23. Wirtschaftforum: „Tag und Nacht für Unternehmen da sein”

Von: Sigi Malinowski
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Fachgespräche beim 23. Wirtsc
Fachgespräche beim 23. Wirtschaftsforum: (v.l.) Peter Sandkamm, Pat Burke (beide Cook Medical), Regierungspräsidentin Gisela Walsken, Bürgermeister Dr. Willi Linkens und Uwe Henze (Cook Medical). Foto: mas

Baesweiler. Mitte der 90er Jahre muss es gewesen sein. Da lud Baesweilers damaliger Stadtdirektor Dr. Willi Linkens ein paar Amerikaner in ein - ausrangiertes, aber noch fahrtüchtiges - Feuerwehrauto und zeigte der Delegation aus den USA „the little town Baesweiler”.

Die Gäste waren von der Herzenswärme, der Originalität und der Aufmerksamkeit derart überzeugt, dass sie im Internationalen Service- und Transferzentrum (ITS) eine Filiale ihres Unternehmens gründeten.

Inzwischen ist dieser Betrieb eine von elf US-Firmen im Gewerbegebiet Baesweiler, in dem 3500 Menschen eine Arbeitsstelle haben. Insgesamt sind es sogar 23 internationale Unternehmen, die sich in Baesweiler niedergelassen haben. Um „Internationale Ansiedlungen” und damit verbundene „Chancen für lokales und regionales Wachstum” drehte sich das 23. Wirtschaftsforum, ausgerichtet im ITS.

Gastgeberin in der Keimzelle des wirtschaftlichen Erfolgs in Baesweiler war diesmal die Kölner Bezirksregierung, deren Chefin Regierungspräsidentin Gisela Walsken sich persönlich in die Stadt des Löwen aufgemacht hatte und die Moderation einer hochkarätig besetzten Veranstaltung übernahm.

Bevor die landes- und bundesweit beachteten Baesweiler Ansiedlungserfolge in den Fokus genommen wurden, trieb Gisela Walsken Bürgermeister Dr. Willi Linkens schon zu einem großen Kompliment. „Am liebsten würde ich Sie jede Woche hier begrüßen”, nahm Linkens die Präsidentin mit weit geöffneten Armen auf. Denn sie hatte auch ein dickes Geschenk mitgebracht. Den Förderbescheid für den Ausbau der Radwege entlang der Geilenkirchener Straße.

17. 000 Euro „schwer” ist das Wertpapier. Da musste die Regierungspräsidentin kräftig schmunzeln. Zahlreiche Bürgermeister aus anderen Kommunen waren der Einladung ebenso gefolgt wie Wirtschaftsfachleute der Agit, der Kammern oder von NRW Invest sowie weitere Vertreter aus der Politik.

Sie vernahmen eine Einleitung, bei der die Baesweiler Wirtschaftsförderer um Linkens und ITS-Geschäftsführer Dirk Pfeifferling und Co. dickes „Herzbummern” bekommen mussten: „Welchen Standort hätten wir besser für dieses Thema wählen können als diesen?”, bemerkte Gisela Walsken. Denn: „100 Kommunen im Regierungsbezirk schauen anerkennend hier herüber.”

Wie in keiner anderen Stadt gebe es „hier immer wieder zu Ansiedlungen internationaler Unternehmen”, sagte Walsken. Bürgermeister Linkens stellte den Strukturwandel der ehemaligen Bergbaustadt vor, erinnerte daran, wie man 1985 mit der aktiven Wirtschaftsförderung begann, das ITS aufbaute, Flächen anbot, um „allen Unternehmen die Entscheidung für Baesweiler schmackhaft zu machen”.

„Wir versuchen, Tag und Nacht für unsere Unternehmen da zu sein”, beschrieb Linkens einen Mosaikstein des Erfolges. Hinzu kämen die Bereitstellung der individuell zugeschnittenen Grundstücke, die günstigen verkehrlichen Anbindungen, die Versorgungs-Infrastrukturen. Linkens: „Dazu muss man dann auch schon mal schnell einen Bebauungsplan ändern.” Linkens betonte, wie wichtig es sei, alle kommunalen Behörden und die übergeordneten Behörden in einen Prozess einzubinden, um Wege zu ebnen.

Pat Burke („Cook Medical hat als Pionier viele Produkte entwickelt, die in der Medizin und vor allem bei minimal-invasiven Eingriffen zum Einsatz kommen”) und Uwe Henze, beide Manager des amerikanischen Unternehmens Cook Medical, trugen vor, welche Gründe für sie entscheidend waren, sich in Baesweiler niederzulassen.

Das weltweit 10.000 Mitarbeiter beschäftigende Unternehmen sieht die „Nähe zu den großen Flughäfen” unter anderem als Vorteil und freut sich vor allem auch „über die ausgezeichnete Arbeit der Stadt, uns zu gewinnen und zu unterstützen”.

Ähnlich äußerte sich auch Norman Rosnersky, Geschäftsführer des Unternehmens EHC-Global, das weltweit führender Hersteller bei der Produktion von Handläufen für Fahr(Roll)treppen ist. Der gebürtige Herzogenrather Rosnersky hatte 1994 in zwei Räumen des 1. ITS-Abschnittes begonnen.

Das seit 1977 bestehende Unternehmen sei damals nach Deutschland gekommen, „weil Baesweiler in der Mitte Europas liegt”, sei der Standort geradezu ideal. 40 Mitarbeiter beliefern etwa 100 lokale Lieferanten. Neben der „Standard”-Produktion habe man auch angefangen, neue Produkte zu entwickeln. Rosnersky betonte auch: „Die exzellente Unterstützung vor Ort durch die Stadt war ein Kriterium, uns für diesen Standort zu entscheiden.”

Diskussionsrunde

An einer anschließenden Diskussionsrunde - geleitet von Gisela Walsken - zwischen den „Best Practice”-Vertretern von EHC und Cook beteiligten sich weitere Firmenchefs und Agit-Manager Frank Leisten. Der Tenor daraus war unter anderem, dass die politische Stabilität in Europa und die hohe Qualität der Produktion Standortvorteile seien. Dazu kommen qualifizierte Fachkräfte, die den europäischen Markt stärken.

Übrigens: Eine Produktionsverlagerung ins Ausland kommt für keinen der Manager, die beim Wirtschaftsforum zu Wort kamen, in Frage.
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