Ärger zwischen Krankenhaus und Stadt

Von: Karl Stüber
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Nicht glücklich über Vorgaben der Stadtverwaltung Würselen: MZ-Geschäftsführer René A. Bostelaar würde gerne am Standort Bardenberg schnell alte Gebäude wie das ausgediente Schwesternwohnheim (rechts im Hintergrund) abgerissen und diese und andere Flächen neu genutzt und überbaut sehen. Angesichts der angestrebten Neunutzung soll ein Parkhaus mit 1000 Stellplätzen errichtet werden. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Die „Spuren“ des Fests zur Fertigstellung des Blocks „C“ am Standort Marienhöhe des Medizinischen Zentrums Würselen (MZ) sind beseitigt, Musik und Festreden verklungen. Der 32 Meter hohe Neubau mit acht Etagen ist längst in Betrieb genommen.

Ein wichtiger Baustein des Masterplans 2018 ist gesetzt, der die ortsnahe medizinische Versorgung der Bevölkerung im Umfeld auf möglichst hohem Niveau sichern soll.

Und was ist mit dem Standort Bardenberg? Auch dort soll Moderne Einzug halten: Neben der neuen Lungenklinik, die mit der Thorax-Chirurgie kooperiert, wird dort in Zukunft eine neue Form der Palliativ-Versorgung im Verbund mit einer Schmerzklinik installiert, war beim Festakt erneut zu hören.

MZ-Geschäftsführer René A. Bostelaar konkretisiert auf Nachfrage unserer Zeitung die Planung an dem mit langer Geschichte und großer Tradition ausgestatteten „Knappschaftskrankenhaus“ in Bardenberg. So ist die Knappschaft Bahn-See neben der Städteregion Aachen zu gleichen Anteilen Gesellschafter des MZ und seiner beiden Standorte. Nun hat der Aufsichtsrat kürzlich beschlossen, eine Million Euro als Gesellschafterkredit der Knappschaft zur Modernisierung der Zimmer und Infrastruktur der Lungenklinik am Standort Bardenberg zu investieren, wie Bostelaar erläuterte. Zudem wurde die Absicht „abgesegnet“, Verkaufsrecht für eine Fläche am Standort Bardenberg an einen geeigneten Investor einzuräumen, wie der Geschäftsführer deutlich machte.

Das dadurch erwirtschaftete Geld – die Rede ist von bis zu drei Millionen Euro – ist in der Finanzierung des Masterplans 2018 fest eingeplant. „Damit verbunden ist das Bekenntnis der Gesellschafter, den Standort Bardenberg weiter zu entwickeln. Diesen Standort brauchen wird allein schon, weil wir die entsprechenden Flächen am Standort Marienhöhe gar nicht haben“, tritt der MZ-Geschäftsführer entschieden Gerüchten entgegen, dass der Standort Bardenberg ausblutet und aufgegeben werden soll.

Apotheke wird fortgeführt

Damit verbunden ist auch, dass die (Krankenhaus)-Apotheke in Eigenregie weiter betrieben wird und in den Räumlichkeiten der alten Physiotherapie untergebracht werden soll. Eine wichtige Botschaft auch für die entsprechend Beschäftigten. Letztlich ein Bekenntnis zur Wahrung der Qualität der Versorgung der Patienten und entsprechend individuell zusammengestellter Heilmittel.

Nicht so recht weiter kommt Bostelaar nach eigenem Bekunden mit dem Vorhaben eines niederländischen Investors, am Standort Bardenberg tätig zu werden. Dieser soll das Gebäude errichten, in dem sich dann das MZ mit einer neu konzipierten Schmerztherapeutischen beziehungsweise Palliativ-Klinik einmieten will. „Wir verkaufen nur das Grundstück. Der Investor setzt das Projekt um.“ Die Rede ist auch von einem speziellen Wohnprojekt für Menschen, die nicht mehr selbstständig atmen können, entsprechend unterstützt und betreut werden müssen. Hier stünden das MZ und der Interessent kurz vor einer Einigung.

Besagter Investor dränge. Als Knackpunkt ergebe sich aber, dass die Würselener Stadtverwaltung die Baugrenzen erneut reduziert habe. „Ich befürchte, dass das zu eng wird und ein Scheitern des Projekts droht“, sagte Bostelaar. „Die Stadt Würselen wollte ja, dass wir in Bardenberg weiter kommen. Jetzt haben wir so einen Interessenten und ein Vorhaben, und dann so etwas“, kann der MZ-Geschäftsführer nicht verstehen, dass die Kommune die Chancen, die sich städtebaulich und wirtschaftliche daraus ergeben, nicht erkennt und nutzt.

Noch ist nicht klar, ob die Städteregion definitiv den Plan aufgibt, das Amt für Altenpflege und vor allem ein Altenpflegeseminar am Standort Bardenberg anzusiedeln. Bekanntlich hat die Städteregion diese 15 Millionen Euro schwere Baumaßnahme in ihrem vor kurzem vorgelegten Strukturkonzept zur Disposition gestellt.

Schulprojekt auf der Kippe

Im Herbst soll entschieden werden, welche Sparvorschläge umgesetzt werden. Mindestens bis dahin geht auch die Hängepartie für das MZ am Standort Bardenberg weiter. Bostelaar kritisiert, dass die Stadtverwaltung Würselen bei Realisierung des Altenpflegeseminars und dem damit verbundenen Einpendeln von bis zu 700 Schülern und zusammen mit anderen Nutzungen auf die Einrichtung von 1000 (!) Parkplätzen poche. Hierfür müsste ein teures Parkhaus errichtet werden. Bostelaar hält das für völlig überzogen, zumal die Schüler ja nicht alle gleichzeitig dort unterrichtet werden würden. Bislang hätten die Gespräche nur mit der Verwaltung stattgefunden, auf politischer Ebene – etwa in Fachausschüssen des Stadtrates – nicht.

Auf Nachfrage erklärte der Chef der Verwaltung, Bürgermeister Arno Nelles, die im Rahmen von Bauvoranfragen üblichen Gespräche. Die Kritik an dem Aufzeigen von Baugrenzen und den Hinweis, wie viele Stellplätze notwendig werden würden, könne er jedoch nicht verstehen. Schließlich müsse die Verwaltung die Vorgaben des deutschen Baurechts einhalten. Die Berechnungen etwa für die Stellplätze beruhten auf den Daten des vom MZ beauftragten Fachbüros. Nelles bestätigte, dass noch gar nicht fest stehe, ob die Schule auch gebaut werde. Zudem werde wohl darüber nachgedacht, welche Schülerzahl überhaupt zugrunde gelegt werden soll. „Die Stadt Würselen will dem MZ bei der Weiterentwicklung keine Knüppel zwischen die Beine werfen“, betonte Nelles. Der Bürgermeister begrüßte ausdrücklich den vom MZ-Geschäftsführer Bostelaar unserer Zeitung gegenüber formulierten Vorschlag, sich an einen Tisch zu setzen und gemeinsam mit dem möglichen Investor alles durchzusprechen.

Übrigens: MZ-Geschäftsführer Bostelaar bestätigte, dass der langjährige Leiter der Klinik für Urologie und Kinderurologie, Prof. Dr. Thomas-Alexander Vögeli, gekündigt hat. Er soll wohl zu einer Uni-Klinik wechseln wollen. „Das zeigt, welche gute Arbeit hier in der Urologie des MZ geleistet wurde“, sagte Bostelaar. Zugleich sieht der Geschäftsführer die personelle Veränderung als Chance, die Urologie weiter zu entwickeln. Mit Blick auf die große Urologische Praxis Am Wasserturm am Standort Bardenberg und die bewährte Zusammenarbeit werde sich sicherlich ein hoch qualifizierter Nachfolger finden lassen.

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