Würselen - abi-online: Neben dem Beruf am Computer pauken

abi-online: Neben dem Beruf am Computer pauken

Von: Claudia Wein-Hilgers
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Das stresst: Nach Arbeit und Familie drücken Susanne Egert (l.) und Sarah Delhey (M.) die Schulbank. Neben Präsenzunterricht am Euregio-Kolleg in Würselen muss auch zu Hause am PC gepaukt werden, um das Ziel Abitur 2016 zu erreichen. Foto: Holger Bubel

Würselen. Ein paar Jährchen liegen zwischen ihnen, entsprechend auch einiges an Lebenserfahrung, aber ihr Ziel ist dennoch das gleiche: das Abitur zu erlangen. Die 43-jährige Susanne Egert und die 28-jährige Sarah Delhey haben zu Beginn dieses Halbjahres am Euregio-Kolleg in Würselen den ersten Schritt hin zu diesem hohen Ziel gemacht.

Sie sind zwei von 20 abitur-online-Schülern, die gemeinsam die Schulbank drücken. Von zu Hause aus müssen sie das geforderte Lernpensum am Rechner erfüllen – neben ihren täglichen, unterschiedlichen Pflichten, beruflich oder familiär.

Aus ganz unterschiedlichen Motivationen heraus und unter ganz anderen Voraussetzungen hat es die beiden Frauen ans Kolleg in Würselen geführt. Susanne Egert ist Mutter von fünf Kindern, der Älteste hat gerade das Abi gebaut: „Mit einem Durchschnitt von 1,7. Darauf bin ich stolz – aber für mich hängt die Messlatte natürlich jetzt sehr hoch.“

Susanne Egert denkt an die Zukunft, ihre Zukunft: „Wenn die Kinder aus dem Haus sind, wird das ein neuer Lebensabschnitt. Den will ich offensiv nutzen, mit dem Abi und einem anschließenden Studium.“ Sozialpädagogik soll es sein.

Das Fernziel der engagierten Fünffachmutter: als Streetworkerin arbeiten. Dafür nimmt sie einiges auf sich, denn die Oberstufe von abi-online hat es für die mitten im Leben stehenden Schüler in sich. Neben Präsenzunterricht – zweimal wöchentlich insgesamt zehn Stunden am Abend im Euregio-Kolleg – ist eine Menge PC-Arbeit zu Hause gefordert – und Klausuren stehen wie in den Regelschulen zum Erreichen der Allgemeinen Hochschulreife ebenfalls an.

„Wir Lehrer haben großen Respekt vor den Leistungen derer, die es bis zum Abi schaffen“, sagt denn auch Kolleg-Lehrerin Claudia Wein-Hilgers.

Sarah Delhey will auf jeden Fall auch zu diesem erlesenen Kreis gehören. Die 28-Jährige ist Bäckereifachverkäuferin. Der Job macht ihr Spaß. Eben darum ist sie auch „hängengeblieben zwischen Brötchen und Brot“. Eigentlich hat sie bereits einen Abschluss an der Höheren Handelsschule gemacht, ist staatlich geprüfte Assistentin in Betriebswirtschaft. „Aber ich wollte immer schon das Abi machen. Jetzt bin ich durch meine Arbeit finanziell unabhängig und mache es einfach.“ Auch sie will studieren, Ernährungswissenschaften sollen es sein.

Nicht alle halten durch

Dass nicht immer alle ans Ziel kommen, das zeigen bereits die ersten Wochen des noch jungen Semesters: Fünf Schüler sind bereits abgesprungen. Beruf und Schule unter einen Hut zu bringen, ist halt doch nicht so einfach: „Wer sich aber dann die Zeit richtig einteilt, der bekommt es auch hin“, weiß Marin Sayer, Leiter des Euregio- Kollegs.

Neben dieser Umstellung ist natürlich auch der Lernstoff eine Herausforderung: „Bei manchen Aufgaben weiß man nicht, ob es sich tatsächlich um Mathematik handelt oder um Deutsch“, musste Susanne Egert erkennen. Da hilft es auch nicht gerade, wenn ihre drei ältesten Kinder ihr Tipps geben wollen. „Die scheuch‘ ich dann weg. Ich will das ohne deren Hilfe schaffen.“ Und: „Wir rocken das“, ist die Meinung beider Frauen. Durchbeißen wollen sie sich bis 2016 – dann gibt es die Abi-Feier.

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