8. Alsdorfer Stadtgespräch: Leerstand in der Stadt hat viele Ursachen

Von: Holger Bubel
Letzte Aktualisierung:
Was muss getan werden? Moderat
Was muss getan werden? Moderator Peter Steingass (v.l.) analysierte mit Bürgermeister Alfred Sonders, Optikerin Petra Grützmacher, Schuhhändler Josef Back, Corinna Küppers von der BBE Handelsberatung und Dr. Axel Thomas, Geschäftsführer IGA und Wirtschaftsförderunggsgesellschaft, die Situation in Alsdorf. Die Kommunen in der Nachbarschaft haben ähnliche Probleme. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Leerstände von Ladenlokalen in einer sich immer noch im Strukturwandel befindlichen Stadt wie Alsdorf sind nicht nur, aber auch ein Problem. Ursachenforschung und Lösungsansätze zu dieser Problematik betrieb beim 8. Alsdorfer Stadtgespräch eine Runde aus Fachleuten und von Leerständen Betroffene im Seminarraum der Alsdorfer Stadthalle.

„Verkaufsflächen sind ungenutzt und kein Aushängeschild für den Standort. Kaufkraft fließt womöglich in andere Standorte. Warum ist das so, und wie ist das Problem zu beheben?”, leitete Karl Stüber ein, Redakteur dieser Zeitung und gemeinsam mit Peter Steingass, Vorsitzender des Stadtmarketing-Vereins, Moderator der Abendveranstaltung.

Sinkende Steuereinkommen

Mit einem Initialvortrag über Ursache und Wirkung von Leerständen in den Innenstädten - solche gibt es nämlich auch bei Alsdorfs Nachbarn, den Städten Baesweiler, Herzogenrath und Würselen - versuchte Dr. Axel Thomas, IGA-Geschäftsführer und Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Städteregion Aachen, einen Erklärungsansatz: „Bei einem Umsatzrückgang, der zu Beginn eines Strukturwandels wie hier in Alsdorf einsetzen kann, ziehen sich auch die Unternehmer zurück. Dies führt für die Kommune zu sinkenden Steuereinkommen, was wiederum zu sinkenden Investitionen im öffentlichen Raum führt.” Dies habe zur Folge, dass dieser noch mehr an Attraktivität verliere und weitere Umsatzrückgänge für die Händler zu verzeichnen seien. Es komme zu Geschäftsschließungen und Leerständen, und dadurch bedingt zu einem ausgedünnten Branchenmix in der Innenstadt.

Weitere Faktoren seien nach Erkenntnissen des Fachmannes der Bedarf neuer Flächenformate, nämlich die Vergrößerung von Verkaufsflächen, oder die Nachfolgefindung für das eigene Geschäft. „Abwanderung, fehlendes Image und fehlende Kaufkraft sowie unterbrochene Laufwege beim Einkauf sind mit ursächlich für weitere Leerstände”, erklärte Dr. Thomas.

Besonders die unterbrochenen Laufwege seien in Alsdorf ein Problem, das geografisch bedingt sei: „Das Kaufland am Annapark ist ein Publikumsmagnet, doch die Strahlkraft ist durch die Euregiobahn und deren notwendige Infrastruktur wie Gleise oder Bahnsteige in dieser Richtung begrenzt.” Da die spezifische Zielgruppe dieses Anbieters eine preisorientierte Kundenklientel sei und sich am Handel mit gleichem preislichen Angebot orientiere, müsse es gelten, weitere Zielpunkte in Alsdorf zu schaffen, etwa auf dem Gebiet hinter der Bahnhofstraße, so dass Käufer eingeladen seien, „eine kleine Runde zu drehen”.

Die Bedeutung des Kauflandes als „wichtiger, preisaggressiver Vollsortimenter”, der nicht nur eine „preissensible Gruppe” anspreche, betonte auch Corinna Küppers, Projektleiterin der BBE Handelsberatung GmbH für Alsdorf und Baesweiler: „Das Kaufland schafft eine Grundfrequenz, es fehlt aber ein Gegenpol für eine interessante Flaniermeile, wie es die Bahnhofstraße sein könnte.

Die Entwicklung in Alsdorf mit dem Kaufland, führte die Projektleiterin weiter aus, sei wichtig und richtig gewesen. Sie hat festgestellt: „Die Kunden erwarten ein anderes Angebotsverfahren als noch vor 20 Jahren. Eine großzügige Präsentation, Einkaufswelten erwartet der Kunde.” Diese Bedürfnisse müssten befriedigt werden. Die Alsdorfer Aktionsgemeinschaft könne da ein wichtiger Faktor sein. Dazu müsse sie eine „Stadtmarke” kreieren und städtische Events im Verein mit den Behörden platzieren sowie innere Kooperationsnetzwerke schaffen.

