Selfkant-Tüddern - Zwischen Kiefern und Birken liegt ein bedeutendes Bodendenkmal

Zwischen Kiefern und Birken liegt ein bedeutendes Bodendenkmal

Von: Willi Erdweg
Letzte Aktualisierung:
self-huegel-sonne-bu
Teils von Kiefern bestanden ist der „Sonnenhügel”, ausgerichtet nach Nordost und Südwest. In ihm wird eine Kultstätte der Kelten vermutet. Vorne der Findling, der auf einer Seite eine Hinweistafel trägt. Foto: Gerd Passen

Selfkant-Tüddern. „Leider haben die Löwen hier viele historische Spuren platt getrampelt”, bedauert Gerd Passen, Vorsitzender der Heimatvereinigung Selfkant. Wir befinden uns auf dem Gelände der ehemaligen Tüdderner Löwensafari.

Abseits halb zugewucherter Fahrwege liegt zwischen Kiefern, Birken und Brombeerranken eines der bedeutendsten Bodendenkmäler im Kreis Heinsberg: ein keltisches Gräberfeld aus dem Zeitraum der letzten 500 Jahren vor Christus.

Noch deutlich zu erkennen sind im Gelände zwei Erhebungen: ein kreisförmiger flacher Hügel (umgrachtetes Ringgrab) und ein Längsgrab von etwa 30 Metern. Um diese und zwei ebenfalls noch erkennbare Brandflächengräber sind im Halbkreis 41 Hügelgräber angeordnet, die jedoch unter der Grasnarbe verborgen liegen.

Die erste bekannte Ausgrabung an dieser Stelle stammt aus dem Jahre 1840. Damals barg der Pfarrer von Havert, Johannes Matthias Goerten, aus den etwa ein Metern hohen Hügelgräbern innerhalb eines Tages sechs Urnen. Eine Urne war mit menschlichen Knochen gefüllt. Andere Gräber enthielten nur Holzasche und Holzkohle sowie Leichenbrand.

Ebenfalls gefunden wurden eine Lanzenspitze, eine Streitaxt und eiserne Platten mit kupfernen Nägeln (wahrscheinlich Teile eines Pferdegeschirrs), die aus fränkischer Zeit (450-600 n. Chr.) stammen.

Das heißt, die Anlage diente sowohl den Kelten als später den Franken als Begräbnisstätte. Während die Kelten ihre Toten verbrannten, kannten die Franken nur die Körperbestattung.

Das Ringgrab war, um die bösen Geister abzuhalten, wie die gesamte Anlage auch, von einem Wassergraben umgeben.

Es enthielt eine ausgebaute Kammer und Spuren von Rötel. Das Wasser wurde über hohle Baumstämme zugeleitet. „Wir vermuten ein Priestergrab mit jungsteinzeitlichem Kuppelbau”, so Jakob Cals, Geschäftsführer der Heimatvereinigung.

Als „Sonnenhügel” wird das eingangs erwähnte Längsgrab bezeichnet, das mit seiner Achse auf das Priestergrab verweist. Es ist nach der Winter- und Sommersonnenwende ausgerichtet und diente vermutlich den Kelten als Kultstätte. Insgesamt weist die ganze keltische Anlage geometrische Formen auf, denn die Flächengräber liegen im Dreieck mit dem Ringgrab.

1937 und 1958 war das Gräberfeld vom Heimatforscher Peter Anton Tholen vermessen worden, 1968 geriet es - heute nur schwer verständlich - in die Löwensafari, wobei einige Gräber im Mitleidenschaft gezogen wurden. Inzwischen hat die Heimatvereinigung einen Findling mit einer Hinweistafel zwischen Priestergrab und Sonnenhügel aufgestellt.

Das Gräberfeld in der Westerheide, auf kiesigem Untergrund am Nordhang des Rodebaches südlich der Straße Süsterseel-Tüddern gelegen, ist derzeit für nicht Ortskundige schwierig zu finden, Hinweise fehlen. Im Jahr 2010 ist in der Nachbarschaft Kiesabbau geplant. Nach dessen Ende und der anschließenden Rekultivierung soll der gesamte Bereich neu gestaltet werden, mit einem kleinen See, neuen Wegen und Hinweisschildern auf die historische Stätte, wie Gerd Passen erläutert.

Das Gräberfeld steht im Zusammenhang mit einer weitläufigen keltischen Streusiedlung etwa 1000 Meter weiter nördlich, zwischen der neuen Bundesstraße 56 südlich von Höngen und dem Waldrand. Hier wurden schon in früheren Zeiten entsprechende Funde gemacht. Bei den Erdarbeiten längs der Trasse der Bundesstraße kamen Pfostengruben zum Vorschein, die auf ein Sechs- und ein Acht-Pfostenhaus (auch für heutige Begriffe schon stattliche Bauten) mit Nebengebäuden hinweisen.

Ebenso stießen die Ausgräber auf einige größere Gruben, aus denen Lehm für den Hausbau entnommen wurde und die mit Keramikscherben, Brandlehm und Holzkohleasche verfüllt waren. Durch eine Radiocarbonmessung der Holzkohle (Universität Köln) konnte die Siedlung auf 581 bis etwa 130 vor Christus datiert werden.

Regelmäßig veranstaltet die Heimatvereinigung Führungen dorthin. Kürzlich stieß ein Kind dabei auf eine fein gearbeitete Steinklinge. Wahrscheinlich ruhen hier und im nahen Wald noch viele unbekannte „Schätze” unter dem Boden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert