Herzogenrath - 125 Jahre: St. Matthias ist heute Hochzeitern sehr beliebt

125 Jahre: St. Matthias ist heute Hochzeitern sehr beliebt

Von: Beatrix Oprée
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Ein Backsteinbau in Neoromanik: Im Inneren präsentiert sich ein leuchtendes Apsis-Gemälde mit echter Ölvergoldung, das noch restauriert wird. Stolz ist die Gemeinde auch auf die Katzgrau-Fensterrosette über der Empore. Mit den Seiten- und Chor-Fenstern verfügt die Gemeinde über Früh- und Spätwerke der renommierten Aachener Glaskünstlerin. Im Turm-Geläut findet sich unter anderem der „Dicke Willi“. Foto: Beatrix Oprée
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Flammen symbolisieren den Dornbusch: Norbert Paffen öffnet den wertvollen Tabernakel unterhalb der Apsis im Altarraum. Foto: Oprée
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Einmal über das Kirchenschiff hinweg laufen: Alte Holzstege führen im Dachgeschoss in fast jeden Winkel. Wer mutig ist, kann dies bei einer Führung mit Hans-Josef Rick (Bild) und Norbert Paffen selbst erkunden.
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Herzogenrath. Er sei einzigartig in der Welt, sagen die Berensberger: ihr „Dicker Willi“. Wer das ist? Der „Star“ unter den Turmglocken der Kirche St. Matthias. Und die soll schon bald – pünktlich zu ihrem 125-jährigen Geburtstag – in neuem Glanz erstrahlen. So haben im Moment die Handwerker das Sagen im Kirchenraum.

Die aus dem Jahr 1890 stammenden und mit hübschen Schnitzereien versehenen Eichenbänke sind, sorgfältig mit dicker Plastikfolie abgedeckt, zur Seite geräumt, statt ihrer deckenhohe Gerüste aufgebaut worden.

Aus dem Beichtstuhl lugt der heilige Antonius von Padua hervor. „Den haben wir hier geparkt, damit ihm nichts passiert“, sagt Norbert Paffen schmunzelnd, früheres Kirchenvorstandsmitglied und ausgewiesener Kenner der Historie des neoromanischen Kirchenbaus und seiner erlesenen Ausstattung. Der hölzerne Antonius stammt aus der Werkstatt des Aachener Bildhauers Josef Janssen. Sie wurde 1976 geschnitzt und der Pfarre von Monsignore Dr. Willi Haerten gestiftet.

Eine ganze Reihe namhafter Künstler hat im Laufe der Jahrzehnte Einzug gehalten in die Berensberger Pfarrkirche: Ebenfalls eine Stiftung des Monsignore ist die Darstellung des Pfarrpatrons selbst, des heiligen Matthias, oft auch als der 13. Apostel gekennzeichnet. Diese, mit einem goldenen Heiligenschein gekrönte Statue wurde 1973 von dem Heinsberger Künstler J. Jansen geschaffen. „Der Hund an seiner Seite steht für die Treue zu Christus“, erläutert Norbert Paffen während er vorsichtig ein weiteres Kleinod öffnet: den Tabernakel. Die mit einem roten Glasfluss in vergoldeter Fassung verzierten Außentüren wurden in der Aachener Goldschmiede Hesselmann gefertigt und Anfang der 70er Jahre von Familie Bohnen gestiftet. Rötliche Flammen im Inneren symbolisieren den brennenden Dornbusch und sollen von der Gegenwart Gottes im Allerheiligsten zeugen, das im Tabernakel aufbewahrt wird. Der Kohlscheider Goldschmiedemeister Peter Bücken hat diese Arbeit ausgeführt.

Einen prächtigen Anblick bietet auch die Apsis mit der Darstellung der „Majestas Domini“, der „Herrlichkeit des Herrn“, mit Christus als Weltenherrscher, flankiert von der Jungfrau Maria und Johannes dem Täufer über den Symbolen der vier Evangelisten.

