Heinsberg - Zu viel Nitrat: Hohe Werte bei Wasser aus privaten Brunnen

Zu viel Nitrat: Hohe Werte bei Wasser aus privaten Brunnen

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Hohe Belastung: Mitglieder von VSR-Gewässerschutz haben in einer Wasserprobe eines privat genutzten Brunnens in Karken einen Wert von 168 Milligramm Nitrat pro Liter gemessen. Foto: imago/Margit Brettmann

Heinsberg. 168 Milligramm Nitrat pro Liter haben die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz bei ihren letzten Messungen in einem privat genutzten Brunnen in Karken gefunden. Der Grenzwert für Nitrat in der Europäischen Union und in Deutschland liegt seit Mitte der 1980er Jahre bei einem Wert von 50 Milligramm pro Liter für Trinkwasser.

Weitere übermäßige Belastungen fanden die Umweltschützer auch in Oberbruch mit 104 Milligramm Nitrat pro Liter, in Porselen mit 108 Milligramm, in Schafhausen mit 105 Milligramm, in Straeten mit 104 Milligramm, in Bocket mit 118 Milligramm, in Nachbarheid mit 164 Milligramm und in Wehr mit 106 Milligramm.

Nicht nur, dass das Wasser bei so starker Belastung nicht mehr zum Trinken geeignet ist, beim Bewässern im Garten kann es auch zur Nitratanreicherung in verschiedenen Gemüsesorten kommen.

Insgesamt wurden 32 privat genutzte Brunnen im Raum Heinsberg - Waldfeucht - Selfkant - Gangelt untersucht. In der Hälfte der analysierten Proben lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes für Trinkwasser der Weltgesundheitsorganisation.

Die Folgen sind dramatisch: Weite Grundwasserbereiche stehen daher als Reserve für die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung nicht mehr zur Verfügung.

Neben dem gesundheitlichen Aspekt der Grundwasserbelastung darf auch der ökologische nicht vernachlässigt werden. Das mit Nitraten belastet Grundwasser sickert den Bächen in der Region zu und fließt dann über die Maas weiter zur Nordsee. Dort wirkt das Nitrat als Dünger und fördert das Algenwachstum. Es kommt zur Eutrophierung.

Was dort im Großen auffällt, können schon viele Gartenteichbesitzer im Kleinen beobachten. Sobald das belastete Grundwasser in ein stehendes Gewässer geleitet wird, führt es dort schon bei 25 Milligramm pro Liter zu einem enormen Algen- und Pflanzenwachstum. Was besonders bedenklich ist: In drei Viertel der untersuchten Brunnen wurde dieser ökologische Wert schon überschritten.

„Wasser ist ein Allgemeingut und jede Verschmutzung muss unbedingt unterbunden werden. Es ist nicht hinzunehmen, dass Bürger ihre Brunnen nicht mehr nutzen können, die Agrarindustrie aber weiterhin das Grundwasser weiträumig vergiftet,” beklagt Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende der Umweltschutzorganisation VSR-Gewässerschutz.

„Seit Jahrzehnten sind die Grundwasserprobleme bereits bekannt, aber die verantwortlichen Politiker schaffen leider immer noch keine Rahmenbedingungen um unseren Nachkommen eine sichere Trinkwasserversorgung zu gewährleisten,” so Susanne Bareiß-Gülzow weiter.

Der durch die Gesetze und Richtlinien und teilweise auch durch Kooperationsvereinbarungen zwischen Wasser- und Landwirtschaft festgelegte lokale Grundwasserschutz in den Einzugsgebieten der öffentlichen Trinkwasserversorgung reichen nicht aus. Das Grundwasser muss überall geschützt werden.

Die Gewässerschützer werden in der Region weitere Messungen durchführen. Nitrat ist ein Bestandteil von vielen Düngemitteln, die in der Landwirtschaft und auch Gartenbau verwendet werden. Wurde zu stark oder zum falschen Zeitpunkt gedüngt, kommt es zu einer verstärkten Auswaschung und somit zu höheren Nitratkonzentrationen im Grundwasser. Besonders gefährdet ist in solchen Fällen das Wasser in Bereichen mit intensiven Sonderkulturen.

Massentierhaltung

Durch den vermehrten Einsatz mineralischer Stickstoffdünger kann es zu einer Verlagerung des Luftstickstoffs in die Böden und grundwasserführenden Schichten kommen. Besondere Probleme entstehen oft auch durch die Massentierhaltung.

Da diese selbst über eine zu geringe Anbaufläche für Futtermittel verfügen, kann die in der Gülle anfallende Stickstoffmenge nicht sinnvoll verwendet werden und muss über die Felder entsorgt werden Der Nitratgehalt steigt somit über das für diese Region normale Maß an, erklären die Umweltschützer.

Im ökologischen Landbau findet keine so große Auswaschung ins Grundwasser statt, da keine Mineraldünger benutzt und die Felder nachhaltig bewirtschaftet werden.

„Solange keine Trendumkehr bei der gegenwärtigen Düngungspraxis vollzogen wird, ist in Bezug auf den Nitratgehalt des Grundwassers mindestens mit einer gleich bleibenden oder sogar mit einer weiter zunehmenden Belastung zu rechnen”, so der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen (SRU) in ihrem Umweltgutachten 2004.

Wer mehr über die Belastung des Grundwassers wissen möchte, der kann sich an das Service-Telefon der Umweltschützer wenden. Dieses steht immer am Freitagsvormittag unter der Rufnummer 02831/976523 den Brunnennutzern für Fragen zur Verfügung.
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