Äthiopischer Kaiserenkel referiert zur europäischen Kultur

Von: Lars Odenkirchen
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Herzogenrath. Es gibt viele Worte, die den Gast des Montagsgespräches im Pfarrzentrum St. Gertrud beschreiben könnten. Er ist eine kaiserliche Hoheit, ein engagierter Christ, ein Weltmann im besten Sinne des Wortes, ein Unternehmensberater, ein adliges Kind aus dem Hause Davids, ein äthiopischer Deutscher und ein deutscher Äthiopier.

Vor allem ist Dr. Asfa-Wossen Asserate aber eines: Ein interessanter Mensch, der vieles weiß und mit dem eine Diskussion lohnt. Dieser Meinung sind offenbar auch viele Herzogenrather, denn das HOT ist gut gefüllt. Asserate, ein Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers, spricht über den „interkulturellen Dialog im Zeitalter der Globalisierung”, er spricht ruhig, aber bestimmt, der Saal lauscht ihm aufmerksam.

Es sind interessante Thesen und Ideen, die Asfa-Wossen Asserate vorzubringen hat. Einen „Clash of Cultures”, einen Kampf der Kulturen, wie ihn der US-Politikexperte Samuel Huntington vor einigen Jahren prophezeite, sieht der Spross der Kaiserfamilie nicht auf die Welt zukommen.

Ganz im Gegenteil: Mehrfach betont er, dass Kulturen nie für sich alleine, sondern immer miteinander in Kontakt stehen und sich gegenseitig bereichern, nicht nur heute, sondern auch in der Vergangenheit.

„Reine, in sich geschlossene Einheiten, die sich aus sich heraus entwickeln, waren Kulturen nie.” Treffend illustriert Asserate solche Verflechtungen am Beispiel einer Erfindung, die heute in Europa nicht mehr wegzudenken ist: „Während selbst Ludwig XIV. noch mit den Fingern aß, gab es in Byzanz schon im 4. Jahrhundert Gabeln.”

Auch in der anschließenden Diskussion bleibt das Verhältnis von Kulturen, im Speziellen das zwischen dem Islam und dem Christentum, ein Thema. Der Gastgeber, Pfarrer Dr. Guido Rodheudt, meint etwa: „Ein Dialog mit dem Islam ist auch deswegen oft schwierig, weil viele Menschen heute selbst nicht mehr wissen, was sie glauben.”

Prinz Asserate stimmt dem zu: „Man kann kein religiöses Gespräch führen, wenn man selbst die Religion zur Seite legt.” Chancen sieht Asserate vor allem in der Verbundenheit der drei großen Religionen Christentum, Islam und Judentum, die sich alle drei auf das Alte Testament berufen.

Nicht bei der Diskussion vergessen will der gebürtige Äthiopier, der seit mehr als zwanzig Jahren auch deutscher Staatsbürger ist und in Frankfurt lebt, auch sein Heimatland. Eine gemeinsame Afrikapolitik Europas sei die einzige Chance, Korruption und Diktaturen auf dem Kontinent Herr zu werden.

„Viel Geld fließt in die Entwicklungshilfe”, meint Asserate, „doch den Afrikanern geht es schlechter als früher, nicht besser. Man muss sich fragen, warum. Afrika wird sterben, wenn wir nicht die so genannte Realpolitik abschaffen.” Man müsse „alles tun, damit diese Menschen kein reiches, aber ein menschenwürdiges Leben führen können”.

Für die Zukunft sieht Asserate keine „verwaschene Megagesellschaft”, sondern eine „Weltgesellschaft der Vielfalt”. Große Herausforderungen seien es, „keine Gleichmacherei sondern Chancengleichheit zu schaffen, Macht und Menschlichkeit zu vereinen”.

Lange noch reden Asfa-Wossen Asserate und die interessierten Zuhörer über die Themen, mal äußert sich breite Zustimmung, mal wird kritisch hinterfragt. Ob und wie denn die Visionen zu realisieren seien, will ein Zuschauer wissen. „Ich habe immer geschrieen”, meint Asserate darauf, „und ich werde nicht aufhören zu schreien.”
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