Wolfgang Bosbach zu Gast beim Handwerk

Von: anna
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Beim Frühjahrstreffen des Handwerks: Festredner Wolfgang Bosbach wurde von Kreishandwerksmeister Edwin Mönius (l.) und Hauptgeschäftsführer Dr. Michael Vondenhoff (r.) in Heinsberg willkommen geheißen. Foto: Anna Petra Thomas
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Kammer-, Landes- und Bundessieger vom Leistungswettbewerb des Handwerks wurden beim Frühjahrstreffen des Heinsberger Handwerks geehrt. Foto: Anna Petra Thomas

Kreis Heinsberg. In einem ganz neuen Rahmen empfing der Vorstand der Kreishandwerkerschaft seine Mitglieder und Gäste zum 21. Frühjahrstreffen. Nicht mehr an einem Sonntagvormittag, sondern an einem Wochentag-Abend fand das Treffen statt – und zwar im Gebäude der Kreissparkasse in Heinsberg.

Gastredner war mit Wolfgang Bosbach (CDU) eines der bekanntesten Mitglieder des Bundestags. „Worauf es jetzt ankommt“ lautete sein Thema. Die musikalische Gestaltung übernahm das Saxotett classique unter der Leitung von Georg Stoffels.

Als Hausherr betonte Thomas Pennartz, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse, betonte die Verbundenheit des Handwerks vor Ort mit den regionalen Geldinstituten insgesamt. „Hier in der Region geht es gut“, so sein Fazit.

Sogar mehr Anmeldungen als Plätze habe es gegeben, freute sich Kreishandwerksmeister Edwin Mönius. „Das liegt mit Sicherheit an unserem Festredner.“ Das Jahr 2015 sei für das Handwerk mit einem durchschnittlichen Wachstum von zwei Prozent „durchaus erfolgreich“ gewesen. Für dieses Jahr sei ein ähnlich gutes Ergebnis zu erwarten. „Dennoch wird mir – mit Blick in die Zukunft – etwas bange.“ Seit dem letzten Treffen sei die Zeit gekennzeichnet von Unglück, Gewalt, Terror und Krieg.

Mönius richtete den Blick auf die Situation der Flüchtlinge. Seit drei Wochen beschäftige er selbst einen Flüchtling aus Pakistan in seiner Bäckerei, berichtete er. „Nur mit offenen Diskussionen und Veranstaltungen können wir Lösungen finden, die langfristig Bestand haben, die von Mehrheiten getragen werden“, erklärte er. „Lösungen, die das Wohlergehen der eigenen Bürger berücksichtigen, aber nicht die Not der Flüchtlinge vergessen“, so sein Credo.

Mit den Attributen „profiliert, gradlinig, verlässlich“ leitete Mönius nach der Ehrung der Kammer-, Landes- und Bundessieger über zum Redner des Abends. Vor allem mit seinem typisch rheinischen Humor sprach Bosbach den Gästen des Abends aus der Seele und erntete dafür immer wieder Applaus. Schnell war aber auch er beim Thema Flüchtlinge angelangt und gab parallel seiner Verwunderung Ausdruck, dass man in Deutschland 2015 so schnell über 25 Jahre deutsche Wiedervereinigung hinweggegangen sei. Er forderte weniger Kritik an der Politik. „Es ist doch toll, was wir in diesen 25 Jahren geschafft haben. Das ist eine gewaltige Gemeinschaftsleistung unseres gesamten Landes.“

Angst vor Ent-Christianisierung

Mit Blick auf die Weltpolitik mahnte Bosbach zur Wachsamkeit, „damit Konflikte, die ihre Ursachen in fernen Ländern haben, nicht nach Deutschland importiert und hier auf unseren Straßen und Plätzen mit Gewalt ausgetragen werden“. Deutschland sei ein tolerantes, liberales Land, aber es dürfe keine Toleranz gegenüber Intoleranten zeigen.

„Wer hier nach der Scharia leben will, hat sich für dieses Ziel das falsche Land ausgesucht!“ Er habe weniger Angst vor einer Islamisierung als vor einer Ent-Christianisierung. Nur bei der „Jahreshauptversammlung der Christen am 24. Dezember“ seien doch die Kirchen noch voll. „Wenn wir nicht selber unsere freiheitliche Rechts- und Werteordnung verteidigen“, warnte Bosbach, „andere werden es für uns nicht tun“. Die Integration werde teuer, doch eine, die jetzt fehlschlage, werde in Zukunft noch teurer. Ohne das Ehrenamt in Deutschland wären alle staatlichen Einrichtungen jedoch schon längst kollabiert.

Das Geld, das der Bund den Kommunen für die Flüchtlingsarbeit zur Verfügung stelle, müsse dort auch ankommen, monierte Bosbach „die Hände wie Rhabarberblätter“ der Landesfinanzminister.

Das traurigste Kapitel trage jedoch die Überschrift „Europa“. Zu den Ländern, die sich derzeit standhaft weigern würden, Flüchtlinge aufzunehmen, gehörten gerade diejenigen, die am meisten von finanziellen Hilfen profitiert hätten. „Da muss mal einer in der Kommission aufstehen!“

Schließlich warf er dann auch einen Blick auf das Handwerk. Nicht jeder müsse Architekt oder Ingenieur werden, betonte Bosbach. Auch der Bauhandwerker werde weiterhin gebraucht. Dafür seien aber Ausbildungsbetriebe nötig. Und nur noch jeder fünfte Betrieb bilde derzeit aus. Auch der ältere Mitarbeiter habe seinen Wert.

„Mag sein, dass die jungen schneller laufen, aber die alten kennen die Abkürzungen“, scherzte er auch am Ende seiner eindrucksvollen, freien Rede noch. „Ich will mitwirken, dass Deutschland so bleibt wie es ist und Jahr für Jahr besser wird.“ Es sei nach wie vor ein Glück, in Deutschland geboren zu werden und hier leben zu dürfen, so sein Fazit.

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