Ärger um Hygiene beim Waffelbacken

Von: Karl Stüber
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Trauriger Anblick: Nach Besuch des Amtes für Lebensmittelüberwachung der Städteregion und Kritik an Art und Weise des Waffelbackens hat der Förderverein der Kindertagesstätte St. Petrus und Paulus seinen Stand auf dem Weihnachtsmarkt in Bardenberg dicht gemacht. Foto: Karl Stüber

Würselen. Es läuft am Mittwoch zum Auftakt des Weihnachtsmarkts in Bardenberg gut an für die eifrigen Aktiven des Fördervereins der Kindertagesstätte St. Petrus und Paulus. Schon traditionell werden dort in der kleinen Verkaufsbude dieser Initiative Waffeln frisch gebacken – und diesmal erstmals auch Crêpes zubereitet.

Zudem wird Selbstgebasteltes angeboten. Der Erlös soll wie immer dem Kindergarten zugute kommen, um zum Beispiel Spielzeug anschaffen zu können.

Aber der erste Tag des Marktes soll auch der letzte für die engagierten Freiwilligen sein. Denn mit dem reibungslosen Ablauf ist es plötzlich vorbei. Eine Mitarbeiterin des Amtes für Lebensmittelüberwachung der Städteregion Aachen schaut vorbei und macht auf eine Reihe von Mängeln aufmerksam.

Wie betroffene Eltern gegenüber unserer Zeitung später berichten, werden zig Fotos geschossen, um die „Zustände“ zu dokumentieren. Die Kontrolleurin, so wird weiter berichtet, merkt unter anderem an, dass fließendes Wasser fehlt, um sich die Hände regelmäßig waschen zu können. Auch verfügen die dort tätigen Eltern nicht über notwendige Gesundheitszeugnisse.

Die klare Trennung von Kunden und in der Bude Arbeitenden ist nicht gegeben. Jacken und Taschen liegen herum. Die Styroporplatten am Boden, die gegen die Kälte schützen sollen, seien auch nicht zulässig und anderes mehr.

Übereinstimmend wird der Lokalredaktion berichtet, dass die Mitarbeiterin der Städteregion die Verkaufsbude nicht formal schließt bzw. den Betrieb untersagt. Allerdings sehen sich die Betroffenen des Fördervereins vor Ort nicht in der Lage, den Auflagen zeitnah nachzukommen – und machen selbst ihre Hütte dicht, auch aus Verärgerung und Unverständnis. Am Sonntag, den 20. November (Öffnungszeit von 18 bis 21 Uhr), endet der Markt in Bardenberg.

Entsprechend gehen Einnahmen zur Förderung der Kindertagesstätte verloren. Viel Vorarbeit und Zeitaufwand sind dahin, sagt unter anderem Ute Werr, Mitglied im Förderverein und Elternrat. Unverständlich ist für sie, dass bei ehrenamtlichen Initiativen offenbar dieselben strengen Maßstäbe angelegt werden wie bei Restaurants. „Wir achten doch darauf, dass alles frisch und sauber ist.“ Schließlich essen ja auch die Eltern und die Kinder von den frisch zubereiteten Waffeln und Crêpes.

Hinzu komme, dass sich die Mitarbeiterin des Amtes für Lebensmittelüberwachung entgegenkommend gezeigt habe. So soll im Verlaufe des Gesprächs wohl anstelle eines Handwaschbeckens dann doch auch ein Wassereimer möglich gewesen sein. Aus Sicht von Ute Werr wirft dies die Frage auf, ob es nun eindeutig einzuhaltende Vorgaben gibt, die es einzuhalten gilt, oder manches Ermessenssache bleibt, was aber nur zur Verunsicherung beitrage.

Sie sieht nun etliche andere vergleichbare ehrenamtliche Initiativen gefährdet, die bei Märkten, Volksfesten oder Basaren ebenfalls frisch zubereitete Speisen verkaufen, um den erzielten Erlös für gemeinnützige Zwecke einzusetzen.

Holger Benend von der Öffentlichkeitsarbeit der Städteregion Aachen bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung grundsätzlich den Vorgang. Nach Meldung durch das örtliche Ordnungsamt, dass ein solcher Markt stattfindet, würden Kollegen der Lebensmittelüberwachung nach dem Rechten schauen. „Wir sehen das auch als Beratung an“, betont er. Im konkreten Fall sei es unter anderem um die Verarbeitung von Eiern gegangen.

Man stelle sich vor, dabei wäre etwas schief gegangen und eine Reihe von Kinder wären von Salmonellen befallen worden. „Dann wäre das Geschrei groß gewesen“, sagt Benend. „Wir können da nicht einfach die Augen zudrücken, auch wenn solche Aktionen einem guten Zweck dienen. Meistens werden solche Hinweise dankbar angenommen und auch umgesetzt“, schildert Benend die Erfahrungen der Außendienstmitarbeiter der Lebensmittelüberwachung.

Augenmaß verlangt

Benend verweist auf einschlägige Infos, die von der Städteregion Aachen gerne bereitgestellt werden: die Broschüre  „Feste feiern! – Hygienischer Umgang mit Lebensmitteln auf Vereins- und Straßenfesten".

Würselens Bürgermeister Arno Nelles (SPD) sagt auf Nachfrage, er habe Verständnis für die wichtigen Belange des Gesundheitsschutzes. Allerdings mahnt der Bürgermeister Fingerspitzengefühl und Augenmaß an: „Man darf die Latte nicht so hoch legen, dass ehrenamtliche Tätigkeit ihre Grundlage verliert.“ So habe er bereits Kontakt mit dem bei der Städteregion für Lebensmittelüberwachung zuständigen Dezernenten aufgenommen. Man will sehen.

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