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Wohnungseinbrüche: Nimmt die Zahl der Delikte zu?

Von: André Schaefer
Letzte Aktualisierung:
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Trügerische Sicherheit: Zur falschen Zeit heruntergelassene Rollladen setzen ein deutliches Signal, dass niemand zu Hause ist, weiß Experte Wolfgang Ulbrich.

Kreis Heinsberg. Wolfgang Ulbrich hat etwas für die Sicherheit seines Hauses getan. Etwas anderes würde man von dem Kriminalhauptkommissar der Kreispolizeibehörde Heinsberg auch nicht erwarten. Denn Ulbrich ist Experte, wenn es um präventive Maßnahmen gegen Wohnungseinbrüche geht.

Im Interview spricht er über die Aufklärungsquote im Kreis Heinsberg, die typische Vorgehensweise von Einbrechern und vorbeugende Sicherheitsmaßnahmen durch Hausbesitzer.

Herr Ulbrich, das Innenministerium wird Anfang März die Statistik zu den Wohnungseinbrüchen 2013 veröffentlichen. Müssen sich die Bürger im Heinsberger Kreis auf schlaflose Nächte einstellen?

Ulbrich: Nein, wir gehen von keiner signifikanten Zunahme der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr aus. Wir erwarten für das Jahr 2013 eine ähnliche Statistik wie die Jahre zuvor.

Können Sie Zahlen nennen?

Ulbrich: Werfen wir den Blick auf die vergangenen fünf Jahre, so sprechen wir von einem Durchschnittswert von etwas über 800 Wohnungseinbrüchen pro Jahr. Wir verzeichnen dabei allerdings eine Wellenbewegung. Im Jahr 2012 kam es im Kreis Heinsberg zum Beispiel zu 830 Wohnungseinbrüchen, das sind neun mehr im Vergleich zum Vorjahr. 2009 hatten wir aber sogar 947 Wohnungseinbrüche. Man kann also nicht sagen, dass die Zahl der Einbrüche von Jahr zu Jahr steigt.

Man hatte dennoch das Gefühl, dass es insbesondere in der Vorweihnachtszeit vermehrt zu Wohnungseinbrüchen kam.

Ulbrich: Im Grunde ist dieses Gefühl auch nicht falsch. Die Zahl der Einbrüche ist in den Wintermonaten generell deutlich höher. Das liegt ganz einfach daran, dass es abends früher dunkel wird, was den Einbrechern natürlich entgegen kommt, da sie dann besser feststellen können, ob jemand zu Hause ist oder nicht. Nachts kommt es ohnehin nur noch selten zu Wohnungseinbrüchen.

Sorgen machen muss man sich also tagsüber?

Ulbrich: Fakt ist, dass die meisten Wohnungseinbrüche tagsüber stattfinden. Das ist kein Phänomen, das es nur im Heinsberger Kreis gibt, sondern gilt bundesweit. Der Wohnungseinbrecher von heute ist ein Dieb und kein Räuber. Das heißt, er möchte möglichst ungestört in ein Haus oder eine Wohnung einbrechen, sich in Ruhe umsehen und mit der Beute verschwinden. Im Durchschnitt hält sich ein Einbrecher im Schnitt rund zwölf bis 15 Minuten in einem Haus oder einer Wohnung auf. Und tagsüber, wenn die meisten Leute nicht zu Hause sind, ist die Wahrscheinlichkeit nun mal am größten, ungestört einbrechen zu können. Die Angst vieler Menschen, nachts von einem gewalttätigen Einbrecher überfallen zu werden, ist eher unbegründet.

Gibt es Erkenntnisse dazu, ob es sich im Kreis Heinsberg bei den Tätern überwiegend um Mitglieder organisierter Banden oder um Einzeltäter handelt?

Ulbrich: Das ist eine schwierige Frage. Unsere Aufklärungsquote liegt bei rund zehn bis 15 Prozent. Das ist ein Wert, den man deutschlandweit in einzelnen Regionen zu hören bekommt. Das heißt aber auch, dass wir nicht oft die Gelegenheit haben, mit den Tätern zu sprechen. Wir gehen davon aus, dass es sowohl Einzeltäter als auch organisierte Banden gibt. Im Detail belegen können wir das aber nicht.

Bei einer Aufklärungsquote von zehn Prozent ist noch Luft nach oben. Die Gewerkschaft der Polizei bemängelt, dass zu wenige Ressourcen vorhanden seien.

Ulbrich: Natürlich hätten wir nichts dagegen, eine höhere Aufklärungsquote vorweisen zu können. Aber wir arbeiten mit den Ressourcen, die uns zur Verfügung gestellt werden. Und mit denen sind wir gut aufgestellt. Der Bereich Wohnungseinbrüche ist in unserer Arbeit ein zentraler Schwerpunkt, in den wir sehr viel investieren.

Wo ist der Kreis hinsichtlich der Zahl an Wohnungseinbrüchen im Landes-Ranking positioniert?

Ulbrich: Der Kreis ist mit Sicherheit durch seine Grenznähe interessanter für Einbrüche als andere Regionen. Wir sind aber nicht der Ausreißer – weder nach unten noch nach oben.

Wo liegen die Schwerpunkte im Kreis Heinsberg? Welche Gebiete sind besonders interessant für Einbrecher?

Ulbrich: Wir können keine Schwerpunkte festmachen. Wir können auch nicht sagen, dass überwiegend in Mehr- oder Einfamilienhäusern eingebrochen wird. Das ist im Kölner Bereich beispielsweise anders. Dort verzeichnet man deutlich mehr Einbrüche in Mehrfamilienhäusern, von denen es im Gegensatz zu ländlichen Gebieten im städtischen Bereich natürlich mehr gibt. Was wir sagen können, ist, dass laut Statistik mit Sicherheit in Heinsberg oder Erkelenz mehr eingebrochen wird als etwa im Selfkant. Das ist jedoch der Tatsache geschuldet, dass es in Heinsberg und Erkelenz schlichtweg mehr Einwohner gibt.

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