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Abwasserrohre werden im „Inliner-Verfahren“ ausgekleidet

Von: Elisa Zander
Letzte Aktualisierung:
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Aufwendige Geräte und Gerüste: Bevor der Kunststoffschlauch im „Inliner-Verfahren“ in den vorhandenen Kanal gestülpt wird, müssen die Arbeiter viele Maßnahmen treffen.
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Hier geht es am Montag weiter: An der Kreuzung B 57/Im Broichbachtal wird der zweite Teil des Inliners verlegt.

Alsdorf. Seit einigen Tagen ist die Rechtsabbiegerspur auf der Bundesstraße 57 in Höhe des Tierparks in Richtung Ofden gesperrt. Viel Stau gibt es allerdings nicht. Und das, obwohl tausende Autos täglich über diesen Abschnitt der Bundesstraße fahren. Denn die zu erledigenden Arbeiten halten sich – zumindest die an der Oberfläche und die somit für die Autofahrer und Passanten zu sehen sind – in Grenzen.

Grund für die Baustelle: Der Hauptkanal zur Kläranlage Broichtal wird saniert. Zwischen 30 und 50 Prozent des Alsdorfer Abwassers, etwa aus Duffesheide, Reiffeld, Teilen von Mitte und anderen Stadtteilbereichen, fließen durch dieses eine, sehr große Rohr, schätzt Mareike Wenn vom Tiefbauamt Alsdorf, Eigenbetrieb Technische Dienste (ETD). Der Kanal, der an der kleinsten Stelle (Kreuzungsbereich Theodor-Seipp-Straße) 80 Zentimeter misst, entwickelt sich im Verlauf zu einem eiförmigen Rohr, das 90 Zentimeter breit und 1,35 Meter hoch ist.

Der Zahn der Zeit hat an dem Rohr genagt und nun wird der Kanal in geschlossener Bauweise saniert. Ein mit Harz getränkter Gewebeschlauch, ein so genannter „Inliner“, wird in das vorhandene Rohr eingestülpt. Unter Wärme härtet dieser aus und schmiegt sich an das vorhandene Rohr an. So entsteht ein neues Rohr in dem alten Kanal, ohne dass dieser entfernt werden muss.

Um die Aushärtung zu beschleunigen, wird der Schlauch mit warmem Wasser gespült. Der Prozess durch die Umgebungsluft würde „deutlich länger dauern“, sagt Wenn. Tausende Liter Wasser wurden schließlich zum Aushärten in den Kunststoffschlauch gepumpt, die am Donnerstag wieder abgelassen wurden. Dazu hatte man den Inliner am Ende aufgeschnitten.

Der Aushärtungsprozess wird ständig von Arbeitern kontrolliert – auch nachts – um den regelmäßigen Fortschritt zu gewährleisten. Am Ende des Inliners wird stetig Luft abgesaugt, um das Verfahren konstant zu halten. Auch dies wird stetig überprüft.

Und eben weil der Gewebeschlauch durch Wärme aushärtet, musste der Transport wohl gut überlegt sein. Schließlich ist gerade die biegsame Konsistenz des Schlauchs maßgeblich für das Verfahren. Um diesen zu garantieren, griffen die Verantwortlichen zu einer besonderen Maßnahme: Der Kunststoffschlauch kam eingepackt in Tonnen von Schnee und Eis aus Süddeutschland mit einem 40-Tonner nach Alsdorf.

Als er am Dienstag in den vorbereiteten Kanal gestülpt wurde, fiel etwas von der kalten Masse auf die Fahrbahn. „So haben wir zumindest etwas Schnee in Alsdorf“, sagt Mareike Wenn lachend. Auch wenn der kleine, weiße Haufen vor dem Gerüst langsam aber sicher schmilzt.

Erste 350 Meter verlegt

„Eine offene Bauweise wäre theoretisch möglich gewesen. Dazu hätte jedoch die B 57 voll gesperrt werden müssen“, sagt Wenn. Außerdem hätte dies Wochen bis Monate in Anspruch genommen. Also war die offene Bauweise „keine Option“ für den ETD.

Am Dienstag ist der erste Inliner von der Kreuzung B57/Theodor-Seipp-Straße bis zur „Elektroscheune“ eingezogen worden. Das 350 Meter lange Rohrleitungssystem war zuvor gespült und gereinigt worden.

Während der Kanalarbeiten wird das Abwasser aus den Alsdorfer Haushalten über extra angelegte Rohrleitungen, die teilweise entlang und in einer Rohrbrücke über die Theodor-Seipp-Straße führen, und in Schläuchen in den Tierpark geleitet. Dort fließt das Wasser in einen anderen Kanal, der ebenfalls in der Kläranlage Broichtal mündet.

Baustelle rutscht ein Stück weiter

Spätestens am Montag wird die Baustelle an der Ecke in Richtung Tierpark wieder abgebaut – um im Broichtal wieder aufgebaut zu werden. Schon im Dezember vergangenen Jahres waren im Kreuzungsbereich Kanalarbeiten vorgenommen worden. Sie waren Teil der nun laufenden Maßnahme. Denn in diesem Bereich verläuft der Kanal unterhalb der Halde quer und kann dadurch nicht mit einem Inliner saniert werden.

Hier wurde das Rohr teilweise um- und schließlich ein neues Kanalrohr verlegt. Die Abschlussarbeiten laufen derzeit noch. Die restlichen Meter bis zur Kläranlage werden in den kommenden zwei Wochen mit Inlinern ausgekleidet. Die Arbeiten beginnen am Montag. Die bisherigen Gerätschaften werden dort neu aufgebaut. Am Dienstag soll der zweite Inliner eingezogen werden. Eine offene Bauweise wäre auch hier nicht möglich gewesen, da es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handelt und dort schonendere Methoden mit Rücksicht auf die Umgebung zu nutzen sind. Insgesamt belaufen sich die Baukosten auf rund 950.000 Euro und werden von der Stadt getragen.

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