Abwrackprämie: Allmählich gehen die Kleinwagen aus

Von: Lars Odenkirchen
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Alle Hände voll zu tun: Auf dem Gelände der zwischen Würselen und Aachen gelegenen Aachener Autorecycling GmbH treffen an manchen Tagen mehr als 30 Autos ein. Foto: Lars Odenkirchen

Nordkreis. Ist es nur eine teure Seifenblase oder tatsächlich der erhoffte Konjunkturmotor? Die Autohändler im Nordkreis sind da noch uneins, doch eines ist sicher: Momentan boomt der Markt. „Die Leute laufen mir die Bude ein” berichtet etwa Ralf Rudolf vom Alsdorfer Autohaus Hamacher.

Seine Kollegen aus den anderen Nordkreisstädten stimmen mit ein. „Die Abwrackprämie belebt den Markt”, urteilt der Würselener Händler Matthias Stevens.

Mario Kühne aus Baesweiler bekommt „überdurchschnittlich viele Anfragen.” Auch das Autohaus Thüllen in Merkstein sieht eine „Belebung des Marktes” und „deutliche Mehrverkäufe in der Gruppe in der vergangenen Woche”, wie Ralf Ulrich Seeger, Geschäftsführer der Merksteiner Niederlassung, berichtet.

Dass die starke Mehrnachfrage gerade in den sonst umsatzschwachen Januar fällt, zeigt dabei wohl nur umso mehr, welche Kauflust die Prämie geweckt hat.

Gefragt sind dabei nicht alle Autos, wie der Alsdorfer Händler Mike Lenzen berichtet: „Die Kunden wollen jetzt die Modelle mit wenig Verbrauch und kleinen Motoren, die nicht viel mehr als 10.000 Euro kosten.

Die Situation hat sich ein bisschen gedreht: Autos mit Minimalausstattung, die bisher nie gelaufen sind, sind jetzt auf einmal beliebt.”

Insofern wird die Abwrackprämie ihrem offiziellen Namen „Umweltprämie” also gerecht, wie auch Mario Kühne bestätigt: „Es sind vor allem die Kleinwagen mit wenig CO2-Austoss, die von den Kunden gewollt sind.” Teilweise stellt dies die Händler jetzt schon vor Probleme: Wegen des schwachen Absatzes hatten die Hersteller ihre Produktion gedrosselt, so dass viele Marken kaum noch Klein- und Kleinstwagen liefern können. „Ich hätte drei mal mehr Autos verkaufen können”, meint Lenzen, „aber die kleinen Peugeot und Citroen Modelle sind momentan fast alle vergriffen.

Selbst der Jahreswagenpool ist leer.” Betroffen sind davon auch viele anderen Hersteller: Opel etwa ziehe Kleinwagen aus ganz Europa momentan zusammen und bringe sie nach Deutschland, wie Seeger berichtet. Stark motorisierte Fahrzeuge seien hingegen weiter überall verfügbar, aber kaum gefragt, meinen die Händler.

Seit dem vergangenen Dienstag ist nun auch der genaue Ablauf des Verfahrens klar. Ein Antrag muss zusammen mit den Belegen für den Kauf des neuen und die Verschrottung des alten Wagens an das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle geschickt werden.

Die Händler verfahren dabei unterschiedlich: Einige Autohäuser übernehmen die Abwicklung für ihre Kunden, während andere sogar die Prämie vorfinanzieren.

Nicht ganz ohne Risiko, denn zunächst stehen 1,5 Milliarden Euro für die Auszahlung der Abwrackprämie zur Verfügung - was passiert, wenn diese verbraucht sind, ist noch unklar.

„Die Mittelverteilung erfolgt nach der Reihenfolge des Eingangs der vollständigen Anträge” teilt das Amt auf seiner Webseite mit. Auch wie lange die Bearbeitung des Antrags dauert, ist noch unklar, vor März wird es aber vermutlich keine Auszahlungen geben.

Einige Banken unterstützen die Händler jedoch, wie diese berichten: So manche Hausbank böte an, die Prämie kostengünstig oder gar kostenlos vorzufinanzieren.