„Der Hintergrund ist eine echte Ölvergoldung“, weist Paffen auf eine Besonderheit des leuchtenden Gemäldes hin. Fachgerecht soll es restauriert werden, die Landeskonservatorin hat es dazu schon in Augenschein genommen, berichtet Paffen, der sich freut, dass dies alles Dank der Unterstützung durch das Bistum und des Landesamts für Denkmalpflege möglich wird.

Anliegen der Denkmalpfleger

Den Denkmalpflegern war es ein besonderes Anliegen, dass das Apsis-Gemälde im Zuge der Renovierungsmaßnahmen – die im Wesentlichen die Beseitigung des Grauschleiers aus 26 Jahren umfassen – ebenfalls überarbeitet wird. Der Aachener Maler Eduard Rouette hat es 1896 im Stil der Nazarener gestaltet, einer im 19. Jahrhundert begründeten romantisch-religiösen Kunstrichtung.

Von den Pfarrangehörigen in Ehren gehalten werden auch die Fenster der Aachener Glaskünstlerin Maria Katzgrau, einst Meisterschülerin des Leiters der Maler- und Glasmalerklasse, Anton Wendling, an der Werkkunstschule Aachen. Ihre Frühwerke im Chorraum stellen linksseitig den Pfarrpatron Matthias sowie rechts den mittelalterlichen Mystiker Bernhard von Clairvaux dar. Ihre untrügliche Signatur: eine winzige aufs Glas gemalte Katze. Auf ihre Entwürfe gehen auch das Kreuzfenster in der Mitte des Chors sowie die korrespondierenden Fenster in den Seitenschiffen zurück. In den Jahren 1948 und 1949 wurden die Fenster in der Linnicher Glaswerkstatt Oidtmann gefertigt. Anfang der 1990er Jahre wurde Katzgrau nochmals für die Berensberger Pfarre tätig. Norbert Paffen erzählt: „Wir hatten herausgefunden, dass die Künstlerin noch lebt und Kontakt zu ihr aufgenommen.“ Mit einer Pelerine und einem großen roten Hut bekleidet, sei die alte Dame zur Vorbesichtigung gekommen, gerührt darüber, noch einmal Teile ihres Frühwerks in Augenschein nehmen zu können: „Leäv Herrjöttsche, dat isch dat noch erleäve darf“, habe sie gerufen, erinnert sich Paffen gerne an diese Begegnung. Natürlich war die renommierte Künstlerin sofort bereit, für diese Kirche nochmals einen Auftrag auszuführen.

Symbole für Anfang und Ende

Das Kreuzmotiv der Seitenfenster aufnehmend, gestaltete sie die Rosette über der Orgeltribühne mit den stilisierten Buchstaben Alpha und Omega, erster und letzter Buchstabe des klassischen griechischen Alphabets – Symbole für Anfang und Ende. Im Fensterbogen über dem Hauptportal findet sich das Motiv wieder, das in der Regel abends beleuchtet wird, so dass ein wunderbarer Schimmer nach außen dringt.

Aus Nivelsteiner Sandstein entstand zum Ende des 19. Jahrhunderts der Kreuzweg. Eine Goldtapete ziert seinen Hintergrund.

Gegenüber dem Eingang unterhalb des Marienfensters der Künstlerin Anne Schneider-Lang findet sich eine Marien-Ikone, hinter Glas und fest in der Wand verankert. Denn die Vorgängerin war samt Ewigem Licht gestohlen worden. Paffen: „Die Gemeinde hat darauf hin Geld gesammelt, um in Griechenland eine neue zu kaufen.“ Sie entstand nach dem Vorbild des kretischen Malers Andrea Ricco und wurde am 28. Mai 1995 feierlich geweiht.

Ganz auf Gedenken ausgerichtet ist die Turmkapelle unter der Orgelempore: Zwei Eichentafeln tragen die Namen der Toten und Vermissten aus den beiden Weltkriegen. „Es sind 90 Männer“, sagt Norbert Paffen. „Das waren sehr viele für so eine kleine Gemeinde.“ Eine schlichte Pieta komplettiert das Ensemble – aus der Werkstatt des Aachener Künstlers Hein Minkenberg, 1949 geschaffen aus einem alten Eichenstamm von „Gut Acker“.

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