40 Jahre Seelsorger: Christian Kittel ist ein Pfarrer der Herzen

Von: Katrin Maiwald
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Christian Kittel an einem seiner liebsten Orte: die Kirche. Vor der Messe betet er hier. Foto: Katrin Maiwald

Alsdorf. „Ich bin quasi mit der Gemeinde verheiratet.” Für Christian Kittel ist nach 40 Jahren Amtszeit als Pfarrer die Kirche seine Familie. In der Gemeinde St. Mariä Heimsuchung wurde er 1970 zum Pfarrer benannt. Heute ist er 82 Jahre alt und liebt seinen Beruf nach wie vor.

Zwar ist er offiziell pensioniert, dennoch ist er weiterhin aktiv mit dem Herzen dabei. „Ich kann mir nicht vorstellen, in ein Altersheim zu gehen. Für mich gibt es nichts Anderes”, sagt Kittel.

Im Pfarrhaus neben der Kirche lebt er alleine und versorgt sich selber. Früher hat er seiner Mutter beim Kochen zugeschaut - das zahlt sich heute aus. Doch regelmäßig wird er von Menschen aus der Gemeinde zum Essen eingeladen.

„Mein Terminkalender ist voll”, sagt Kittel und klingt wie ein junger Mann auf der Karriereleiter nach ganz oben. Nicht umsonst weiß er von sich zu behaupten, „Mitten im Leben” zu stehen. Woran liegt das? Nach wie vor feiert Kittel regelmäßig Messen, macht Krankenbesuche, nimmt Einladungen von Vereinen wahr und besucht zweimal die Woche einen Kindergarten. Nebenbei ist er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Alsdorf.

Nahe bei den Menschen stehen - das ist ihm besonders wichtig. Er will seinen Mitmenschen selber Mitmensch sein. Jemand, der sie versteht und nicht den drohend den Finger hebt. Berührungsängste hat er dabei nicht. „Ich tröste traurige Menschen, gebe Kranken Mitgefühl und berücksichtige das Menschliche.”

Sein Gebot: Mach´ es wie Gott, werde Mensch. Zum Menschsein gehört natürlich, ein Bier in der Kneipe zu trinken oder mit auf der Bühne zu stehen. Die Kraft für seinen lebendigen Alltag bekommt er einerseits durch seine Gemeinde: „Wenn ich sehe, dass die Kirche voll ist, habe ich Motivation weiter zu machen.” Andererseits ist seine Quelle der Kraft die leere Kirche. Nachmittags sitzt Kittel dort mindestens eine halbe Stunde. „Ich tue nichts und lasse mich nur von Gott bestrahlen.”

Schon in jungen Jahren wusste Kittel, dass er Pfarrer werden möchte. „Mir liegt die Kirche im Blut.” Im Alter von zehn Jahren erlebte er Bombenangriffe auf sein eigenes Elternhaus. Er wuchs mit sieben Geschwistern auf. In seiner Schulzeit ging er regelmäßig in einem Krankenhaus mit Klosterschwestern aushelfen.

„Die Schwestern haben mich in meiner Entscheidung sehr geprägt. Außerdem standen meine Eltern immer hinter mir. Ich war der Seiltänzer und sie das Netz, welches mich aufgefangen hat.” So studierte er in Bonn Theologie. Eine Alternative gab es für ihn nicht: „Ich habe nicht daran gedacht, eine eigene Familie zu haben.”

Zu seiner Zeit als junger Pfarrer bekam er hohes Ansehen. Pfarrer wurden mit Apothekern oder Lehrern auf eine Stufe gesetzt. Dieses Bild habe sich jedoch geändert.

Die gesellschaftliche Stellung des Pfarrers sei heute bei weitem nicht mehr die, die vor 50 Jahren existierte. „Früher hatten wir gehörigen Respekt vor dem Pfarrer. Ich habe dann immer die Straßenseite gewechselt.”

Heute liegen Kittel Kinder besonders am Herzen. Angst soll bei ihnen nicht das vorherrschende Gefühl sein. Mit gespielten Geschichten versucht er Kindern die Bibel zu vermitteln. „Wortgottesdienste wollen die Kinder nicht mehr hören.”

Nach wie vor spürt Kittel eine hohe Empfänglichkeit von Kindern für Religion. Doch in Zukunft müssen sich die Kirchen umstellen, meint er: Herzlichkeit ist das Stichwort.

Die Einstellung der Kirche, die Menschen kämen zu Ihnen, sei veraltet. Viel mehr müsse aktiv auf die Leute zugegangen werden. Mit Herz und Seele. Ein gutes Vorbild ist Christan Kittel - Pfarrer der Herzen.
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