Die Finanzierung bleibt ohnehin ein heikles Thema. „Die Ideen mancher Kunden sind schon abenteuerlich”, meint Mike Lenzen, „manch einer möchte die 2500 Euro zur Finanzierung der ersten Leasingraten nutzen.

Was danach kommt, darüber wird nicht nachgedacht. Da muss man die Kunden dann auch schützen, damit sich niemand überschuldet.” Ohnehin sind die Spielräume der Händler eingeschränkt.

„Die Handelsspanne ist teilweise verschwindend gering. Die Kunden fragen oft noch nach Extrarabatten, dabei reicht das, was wir am Auto verdienen, kaum um den Wagen zu reinigen, anzumelden und mit Nummernschildern zu versehen”, erklärt Stevens.

Trotz der erhöhten Nachfrage sei der Verdienst pro verkauftem Auto also gering. Dabei sei „guter Service gerade für die kleinen Autohäuser die einzige Möglichkeit, sich überhaupt am Markt zu halten.”

Sorgen bereiten einigen Händlern auch die Zukunftsaussichten nach dem ersten Ansturm. „Der Zulauf ist groß, aber meiner Meinung nach vorgezogen.

Im zweiten Halbjahr wird der Einbruch umso stärker”, schätzt der Würselener Händler Hasso Lenz den Markt ein. Ralf Rudolf teilt seine Einschätzung: „Ende des Jahres stehen wir wieder da, wo wir waren. Die Prämie ist gut, löst aber alleine keine Wirtschaftskrise. Alles auf einen Punkt zu konzentrieren bringt nichts.” Auch Stevens meint: „Das Paket ist gut, aber ein Strohfeuer.”

Ihre Kollegen schätzen die Lage jedoch anders ein. „Kunden mit alten Autos könnten es nicht besser haben. Viele sind erst durch die Prämie motiviert”, mein Mario Kühne. Auch Seeger urteilt: „60 bis 70 Prozent der Kunden hätten ohne die Prämie vielleicht dieses Jahr überhaupt kein neues Auto gekauft.

Die Nachfrage wird erst durch sie geschaffen.” Auch für den Staat sieht er nicht nur Nachteile: „Es ist ja nicht so, dass die 1,5 Milliarden komplett weg sind.

Durch jeden verkauften Wagen kommen ja auch wieder Steuern rein.” Aus Sicht des Alsdorfers Mike Lenzen wird ohnehin zu vieles schwarz gemalt: „Der Einbruch kommt denke ich nicht. Man müsste die ganze Situation viel positiver sehen, sonst redet man die Krise selbst herbei. Von der ursprünglichen Finanzkrise war Otto-Normalverbraucher ja eigentlich gar nicht betroffen, da ging es ja hauptsächlich um Spekulanten. In den Zeitungen und im Fernsehen wird aber oft so ein negatives Bild von der Zukunft gemacht, dass die Menschen verunsichert werden und lieber auf dem Geld hocken, erst dadurch leidet die Wirtschaft. Wenn heute 10 Menschen entlassen und an anderer Stelle 600 Arbeitsplätze geschaffen werden, landen trotzdem die Entlassungen auf der Titelseite. Dabei müsste man einfach mal das Positive in den Vordergrund stellen - man sieht ja an dem Andrang jetzt, dass das Geld noch da ist. Die Menschen trauen sich nur nicht, es auszugeben.”

So unterschiedlich also auch die Einschätzungen der Zukunftsaussichten sind: Zumindest für den Moment profitiert die Autobranche im hohen Maße.

So mancher wünscht sich da, dass nach den 1,5 Milliarden noch nicht Schluss ist. „Insgesamt ist es ein gelungenes Paket”, urteilt Ralf-Ulrich Seeger, „das könnte man ruhig im nächsten Jahr wieder auflegen. Dann vielleicht im Februar, denn zu Karneval sackt die Nachfrage auch immer ab.”

Weniger amüsant würden dies wohl vor allem Fahranfänger und Menschen mit beschränkten Geldmitteln finden - sie könnten bei der Fahrzeugsuche Probleme bekommen, denn viele der bisher günstig zu erstehenden alten Gebrauchtfahrzeuge landen nun auf dem Schrottplatz.
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