Josef Back, langjähriger Schuhgeschäftbetreiber im oberen Stadtzentrum, hat nach eigenen Worten „den Niedergang der Stadt” miterlebt. Als Filialist auch in anderen Städten sieht er etwa die Existenz des Kauflandes und die Entwicklung am Annapark mit seiner Strahlkraft skeptisch. „Die reicht nicht bis zu uns. Kaufland schöpft die Kaufkraft von 50 Millionen Euro zum größten Teil ab”, sagte Back. Eine mangelnde Frequenz in der Oberstadt sieht er im Überangebot im Schatten des Förderturms. Etwa auch dadurch bedingt, dass der Wochenmarkt nicht am attraktiven Standort Denkmalplatz, sondern eben dort unten angesiedelt worden sei.

Optimistisch in Sachen Behebung der Leerstände durch den und mit dem Einzelhandel zeigte sich Bürgermeister Alfred Sonders. Zwar werde etwa die Luisenpassage, die jahrelang durch Leerstände im Stadtbild auffiel, auch zukünftig nicht durch Gewerbetreibende belebt, doch rege schon bald Abbba (Alsdorfer Bildungs-, Beratungs-, und Begleitungsangebote) im Rahmen des Projekts Soziale Stadt mit ihren Angeboten die „Dienstleistungsachse” von Rathaus bis zum „kleinen Bankenviertel” an. „Auch das Rathauscenter wird von einer gefüllten Luisenpassage profitieren”, ist sich Bürgermeister Sonders sicher.

Angebot vergrößern

Beim Einzelhandel sieht er die Chance, durch Schaffung eines größeren Angebots kaufkräftige Kundschaft nach Alsdorf zu holen. „Dazu müssen wir Flächen schaffen für ein größeres Einzelhandelsangebot. Wir haben ja wegen unserer im Nordkreis einmaligen Kultur- und Freizeitmöglichkeiten über eine halbe Million Besucher in Alsdorf. Die müssen wir dazu bewegen, auch zum Einkaufen nach Alsdorf zu kommen.” Und: „Auch die Vermieter von innerstädtischen Immobilien müssen sich bewegen. Vorinvestitionen in Immobilien schaffen Anreize für potenzielle Mieter - Kaufleute und Händler”, appellierte Sonders, etwa die Fassaden „aufzupolieren”.

Dass Alsdorf bereits jetzt eine Menge zu bieten hat, betonte Petra Grützmacher, die als Optikerin gleich zwei Filialen in der Stadt hat: „Alsdorf ist vielfältig, hat ein unglaubliches Potenzial, ist lebendig. Vom Preiswertsegment bis zur höchsten Qualität bietet der Handel alles.”

Den dennoch vorhandenen Leerstand erklärt sie sich damit, dass das Angebot von den Alsdorfern nicht angenommen wird: „Wenn etwas da ist, muss man auch hingehen. Geschäfte sind verschwunden, weil einfach keiner hingegangen ist.”

„Die Probleme in Alsdorf sind hausgemacht”

Auf unserer Online-Plattform „alsdorfer-meinung.de” schreiben uns Bürger aktuell ihre Sicht der Dinge.

So meint zum Thema Leerstand Anton Bernd: Die Probleme in Alsdorf sind hausgemacht, denn niemand kümmert sich um diese „Leerstände”. Vor vielen Jahren wurde mit großem Brimbamborium eine Stelle im Rathaus eingerichtet und per Presse hervorgetan, deren Inhaber sich um genau dieses Problem kümmern sollte. Leider hat dieser Mensch nicht einen einzigen Leerstand beseitigen können. Auch die anderen „Stadtplanungen” in Alsdorf-City und in der Peripherie sind ohne die Bürgerinnen und Bürger geschehen und entgegen allen Empfehlungen. Viele „Spezialisten” in Sachen Stadtplanung oder Stadtmarketing oder Wirtschaftsförderung sind engagiert oder präsentiert worden, doch nie jemand, der diesen Job von Grund auf gelernt hat. Es wurden immer wieder „Pöstchen” vergeben und die Stadt und das Stadtsäckel weiter ausgeblutet. Die Bürgerinnen und Bürger haben nichts davon. Immer wieder wurde hin- und hergeplant - das eine hier und das andere dorthin - ohne Erfolg!”

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert