Ärger um Rodungen im Broichbachtal

Von: Beatrix Oprée
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Abgesägt: Eine Garage für 20 Stellplätze soll hier entstehen, in Abstimmung mit der Unteren Landschaftsbehörde. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Für die einen waren es rechtzeitige Maßnahmen vor Beginn der Vogelbrutzeit, für die anderen ist es „erschreckend“: Die Rede ist von Rodungen nahe dem Stauweiher im Broichbachtal. Bis zu 20 seniorengerechte Wohnungen möchte ein privater Investor westlich des Restaurants „Seehof“ errichten.

Dieses Vorhaben ist soweit auch unumstritten. Doch eine entsprechende Anzahl an Stellplätzen muss ebenfalls gebaut werden. Eine Tiefgarage unter dem geplanten Wohnungskomplex jedoch ist aufgrund unzureichender Tragfähigkeit des Untergrunds und hohen Grundwasserständen nur mit unverhältnismäßig großem Aufwand zu realisieren.

So soll ins angrenzende Landschaftsschutzgebiet ausgewichen werden, auf eine in der Vergangenheit schon einmal als Parkraum genehmigte Fläche. Ein eingeschossiges Garagengebäude für 20 Stellplätze mit Holzfassade und Gründach ist vorgesehen. In Abstimmung mit der Unteren Landschaftsbehörde ist dazu ein „landschaftspflegerischer Begleitplan“ erstellt worden.

Vor der Neuoffenlage

Unlängst sind auf besagter, rund 500 Quadratmeter großen Fläche denn auch die Motorsägen angesetzt worden. Drei teils stattliche Bäume wurden niedergelegt, dazu reichlich Strauchwerk beseitigt.

Sehr zum Missfallen der Naturfreunde in Herzogenrath: Denn aufgrund von Änderungswünschen im Bebauungsplanverfahren sollen die Pläne nochmals öffentlich ausgelegt werden – mit der erneuten Möglichkeit zu Stellungnahmen. Ein Beschluss des Umwelt- und Planungsausschusses, auch mit Empfehlung an den Stadtrat.

Doch durch die Rodungen seien nun bereits „rücksichtslos Fakten“ geschaffen worden, urteilt Bruno Barth, SPD-Stadtverordneter und Vorsitzender der Naturfreunde Herzogenrath-Merkstein. Er fragt sich: „War das vorauseilender Gehorsam dem Investor gegenüber? Mit welcher Berechtigung?“

Auch Grünen-Fraktionschef Dr. Bernd Fasel sieht einen „Naturfrevel erster Ordnung“. Bisher seien Eingriffe in Landschaftsschutzgebiete generell tabu gewesen, „die große Koalition scheint das aber nicht so eng zu sehen“. Im jüngsten Umwelt- und Planungsausschuss hatten Grüne und Linke gegen den Abwägungsvorschlag im Nachgang der ersten öffentlichen Beteiligung votiert, SPD, CDU und FDP indes dafür.

Wohnbebauung unumstritten

Gegen die Wohnbebauung selbst, so betont Fasel, hätten die Grünen vom Grundsatz her gar nichts einzuwenden. Doch da im Fachausschuss der beantragten Splittung des Beschlussvorschlags, sprich einer separaten Abstimmung über die Garage im Landschaftsschutz, nicht stattgegeben worden sei, habe man folgerichtig das komplette Projekt ablehnen müssen. Fasel ruft zur Begründung in Erinnerung: „Als wir mit der CDU beziehungsweise später mit der SPD in der Mehrheit waren, war immer klar, dass Schutzgebiete nicht angetastet werden. Das scheint nicht mehr zu gelten.“ Er befürchtet: „Es fängt immer mit kleinen Schritten an, und so wird der Landschaftsschutz allmählich aufgeweicht.“

Fasel verweist auf einen seinerzeit vorgebrachten Alternativvorschlag, nämlich die benötigte Parkfläche auf der anderen Seite des „Seehofs“ unterzubringen, an einer Stelle, an der bereits Parkplätze bestehen. Hier seien auch keine verkehrlichen Konflikte mit der Feuerwehr programmiert: „Wenn man die Wahl hat, sollte man so etwas vermeiden. Möglichkeiten außerhalb des Landschaftsschutzes gibt es genug!“

Der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda sieht indes keinen Widerspruch zwischen der beschlossenen erneuten Auslegung des Bebauungsplans Erkensmühle/Broichbachtal und der bereits erfolgten Rodung: Zum einen habe sich eine breite Mehrheit für das Projekt ausgesprochen. Zudem berührten die Dinge, die die erneute Offenlage ausgelöst hätten, den Bereich der Parkfläche überhaupt nicht. Die vom Investor beantragten Fällgenehmigungen zu erteilen, sei daher völlig unstrittig. Migenda: „Spätestens bei Erteilung der Baugenehmigung hätten die Fällungen ohnehin genehmigt werden müssen.“ Eine Verzögerung wäre allenfalls eine Galgenfrist gewesen.

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