Älteste Karnevalstruppe Baesweilers hat Grund zu feiern

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Schon 1961 machten die Schörjer mächtig Stimmung am Kirchplatz. Foto: und Repro: Sigi Malinowski
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Begehrt sind die handgefertigten Orden, an denen auch Schörjervater Willi Katzenberger lange mitbastelte. Foto: Sigi Malinowski
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Bis heute aufregend: Die Schörjer (Bild oben) mit Norbert Hilger und Stefan Latten (stehend l.) sowie Willi Katzenberger (stehend r.) und dessen Enkel Pascal Krohn. In „Rente“ ist der frühere Rennleiter Heinz Clahsen (ganz r.).

Baesweiler. Vor ihm liegt ein Sammelsurium aus Zeitungsausschnitten, Bildern und Aufzeichnungen. Eigentlich braucht Willi Katzenberger das alles nicht. Denn die personifizierte Schörjer-Legende hat ein exzellentes Gedächtnis. Immerhin schon im 85. Lebensjahr bekommt er mit erstaunlicher Leichtigkeit alles chronologisch sortiert. Katzenberger schildert die Geschichte der „Renngemeinschaft de Schörjer“.

Es ist nicht die größte, aber die älteste Karnevalsgesellschaft im Stadtgebiet. Vieles, was im Baesweiler Karneval etabliert ist, entstammt Ideen der Schörjer. Katzenberger, „ne Aue Bosswiller“, war von Anfang an dabei. 1960 gründete sich die RG. „Begonnen hat alles auf der Kull“, erzählt Katzenbergers Will. Männer wie Hans Völl, Walter Jany oder Walter Ratzwill und Ingo Schäfer wurden Mitstreiter. Dazu kamen Willi Herzog, Hans Juchems, Josef Mertens oder Willi Königstein.

Das ganze Dorf war dabei

Aber es sollte nicht einfach „nur“ Karneval sein – die Schörjer mit ihrem ersten Vorsitzenden Walter Ratzwill suchten nach der besonderen Note: in Form von Schubkarrenrennen. Zunächst durchrannten die wackeren Männer, einer schob, der andere saß in der „Schörjskarr“, das ganze Dorf. Drei Jahre lang. Dann entschied man sich für eine kürzere Distanz, beginnend am Alten Brauhaus. „Das war ein Spektakel, wie man es nicht mehr findet“, schwingt Stolz in der Stimme Katzenbergers mit. Die Baesweiler schauten fast geschlossen zu, als der Rennleiter den lustigen Parcours eröffnete. Es folgte die erste Schörjer-Sitzung, damals im Hause Krichel an der Ecke Kirchstraße/In der Schaaf. In der „Alten Schmiede“ feierten die Schörjer ihr „Rennstallfest“ und zogen wieder ganz Baesweiler in ihren Bann. „Wir haben damals schon gesungen und Büttenreden gehalten“, fällt Katzenberger sogar noch der Eintrittspreis ein: „1,11 Mark haben wir gefragt – uns ging es nie ums Geld.“

Erstes Männerballett

1970 nahm man erstmals am Karnevalszug teil. In dieser Zeit kamen die Schörjer an ihre Grenzen. „Schörjer Grand Prix, Sitzungen und Schubkarrenrennen – das wurde uns zu viel“, gesteht Katzenberger. Also fiel der Schwerpunkt auf die Sitzungen. Prompt war das erste Männerballett im ehemaligen Kreis Aachen geboren. Da wirbelten dann Peter Baumann, Peter Schmidt, Willy und Schäng Klosky oder Herbert Krantz mit einem Can Can über die Bühne. Bekanntheitsgrad über die Region hinaus erlangte Schörjer Gerhard Gerards. Zwischenzeitlich in den Saal Jorias (bei „Leähme“) umgezogen, schmetterte Gerards seinen Karnevals-Superhit „Mamm, wo is ming Pappnas ...“ und wurde dazu von Willi Braun am „Quetschbüggel“ begleitet.

„Der Text entstammt der Feder von Ingo Schäfer“, weiß Katzenberger noch. „Wir haben pro Session zwei Sitzungen ausgerichtet, die waren proppevoll“, bekommt er auch 40 Jahre später feuchte Augen. Mit einem weiteren exklusiven „Event“ machten die Schörjer auf sich aufmerksam: Das Heringswettessen wurde im späteren Hauptquartier der Schörjer, der „Weindiele“ an der Maarstraße, etabliert. „Wir sind extra nach Aachen gefahren und haben 350 Heringe gekauft“, schmunzelt Katzenberger.

Diese Köstlichkeit wurde von Gertrud Katzenberger zubereitet. Erster Heringsbändiger war Fritz Kischke, der 17 Fische in 30 Minuten verspeiste. Ganz scharf sind die Narren auf Schör-jerorden, allesamt handgefertigt. Katzenberger: „Wir haben zum Teil Stadtmotive darauf gebastelt.“ So haben diese Orden einen hohen individuellen Wert. Über 30 Jahre hat Katzenberger die Renngemeinschaft geführt, bis er die Leitung an Manfred Mahr, den aktuellen Präsidenten abgab. Mahr und seine Gesellschaft haben nicht mehr das Mitgliedsaufkommen wie in den 60-er bis 80-er Jahren.

Aber der kleine Haufen Individualisten wird so geschätzt wie einst. Das liegt auch an der hohen Qualität, die von der Tanzgruppe unter Leitung von Pascal Krohn vermittelt wird. Ein Höhepunkt des Baesweiler Karnevals ist der Schörjer-Ball Karnevalssonntag nach dem Zug. Eine eingeschworene Gemeinschaft zeigt modernen Karneval und hält die Türen auf. „Wir können immer neue Mitglieder brauchen“, sagt Krohn. Der Cheftänzer wirbt dazu mit der „tollen Gemeinschaft, die wir haben“.

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