch immer wieder betont; und schließlich der ehemaligen Schauspielerin Peppi Amsel (Rebecca Sohn), die sich nach einer gescheiterten Theaterkarriere jetzt als Köchin und Hausmädchen bewirbt.

Es war schon amüsant, wie alle vier versuchten, ihre Vergangenheit gegenüber den anderen zu verbergen oder zu leugnen. Es entstanden daraus verrückte und komische Szenen, voller Verwechslungen, Verwirrungen und Täuschungen. Die vier Akteure auf der Bühne durften sich darin so richtig ausleben, und taten das zum Spaß der Besucher auch mit mitreißender Leidenschaft.

Es war ein wahres Meisterstück, wie der Autor die Situationen und die Schicksale verknotete, um sie dann wieder mit viel List und Tücke zu entknoten. Da wunderte es die Zuschauer nicht, dass alle früheren Verhältnisse dabei ans Tageslicht kamen. Auch sie mussten sich bei allem Amüsement offen eingestehen, dass es schwierig ist, Gras über die Vergangenheit wachsen zu lassen.

Dennoch – sonst wäre es ja keine Komödie – ging am Ende des Nestroy-Stückes alles glücklich aus, was so nicht immer der Fall ist. Jeder Topf fand sozusagen seinen Deckel – und was für einen. Dafür dürfte es auch ausreichend Beispiele im eigenen privaten und vor allem im öffentlichen Bereich geben. Dazu lieferte der 1801 in Wien geborene und 1862 in Graz verstorbene weltberühmte österreichische Dramatiker nicht nur den einen Anstoß. Wie zu allen seinen anderen Stücken gehörte auch zu „Frühere Verhältnisse“ Musik, sogenannte „Couplets“, die zu Vorläufern und Vorbildern der „Wiener Operette“ und des modernen Musicals wurden.

Dass das Stück es wert war, auf die Bühne gebracht zu werden, daran ließen die begeisterten Zuschauer bei ihrem Schlussapplaus, womit sie auch die schauspielerischen Leistungen honorierten, keine Zweifel aufkommen. Gemeinsam mit den Akteuren stießen sie nach der Aufführung auf einen gelungenen Abend an.

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