Zu schnelles Fahren ist immer noch der „Killer Nummer eins”

Von: disch
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Stellvertretender Leiter der D
Stellvertretender Leiter der Direktion Verkehr: Polizeihauptkommissar Michael Okuhn. Foto: Koenigs

Kreis Heinsberg. Dem Anstieg in der Zahl tödlicher Verkehrsunfälle will die Polizei in Nordrhein-Westfalen mit einer neuen Sicherheitsstrategie begegnen. Innenminister Ralf Jäger hatte - wie berichtet ? angekündigt, dass Raser und Verkehrssünder stärker ins Visier genommen werden sollen.

Erster Polizeihauptkommissar Franz-Josef Bongard, Leiter der Direktion Verkehr bei der Kreispolizeibehörde Heinsberg, und sein Stellvertreter, Polizeihauptkommissar Michael Okuhn, stimmen mit dem Minister überein: „Zu schnelles Fahren ist der Killer Nummer eins.” Zu hohe Geschwindigkeit sei die Unfallursache Nummer eins auch im Kreis Heinsberg, aber generell sei die Höhe der Geschwindigkeit bei Unfällen - auch wenn Abbiegen/Wenden oder Vorfahrt/Vorrang als Ursache im Vordergrund stünden - entscheidend für die Folgen.

Das Ministerium hatte dies mit Zahlen belegt: Bei einer Geschwindigkeit von 65 km/h sterben acht von zehn angefahrenen Fußgängern, bei Tempo 50 hingegen überleben acht von zehn. Ein anderes Rechenexempel: Wo Autofahrer bei Tempo 30 nach einer Vollbremsung bereits stehen, fangen sie bei 50 km/h erst an zu bremsen.

Die Unfallstatistik 2011 wird erst in einigen Wochen präsentiert, doch fest steht: Elf Unfalltote waren im Kreis Heinsberg zu beklagen; zwei mehr als im Jahr zuvor. Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle (2010: 6667) ist gesunken, die Zahl der Unfälle mit Verletzten (2010: 854) jedoch gestiegen.

72 540 Fahrzeuge waren im vergangenen Jahr von der Kreispolizei ins Laser-Visier genommen und gemessen worden. 6609 davon waren zu schnell unterwegs.

Die Strategie des Landes wird im Kreis umgesetzt: mit verstärkten Kontrollen. Dabei kommt der Kreispolizeibehörde entgegen, dass die Ministeriumsvorgabe, immer nur Anhaltekontrollen vorzunehmen, um unmittelbar nach dem Verstoß im Gespräch mahnend und aufklärend auf den Autofahrer einwirken zu können, gelockert wurde. Um einen höheren Kontrolldruck zu erreichen, sind nun auch weniger personalintensive Geschwindigkeitskontrollen ohne Anhalten möglich. Dabei soll vor allem auch der neue zivile Messwagen mit modernster Technik eingesetzt werden. Die Ausrüstung im Mercedes-Van ermöglicht Messungen auch an Stellen, wo sie bisher nicht möglich waren, beispielsweise in Kurvenlagen. Und das Tempo kann in beide Fahrtrichtungen gemessen werden. So können auch Kennzeichen von Motorrädern abgelesen werden...

Gemessen wird nicht nur verdeckt. Auch Streifenwagen sollen für Messungen eingesetzt werden, um Kontrollstellen offen erkennbar zu machen. Die Polizei kündigt geplante Kontrollen sogar im Internet an. Studien hätten ergeben, so das Ministerium, dass mit solchen Veröffentlichungen das Geschwindigkeitsniveau gesenkt werden könne.

Denn genau darum gehe es, so Bongard. Das Tempo zu drosseln und Unfälle mit schweren und schwersten Folgen zu verhindern. „Jeder Unfall, der weniger passiert, ist ein Erfolg, nicht jedes Knöllchen, das wir mehr machen.” Gemessen wird vor allem an Unfallhäufungsstellen und auf unfallbelasteten Strecken, aber eben auch in der Fläche. Wobei enge Absprachen mit dem Kreis stattfinden, der nicht nur für die „Starenkästen” zuständig ist, sondern auch zwei zivile Fahrzeuge für Messungen einsetzt. Wo gerast wird, aber auch wo Fußgänger und Radfahrer besonders gefährdet sind, soll gemessen werden. Wobei wiederum Verkehrsverstöße von Radfahrern und Fußgängern, die durch ihr eigenes Fehlverhalten ihr Leben riskieren, ebenfalls entschlossener geahndet werden sollen.

Die Kontrollen der Polizei in der kommenden Woche:

Montag: Gangelt, B 56; Geilenkirchen, B 221; Heinsberg, L 230.

Dienstag: Heinsberg, L 230; Hückelhoven, L 117; Erkelenz, L 19.

Mittwoch: Gangelt, B 56; Wassenberg, B 221.

Donnerstag: Heinsberg, B 221; Erkelenz, L 19; Hückelhoven, L 364; Übach-Palenberg, L 225.

Freitag: Wegberg, L 3; Gangelt, B 56; Geilenkirchen, L 42; Heinsberg, L 228.

Samstag: Heinsberg, B 221; Wegberg, L 400.

Sonntag: Gangelt, B 56; Heinsberg, B 221.

Darüber hinaus müssen Autofahrer im gesamten Kreisgebiet mit kurzfristigen Kontrollen rechnen.

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