Agatha Christies „Mausefalle” bei der Alsdorfer Lesebühne

Von: Elisa Zander
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Lesen in Höspielatmosphäre Agatha Christies Klassiker „Die Mausefalle”: Wolfgang Rosen, Stfan Horn und Isabella Archan (v.l.). Foto: Elisa Zander

Alsdorf. Die Pause war wieder eine passende Gelegenheit, Verdächtigungen auszusprechen. Eine hielt sich an diesem Abend damit jedoch zurück: Marita Lorenz. Sie hatte die „Mausefalle” von Agatha Christie schon vor einigen Jahren gelesen und wusste, wer hinter der Ermordung und der skurrilen Zitation des Kinderliedes „Drei blinde Mäuse” steckt. Einen Tipp gab sie nicht - das hätte die Spannung genommen.

Also hieß es, gespannt wieder auf den Stühlen im Fördermaschinenhaus des Energeticon Platz nehmen und der Darbietung der Alsdorfer Lesebühne zu lauschen. Dort brachte der Vorsitzende der Lesebühne, Wolfgang Rosen, gemeinsam mit Isabella Archan und Stfan Horn in Hörspielatmosphäre eine extra angefertigte Vorleseversion eines der bekanntesten Erzeugnisse der Krimiautorin zu Gehör.

Das Stück spielt im tiefverschneiten England, wo Mollie und Giles Davis gerade die Pension „Monkswell Manor” erstanden haben. Zu deren Eröffnung sind drei Gäste angekündigt: Der junge, etwas sonderbare Architekturstudent Christopher Wren, die gestrenge Mrs. Boyle, und der pensionierte Offizier Major Metcalf. Mr. Paravicini überschlägt sich in der Nacht mit seinem Auto in einer Schneewehe und findet ebenfalls in der Pension Unterschlupf. Am Tag zuvor wurde in London Maureen Lyon ermordet - an ihre Leiche wurde ein Zettel mit dem Kinderlied „Drei blinde Mäuse” geheftet mit dem Hinweis „Das war die Erste”.

Mit rauer, warmer Stimme

Es herrscht eine unwohle, gespannte Atmosphäre in der Pension. Insbesondere, als Mollie Davis einen Anruf von Superintendent Hogben erhält. Er und sein Kollege Sergeant Trotter haben einen Hinweis von Zeugen erhalten, aus dem die Pension „Monkswell Manor” als nächster Tatort hervorgeht. Nun soll Sergeant Trotter vor Ort den Mörder identifizieren.

Er deckt vor den Gästen die wahre Identität von Maureen Lyon auf: Sie hieß tatsächlich Maureen Gregg, und war erst kürzlich aus der Haft entlassen worden, weil sie während des Krieges auf der nahen Longridge Farm drei ihr anvertraute Kinder, die Geschwister Corrigan, misshandelt und ein Kind sogar fahrlässig hatte sterben lassen. Alle Gäste und das Ehepaar Davis geraten unter Verdacht. Trotter beschließt, das Verhalten aller Zeugen zum Zeitpunkt des Mordes mit vertauschten Rollen nachspielen zu lassen, um einer falschen Aussage auf die Spur zu kommen. Als sich alle auf ihre Ausgangspositionen begeben haben, findet sich plötzlich einer von ihnen allein mit dem Mörder in einem Raum wieder...

Die raue, warme Stimme, die Stfan Horn dem Erzähler und Major Metcalf leiht, ist im Wechsel mit Isabella Archan, die abwechslungsreich und ansprechend alle weiblichen Rollen liest, und Wolfgang Rosen, der den restlichen männlichen Charakteren eine Stimme leiht, ein hörenswerter Krimigenuss. Kombiniert mit eingespielten Geräuschen ergibt sich eine spannende Atmosphäre.

Seit vielen Jahren bietet die Alsdorfer Lesebühne die überarbeitete Version dar - die Lesung im Energeticon war die letzte des Stückes. „Es muss jetzt einfach mal etwas Neues her”, erklärt die stellvertretende Vorsitzende Anna Asmuth-Classen. Im Herbst soll „Die Schatzinsel” von Robert Louis Stevenson gelesen werden.

Wenn es nach den Vorstellungen der Lesebühnenmitglieder geht, sollen die Hintergrundgeräusche dann auch nicht mehr vom Band kommen, sondern „per Hand gemacht” werden. Zumindest in großen Häusern wäre die Umsetzung möglich.

Doch bis zum Ende der Mausefalle sind es noch einige Minuten. Mrs. Boyle ist zwischenzeitlich ermordet worden. Zuvor hatte sich herausgestellt, dass sie als Mitarbeiterin des Kriegsdienstes die drei Kinder der Familie Gregg zugewiesen hatte. Seit 1952 wird „Die Mausefalle” im Londoner „St. Martin´s Theatre” aufgeführt und ist das am längsten ununterbrochen aufgeführte Theaterstück der Welt. Nach jeder Aufführung werden die Zuschauer aufgefordert, die Auflösung nicht zu verraten. Auch die englische Presse hält sich an diesen Kodex. Das soll hier nicht anders sein...
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