AG Wurmtal übt Kritik an Baustellen

Von: fs
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Amphibien- und Reptilienschutz wird im Wurmtal durch Vandalismus immer wieder schwer gemacht. Foto: Georg Pinzek
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Das Wurmtal liegt ihnen am Herzen: (v.l.) der Vorsitzende der AG Wurmtal, Günter Kalinka, Vize-Vorsitzender Dr. Hans-Jürgen Weyer, Dr. Wolfgang Vorbrüggen und Ulrich Haese. Foto: Wolfgang Sevenich

Herzogenrath/Würselen. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft (AG) Wurmtal freuten sich bei ihrer Jahresversammlung über einen voll besetzten Saal im Pfarrheim St. Josef in Herzogenrath-Straß. Dr. Hans-Jürgen Weyer begrüßte dazu auch Vize-Bürgermeisterin Marie-Theres Sobczyk. Unter den Teilnehmern befand sich auch der für Eschweiler und Würselen zuständige Förster Marco Lacks.

Hans-Jürgen Weyer bezeichnete die AG als „die Augen und Ohren des Naturschutzgebietes Wurmtal. Wenn es die Arbeitsgemeinschaft nicht gäbe, wäre es heute wesentlich schlechter um das Naturschutzgebiet Wurmtal bestellt.“

Über die Arbeit der AG Wurmtal berichtete ausführlich deren Vorsitzender Günter Kalinka. Dabei hob er unter anderen den Amphibien- und Reptilienschutz hervor, an dem die Naturschützer aktiv beteiligt seien. „So wurden allein im Bereich der Herzogenrather Bergerstraße mehrere Tausend Exemplare davor gerettet, überfahren zu werden.

Und das, obwohl die Zäune, die verhindern sollen, dass die Tiere unkontrolliert die Straße überqueren, oftmals durch Vandalismus zerstört werden“, beklagte Kalinka. Erfreulich sei, dass immer noch einige der seltenen Tierarten im Wurmtal vorkommen, wie zum Beispiel der Grünfrosch, das Mauswiesel und der Eisvogel. Insgesamt gehe die Artenvielfalt jedoch zurück. So sei sogar das Kaninchen selten geworden. Kalinka: „Hierzu tragen die Einflüsse des Menschen, aber auch Krankheiten bei.“

Die AG Wurmtal betreue etliche Flächen im Naturschutzgebiet, was die ehrenamtlichen Helfer bei ihren Einsätzen im Gelände oft stark belaste. Die Arbeit mache aber auch Freude, wenn beispielsweise die aufgehängten Nistkästen genutzt würden. Heftige Kritik riefen die ständigen Baumaßnahmen im Naturschutzgebiet hervor, insbesondere auf dem Gebiet der Stadt Würselen, die darüber hinaus oftmals auf Nachfragen nicht reagiere.

Nach wie vor stehe der geplante Premiumradweg in der Kritik. Kalinka: „Die Bürgerbeteiligung wird von einigen Politikern wohl nur deshalb gelobt, weil sie so angelegt wurde, dass die ursprünglich vorgesehene Trasse voll beibehalten werden kann.“

Die AG Wurmtal stoße sich aber nach wie vor hauptsächlich daran, dass die Trasse direkt an der Bahnstrecke entlang führen solle, was ohne Eingriff in das Wurmtal nicht vorstellbar sei. Untersuchungen haben ergeben, dass auf den Flächen im Landschaftsschutzgebiet westlich der Bahnlinie oftmals besonders unter Schutz stehende Tierarten vorkommen, so zum Beispiel die Blindschleiche oder die Ringelnatter. Ein Antrag zur Ausweitung des Naturschutzgebietes laufe.

Wasserlinsen und Schmetterlinge

Einen Fachvortrag hielt Ulrich Haese. Der Stolberger Biologe stellte die verschiedenen Arten der Wasserlinsen vor, Pflanzen, die zu bestimmen Jahreszeiten stehende Gewässer mit einem grünen Teppich überziehen. Eine der Arten kommt in ganz NRW nur im Wurmtal vor. Zu den heimischen gesellen sich seit einiger Zeit amerikanische Arten. Diese gelangen über in den Abfluss geschüttetes Aquariumwasser in die Gewässer, da sie die üblichen Kläranlagen unbeschadet passieren.

Die Wasserlinsen sind die kleinsten Blütenpflanzen, die es gibt. Sie abzuschöpfen oder sonst wie vom Gewässer zu entfernen ist nahezu ausgeschlossen. Jedoch verschwinden sie rasch wieder, wenn das Nahrungsangebot im Gewässer aufgebraucht ist.

Besonderer Gast war an diesem Abend Dr. med. Wolfgang Vorbrügge aus Würselen, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen. Lepidoptera, übersetzt Schuppenflügler, sind Schmetterlinge, deren Vielfalt von Dr. Vorbrügge gekonnt und kenntnisreich dargelegt wurden. Landläufig wird zwischen Tag- und Nachtfalter unterschieden, wobei die Zahl der Nachtfalter die der Tagfalter bei weitem übertrifft.

Schmetterlinge brauchen zum Überleben offene Flächen, einen strukturierten Lebensraum und oftmals Brennnesseln. Die Schmetterlingsbestände gehen in Deutschland und auch im Wurmtal stark zurück. Der Grund hierfür liegt in der Landwirtschaft, im Flächenverbrauch, aber auch an Pflegemaßnahmen, die oftmals die Entwicklung von Schmetterlingen behindern. Hinzu kommen die Auswirkungen des Klimawandels.

Die AG Wurmtal trifft sich an jedem ersten Montag im Monat um 19.30 Uhr im Pfarrheim St. Josef (Josefstraße in Herzogenrath-Straß), wo Arbeitseinsätze besprochen und über den Fortgang der Arbeiten berichtet wird.

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